Jason Momoa und Pluribus: So begann eine unerwartete TV-Geschichte

Vince Gilligan hat Severance geschlagen, ohne Breaking Bad zu sein. Pluribus, seine dystopische Sci-Fi-Serie mit Jason Momoa bei Apple TV, überholte die jahrelang unangefochtene Nummer eins der Plattform. Dass ausgerechnet ein Gilligan-Projekt den Sci-Fi-Rekord bricht, hätte vor dem Start kaum jemand erwartet.
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Vince Gilligan schafft neuen Streaming-Rekord
Pluribus ist die neue Benchmark für Science-Fiction bei Apple TV. Die Serie überholte Severance, die jahrelang als meistgesehene Sci-Fi-Produktion der Plattform galt, und setzte sich an die Spitze der internen Zuschauerzahlen. Severance hatte nach seiner Premiere als modernes Meisterwerk gegolten, litt aber unter einer mehr als dreijährigen Pause zwischen den Staffeln, ausgelöst durch die COVID-19-Pandemie sowie die Streiks der Autoren- und Schauspielergewerkschaften.
Hinter Pluribus steht Vince Gilligan, der mit Breaking Bad und Better Call Saul zwei der einflussreichsten Serienproduktionen der vergangenen zwei Jahrzehnte verantwortete. Dass er sein nächstes Projekt für Apple TV entwickelte, weckte von Beginn an erhebliche Erwartungen. Die Serie erfüllte sie.
Karolina Wydra spielt neben Rhea Seehorn die Figur Zosia. Das Ensemble trägt eine Geschichte, die trotz ihres langsamen Erzähltempos ein breites Publikum fand.
Worum geht es in Pluribus?
Die offizielle Beschreibung der Serie lautet: 'In einer Welt, die von einer mysteriösen Welle erzwungenen Glücks überwältigt wurde, muss Carol Sturka, eine der wenigen Immunen, herausfinden, was wirklich vor sich geht, und die Menschheit vor ihrer künstlichen Glückseligkeit retten.'
Rhea Seehorn verkörpert diese Carol Sturka, eine Außenseiterin in einer Gesellschaft, die das Unbehagen verlernt hat. Die Serie stellt grundlegende Fragen über Autonomie, Bewusstsein und die Kosten von Harmonie, ohne schnelle Antworten zu liefern. Genau das polarisierte einen Teil des Publikums.
Apple TV hat sich seit dem Start von See, dem dystopischen Epos mit Jason Momoa, das zwischen 2019 und 2022 über drei Staffeln lief, konsequent im Science-Fiction-Segment positioniert. Pluribus setzt diese Linie fort, diesmal mit deutlich urbanerer, psychologisch dichterer Erzählung.
99 Prozent bei Kritikern, Spaltung beim Publikum
Auf der Bewertungsplattform Rotten Tomatoes erzielte Pluribus eine Kritikerwertung von 99 Prozent, was die Serie zu einer der höchstbewerteten Fernsehproduktionen aller Zeiten macht. Das Publikum bewertete die erste Staffel mit 67 Prozent deutlich zurückhaltender.
Der Grund für die Diskrepanz liegt im Erzähltempo. Zuschauer, die mit dem schnelleren Rhythmus von Severance, Foundation oder For All Mankind vertraut sind, fanden sich mit dem ruhigeren Puls von Pluribus nicht immer wohl. Kritiker hingegen lobten genau diese Entschleunigung als bewusste gestalterische Entscheidung.
Rhea Seehorn gewann für ihre Darstellung der Carol Sturka in der ersten Staffel einen Emmy. Die Auszeichnung unterstrich, was die Kritikerwertung bereits andeutete: Pluribus trifft künstlerisch einen Nerv, auch wenn nicht jeder Zuschauer mitschwingt.
Staffel 2 bestätigt, Wartezeit ungewiss
Apple TV hat Pluribus für eine zweite Staffel verlängert. Ein konkretes Startdatum steht bisher aus. Angesichts der Produktionsrealitäten, die bereits Severance mehrfach ausgebremst haben, könnten Fans erneut eine längere Wartezeit einplanen müssen.
Severance selbst wartet nach dem Finale der zweiten Staffel seit über einem Jahr auf seine dritte. Das Muster langer Abstände zwischen Staffeln scheint bei ambitionierten Apple-TV-Produktionen strukturell bedingt zu sein. Ob Pluribus davon ausgenommen bleibt, ist offen.
Trotz der Pause rangiert Pluribus Monate nach dem Staffelfinale noch immer unter den zehn meistgesehenen Serientiteln bei Apple TV. Das zeigt, wie nachhaltig die Serie ihr Publikum hält.
Apple TVs Sci-Fi-Linie wächst weiter
Mit See, Severance und nun Pluribus hat Apple TV eine erkennbare Identität im Science-Fiction-Genre aufgebaut. Alle drei Serien verbindet ein dystopischer Grundton, große Produktionsbudgets und ein Fokus auf Charakterpsychologie statt reiner Actiondichte.
See lief drei Staffeln lang von 2019 bis 2022 und etablierte Jason Momoa als Aushängeschild der Plattform. Severance übernahm danach die Aufmerksamkeit und wurde zum Gesprächsthema weit über die übliche Serienöffentlichkeit hinaus. Pluribus setzt diesen Stab weiter, nun mit Vince Gilligan als kreativem Anker.
Für Abonnenten in Deutschland ist die gesamte erste Staffel von Pluribus bei Apple TV abrufbar. Wann die zweite Staffel folgt, bleibt abzuwarten.
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Carol war zu weit gegangen: Pluribus musste die Figur früh korrigieren
Maximale Verzweiflung und trotzdem erzählbar: Das war Carols Problem. Rhea Seehorn schildert, dass ihre Figur in Pluribus so nah am Suizid war, dass kein narrativer Spielraum mehr blieb. Gilligan und Seehorn zogen die Reißleine, bevor die Figur jede Entwicklung verlor.

Wegen Vince Gilligan trägt Pluribus jetzt zwei völlig verschiedene Welten
Das Virus verändert alles, aber die Infizierten sehen aus wie du und ich. Genau das ist Gilligans Kernidee: ein Kollektiv mit Schwarmintelligenz, das sich optisch nicht von normalen Menschen unterscheidet. Dieser Bruch mit dem Genre-Standard zwingt die Serie in völlig neues Territorium.

Pluribus dreht weiter, und das hat einen überraschenden Grund
Kein Drehbuch, kein Pitch, trotzdem zugesagt. Rhea Seehorn unterschrieb für Pluribus, weil Vince Gilligan ihr sagte, sie solle einfach warten. Dass diese Wette aufging, zeigt Staffel 2 gerade in der Produktion.
Artikel geschrieben von:

Clara Hoffmann ist Serien-Redakteurin mit besonderem Fokus auf emotionale Drama-Serien und detailreiche Period Pieces.
Alle Artikel von ClaraClara hat 2 weitere Artikel zur selben Serie verfasst.