Carol war zu weit gegangen: Pluribus musste die Figur früh korrigieren

Maximale Verzweiflung und trotzdem erzählbar: Das war Carols Problem. Rhea Seehorn schildert, dass ihre Figur in Pluribus so nah am Suizid war, dass kein narrativer Spielraum mehr blieb. Gilligan und Seehorn zogen die Reißleine, bevor die Figur jede Entwicklung verlor.
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Eine Figur am Rand des Abgrunds
Carol Sturka, gespielt von Rhea Seehorn, verliert zu Beginn von Pluribus ihre Partnerin an ein außerirdisches Virus, das einen Großteil der Menschheit unter seine Kontrolle bringt. Inmitten dieser Apokalypse kämpft Carol nicht nur gegen die Bedrohung von außen, sondern auch gegen tiefe Depression und Suizidgedanken. Diese Kombination machte die Figur von Anfang an zu einem der komplexesten Charaktere im aktuellen Serienfernsehen.
Showrunner Vince Gilligan und Seehorn entwickelten Carols Bogen gemeinsam und stießen dabei früh auf ein dramaturgisches Problem. Wie Seehorn im Gespräch mit ihrem früheren Better Call Saul-Kollegen Bob Odenkirk für das Interview-Magazin schilderte, war die Figur zunächst so nah an der Selbstaufgabe, dass kaum noch Raum für eine Entwicklung blieb. 'Meine Figur war fast in einem Maß suizidal, das Vince und ich als zu weit erkannten, denn wohin geht man von dort aus?', erklärte Seehorn.
Gilligan wusste selbst nicht alles
Vince Gilligan, bekannt durch Breaking Bad und Better Call Saul, betrat mit Pluribus inhaltlich unbekanntes Terrain. Seehorn berichtete, dass Gilligan ihr früh gestand: 'Ich bin mir nicht ganz sicher, was die Serie ist.' Dieser offene Entwicklungsprozess war für die Figur Carols sowohl Herausforderung als auch Chance.
Das gemeinsame Herausarbeiten von Carols Charakter führte zu einer bewussten Entscheidung: Die stärksten Momente ihrer inneren Zerrüttung sollten nicht verfrüht ausgespielt werden. Stattdessen legten Gilligan und Seehorn die dunkelsten Szenen gezielt in spätere Episoden, um der Figur erzählerischen Spielraum zu geben.
Warum das Drehbuch zurückgehalten wurde
In Episode 3 erhält Carol von der Figur Zosia, gespielt von Karolina Wydra, eine scharfe Handgranate und zieht den Sicherungsstift. Die Szene deutet an, wie wenig ihr das eigene Überleben bedeutet, ohne diesen Gedanken vollständig auszusprechen. Genau diese Zurückhaltung war dramaturgisches Kalkül.
Seehorn formulierte es gegenüber dem Hollywood Reporter klar: 'Wir brauchten die Figur, die immer wieder vom Boden aufsteht. Aber was treibt sie an, wenn sie sagt, ich bin fertig? Also sprachen wir darüber, das zurückzuhalten, weil wir später noch irgendwo hinmüssen.' Die volle Wucht der Suizidgedanken sollte erst in Episode 7 sichtbar werden.
Episode 7 als emotionaler Wendepunkt
In der siebten Folge der ersten Staffel verfehlt eine Feuerwerkrakete Carols Kopf nur knapp. Die Szene wirkt auf den ersten Blick wie ein passiver Suizidversuch, entpuppt sich aber als etwas Nuancierteres. Seehorn beschrieb den Moment als Schlüsselszene für Carols innere Reise.
'Es erschreckte sie, dass ihr egal war, ob die Rakete sie im Gesicht treffen könnte. Das ist der Hoffnungsschimmer', erklärte Seehorn. 'Es war nicht: Ich will sterben. Es war: Ich verliere die Sorge um mein eigenes Überleben, und das ist ein Problem.' Diese Erkenntnis, so die Logik der Serie, markiert den Beginn eines möglichen Weges zurück ins Leben.
Trauer als roter Faden der Staffel
Der Tod von Carols Partnerin ist kein einmaliger Auslöser, sondern ein Gewicht, das die gesamte erste Staffel durchzieht. Seehorn beschrieb diese Trauer als 'ständig schwebende Last', die nie vollständig aus dem Bild verschwindet, selbst wenn Carol nach außen hin funktioniert.
Pluribus ist auf Apple TV verfügbar und verbindet Science-Fiction mit einer ungewöhnlich ehrlichen Auseinandersetzung mit psychischer Gesundheit. Dass Gilligan und Seehorn sich die Zeit nahmen, diese Themen nicht zu verheizen, sondern sorgfältig zu dosieren, macht den Unterschied zwischen einer tragischen Figur und einer wirklich tragfähigen Hauptrolle.
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Wegen Vince Gilligan trägt Pluribus jetzt zwei völlig verschiedene Welten
Das Virus verändert alles, aber die Infizierten sehen aus wie du und ich. Genau das ist Gilligans Kernidee: ein Kollektiv mit Schwarmintelligenz, das sich optisch nicht von normalen Menschen unterscheidet. Dieser Bruch mit dem Genre-Standard zwingt die Serie in völlig neues Territorium.

Pluribus dreht weiter, und das hat einen überraschenden Grund
Kein Drehbuch, kein Pitch, trotzdem zugesagt. Rhea Seehorn unterschrieb für Pluribus, weil Vince Gilligan ihr sagte, sie solle einfach warten. Dass diese Wette aufging, zeigt Staffel 2 gerade in der Produktion.

Rhea Seehorn trägt Pluribus auf eine Art, die überrascht
6,4 Millionen Stunden in sieben Tagen: Pluribus verändert das Streaming-Jahr 2026. Rhea Seehorn spielt Carol Sturka, eine der letzten 13 Menschen außerhalb des kollektiven Virus-Bewusstseins, auf Apple TV+. Vince Gilligans erste Serie nach Breaking Bad beweist, dass er das Prestige-Fernsehen noch einmal neu definieren kann.
Artikel geschrieben von:

Sophie Hartmann analysiert seit mehreren Jahren Serienwelten mit Fokus auf Action, Sci-Fi, Fantasy und Mystery.
Alle Artikel von SophieSophie hat einen weiteren Artikel zur selben Serie verfasst.