Pluribus sorgt wieder für Gesprächsstoff, diesmal wegen Staffel 2

Kein Krieg, keine Diskriminierung, kein Verbrechen: und trotzdem kämpft Carol dagegen. Rhea Seehorn spielt in Staffel 2 von Pluribus bei Apple TV+ eine der letzten zwölf Individualisten gegen den kollektiven Hive Mind. Die Serie macht deutlich, dass selbst eine Utopie ohne Zustimmung zur Dystopie wird.
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Worum geht es in Pluribus?
In Pluribus spielt Rhea Seehorn die Buchautorin Carol, eine von genau zwölf Menschen, die sich einem weltweiten Phänomen widersetzt haben: Nahezu die gesamte Menschheit hat sich zu einem sogenannten Hive Mind zusammengeschlossen, einem kollektiven Bewusstsein, das Individualität auflöst. Die Serie läuft bei Apple TV+ und erntete für ihre erste Staffel breites Lob.
Das Grundprinzip der Serie stellt eine simple, aber unbequeme Frage: Was geht verloren, wenn alle einer Meinung sind, und was gewinnt die Welt dabei? Diese Spannung zieht sich durch jede Folge und macht Pluribus zu mehr als klassischer Science-Fiction.
Hinter der Serie steht Showrunner Vince Gilligan, bekannt durch Breaking Bad und Better Call Saul. Ausführender Produzent Gordon Smith arbeitete ebenfalls an Better Call Saul und bringt dieses Gespür für moralisch komplexe Charaktere in das Projekt ein.
Der Hive Mind: Utopie oder Alptraum?
Beim Screening-Gespräch, das Variety-Redakteur Michael Schneider moderierte, diskutierte das Ensemble die Kernfrage der Serie mit bemerkenswerter Offenheit. Samba Schutte, der die Figur Mr. Diabaté verkörpert, brachte das Dilemma auf den Punkt: 'Es gibt keinen Rassismus auf der Welt, keine Diskriminierung, keinen Krieg, keine Kriminalität. Wir können alles haben, was wir wollen, wir können alles sein, was wir wollen. Ist das nicht die Welt, die wir uns alle gewünscht haben?'
Seehorn antwortete darauf mit trockenem Humor: 'Es gibt keine Zustimmung! Aber das ist ja egal.' Der kurze Austausch trifft den Kern dessen, was die Serie so vielschichtig macht: Der Hive Mind bietet echte Vorteile, erkauft sie aber mit dem Verlust von Selbstbestimmung.
Ausführender Produzent Gordon Smith beschrieb die emotionale Kernaussage der Serie mit einem einfachen Bild: 'Steck elf Menschen in einen Raum und schau, ob sie sich auf irgendetwas einigen können. Es ist eine Herausforderung. Und ich glaube, darum geht es in der Show: Wie riesig die Distanz von mir zu dir ist. Es ist fast eine unüberwindbare Distanz.'
Seehorn über Carols Wut als Stärke
Rhea Seehorn erklärte, was sie an ihrer Figur Carol besonders fesselt: 'Ich liebte es, mit der Idee zu spielen, dass der Zorn dieser Frau entsetzliche Konsequenzen in der Welt hat. Das fand ich sehr interessant. Aber es ist auch ein bisschen eine Superkraft.' Carol ist keine leicht sympathische Heldin, sondern eine Frau, deren Sturheit und Emotionalität reale Schäden anrichten.
Carlos Manuel Vesga schilderte seinen Zugang zur Figur Manousos, einem Kolumbianer, der in Paraguay lebt und zu den letzten Überlebenden gehört: 'Ich komme immer wieder darauf zurück, dass er seine Welt schon einmal verloren hat. Er musste sein Land verlassen, seine Identität wurde einmal zurückgelassen. Dieses Mal ist er nicht bereit, das noch einmal zuzulassen. Er verhandelt nicht.'
Karolina Wydra vervollständigt das Ensemble der Überlebenden, deren unterschiedliche Hintergründe und Motivationen die Gruppenchemie prägen. Die Figuren sind keine homogene Gemeinschaft, sondern ein Abbild menschlicher Unvereinbarkeit.
Offene Fragen und Fantheorie des Casts
Beim Gespräch bat Schneider das Ensemble, eigene brennende Fragen zur Serie zu formulieren. Carlos Manuel Vesga sorgte damit für Überraschung: 'Ich frage mich, ob Carol vor allem ein Kind verloren hat. Ich frage mich, ob das der Grund ist, warum Helen überhaupt mit ihr aushält.' Seehorn reagierte sichtlich verblüfft auf diese Spekulation ihres Kollegen.
Die Szene zeigt, wie viel Interpretationsspielraum Pluribus lässt. Selbst die Darsteller haben keine vollständige Antwort auf die innere Geschichte ihrer Figuren, was auf eine bewusst offengehaltene Erzählstruktur hindeutet.
Genau solche ungelösten Fragen dürften Staffel 2 antreiben. Die erste Staffel legte Charakterfundamente, ohne alle Risse zu kitten.
Staffel 2: Drehstart noch dieses Jahr?
Staffel 2 von Pluribus ist offiziell bestätigt und befindet sich derzeit in der Entwicklungsphase. Gordon Smith gab beim Screening ein konkretes Update: 'Wir schreiben, wir sind etwa auf halbem Weg durch Staffel 2, brechen sie auf. Wir hoffen, irgendwann gegen Ende dieses Jahres oder Anfang nächsten Jahres mit den Dreharbeiten beginnen zu können.'
Smith schränkte die Erwartungen gleichzeitig realistisch ein: 'Wir arbeiten so hart und so schnell wir können, was nicht sehr schnell ist, aber das Beste, was wir tun können.' Ein konkreter Starttermin für die neue Staffel bei Apple TV+ steht damit noch aus.
Für das Publikum bedeutet das: Die Antworten auf Fragen wie die nach Carols Vergangenheit oder dem Schicksal der übrigen Überlebenden werden kommen, aber Geduld ist gefragt. Die Produktionsgeschwindigkeit der Serie entspricht offensichtlich ihrem Anspruch an Qualität.
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Artikel geschrieben von:

Anna Schneider analysiert Serien von düsteren Mystery-Stoffen bis zu leichteren Komödien mit Fokus auf Erzählstruktur und Figurenentwicklung.
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