Wegen Vince Gilligan trägt Pluribus jetzt zwei völlig verschiedene Welten

Das Virus verändert alles, aber die Infizierten sehen aus wie du und ich. Genau das ist Gilligans Kernidee: ein Kollektiv mit Schwarmintelligenz, das sich optisch nicht von normalen Menschen unterscheidet. Dieser Bruch mit dem Genre-Standard zwingt die Serie in völlig neues Territorium.
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Vince Gilligans neue Vision nach Saul
Als Better Call Saul zu Ende ging, fragte sich das gesamte Team, was als Nächstes kommt. Vince Gilligan, einst Chefautor bei Akte X und seit Jahrzehnten ein überzeugter Science-Fiction-Autor, hatte die Geschichte von Pluribus bereits seit Jahren im Kopf. Die neunteilige Drama-Serie auf Apple TV+ folgt Carol, gespielt von Rhea Seehorn, einer pessimistischen Frau, die die Welt vor einem Virus retten muss, während ein rätselhaftes außerirdisches Kollektiv menschliche Körper und Bewusstseine weltweit übernimmt.
Gilligan hatte die Hauptrolle ursprünglich als männliche Figur konzipiert, änderte das jedoch, um erneut mit Seehorn zusammenzuarbeiten, die er bereits über sechs Staffeln in Better Call Saul als Kim Wexler besetzt hatte. Kostümbildnerin Jennifer L. Bryan, die seit der letzten Staffel von Breaking Bad mit Gilligan arbeitet, war von Anfang an dabei. Als sie den Anruf erhielt, war ihre erste Frage, ob es wieder ein Ableger oder Prequel sei. Die Antwort war eindeutig: nein.
Gilligan kehrte mit Pluribus zu seinen Wurzeln zurück, und das spiegelt sich in jedem visuellen Detail wider. Bryan beschreibt das Projekt als etwas, das ihr zwei völlig entgegengesetzte Kostüm-Extreme abverlangte, was sie als seltene Chance begreift.
Warum die Others wie normale Menschen aussehen
Gilligans klare Ansage an Bryan lautete: Die Others sollen nicht wie dystopische Zombies wirken, keine zerfetzten Kleider, kein schlurfender Gang. Bryan ließ sich von Filmen wie 'I Am Legend' und der Serie 'The Walking Dead' inspirieren, aber zog den gegenteiligen Schluss: Warum müssen veränderte Menschen überhaupt anders aussehen? Da die Others einen Hive-Mind teilen, also kollektiv denken und auf einer mentalen Ebene kommunizieren, ohne Worte zu brauchen, brauchen sie keine individuellen Statussymbole mehr.
Bryan erklärte gegenüber Deadline: 'Ich dachte, ich streiche all das aus der Kleidung heraus, was uns geografisch, kulturell, sozial und durch Schmuck identifiziert. Sie müssen nicht imponieren, sie imponieren sich selbst.' Das Ergebnis sind Outfits, die streng funktional sind, ohne Schmuck, ohne Hüte, außer bei praktischen Berufen wie Bauarbeitern oder Leitungsmonteuren. Kleidungsstücke aus verschiedenen Kulturen werden bewusst gemischt: ein mongolisches Hemd mit einer Jeans, ein indisches Oberteil mit einem schottischen Kilt.
Der Moment des sogenannten Joining, also der Übernahme, ist dabei entscheidend. Was die Person in dem Augenblick trug, als das Kollektiv sie übernahm, ob in den Anden oder in der Mongolei, das ist ihre Kleidung geblieben. Bryan deutet an, dass in kommenden Staffeln diese kulturelle Vermischung noch extremer werden könnte.
Das peruanische Dorf als Sonderfall
Eine der berührendsten Kostüm-Entscheidungen betrifft ein isoliertes peruanisches Dorf. Dort tragen die Bewohner traditionelle Kleidung: Melonenhüte, schwere Pullover, Mützen mit kleinen Knöpfen. Bryan entschied sich, diese Tradition beizubehalten, weil ein solches Dorf auch im modernen Peru noch so gekleidet wäre.
Als das junge Mädchen aus dem Dorf Teil des Kollektivs wird, behält sie genau diese Kleidung. Das unterstreicht Bryans Grundprinzip: Der Joining-Moment friert den Kleidungszustand ein. Hätte das Mädchen in Albuquerque gelebt, wäre die Mischung deutlich westlicher gewesen.
Dieses Detail zeigt, wie präzise Bryan kulturelle Authentizität und das übergeordnete Konzept der Hive-Mind-Ästhetik miteinander verknüpft, ohne das eine dem anderen zu opfern.
Diabatés Las-Vegas-Fantasie in Vintage-Glamour
Den schärfsten Kontrast zur nüchternen Others-Ästhetik bildet die Las-Vegas-Sequenz rund um Samba Schuttes Figur Diabaté. Diabaté ist das genaue Gegenteil von Carols Charakter: hedonistisch, exzessiv und darauf aus, jeden Wunsch erfüllt zu bekommen. Da die Others das Wort Nein nicht kennen und jeden Wunsch bedingungslos erfüllen, nutzt Diabaté diese Schwäche konsequent aus.
Bryan durfte für diese Szene tief in den Vintage-Fundus greifen und echte Kleidung aus den 1960er Jahren besorgen, um ikonische Figuren der Ära nachzubilden. Unter den Partygästen, Croupiers und Zigarettenmädchen tauchen ein Frank-Sinatra-Double, eine Audrey-Hepburn-Figur und ein Elvis-Lookalike auf. Gedreht wurde tatsächlich in der Elvis-Presley-Penthouse-Suite im Westgate Hotel in Las Vegas.
Bryan beschreibt die Szene als ihr persönliches Kostüm-Gegenstück zur Others-Welt: 'Für Diabaté gibt es den herrlichen afrikanischen Smoking-Blazer, die Fantasie und den Glanz großartiger Kleidung. Das war wie zwei Seiten einer Kostüm-Münze.' Diabatés prachtvoller Auftritt macht die Schlichtheit der Others umso wirkungsvoller.
Carol und Rhea Seehorn neu erfinden
Die Zusammenarbeit zwischen Bryan und Seehorn begann lange vor Pluribus. Über sechs Staffeln kleidete Bryan sie als Kim Wexler in Better Call Saul. Für Pluribus mussten beide Kim Wexler bewusst hinter sich lassen. Bryan beschreibt die gemeinsame Kurzsprache, die sich über die Jahre entwickelt hat, als großen Vorteil: Seehorn weiß genau, welche Botschaften Kleidung auf dem Bildschirm transportiert.
Carols Garderobe ist bewusst unspektakulär gehalten. Sie ist eine praktische, konfliktbeladene Frau, die als Liebesroman-Autorin ein öffentliches Image pflegt, privat aber ganz anders lebt. In der ersten Folge, bei einer Lesung in einer Buchhandlung, wirkt sie zugänglich und so, wie ihre Leserinnen sie sich vorstellen. Sobald sie in einer Country-Bar in Albuquerque ankommt, wechselt sie zu Jeans und Lederjacke.
Danach dominieren Jogginghosen und funktionale Basics Carols Alltag. Bryan beschreibt die Herausforderung als schmalen Grat zwischen Über- und Unterkleidung, den sie mit Seehorn gemeinsam abgesteckt hat.
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Pluribus dreht weiter, und das hat einen überraschenden Grund
Kein Drehbuch, kein Pitch, trotzdem zugesagt. Rhea Seehorn unterschrieb für Pluribus, weil Vince Gilligan ihr sagte, sie solle einfach warten. Dass diese Wette aufging, zeigt Staffel 2 gerade in der Produktion.

Rhea Seehorn trägt Pluribus auf eine Art, die überrascht
6,4 Millionen Stunden in sieben Tagen: Pluribus verändert das Streaming-Jahr 2026. Rhea Seehorn spielt Carol Sturka, eine der letzten 13 Menschen außerhalb des kollektiven Virus-Bewusstseins, auf Apple TV+. Vince Gilligans erste Serie nach Breaking Bad beweist, dass er das Prestige-Fernsehen noch einmal neu definieren kann.

Schauspielerin enthüllt verstörende Wahrheit über Pluribus
In der Apple-TV+-Serie Pluribus spielt Karolina Wydra die Figur Zosia, die als Sprecherin eines außerirdischen Kollektivbewusstseins eine persönliche Beziehung zur Einzelkämpferin Carol aufbaut. Nun hat die Schauspielerin in einem exklusiven Interview enthüllt, was hinter den emotionalsten Momenten der ersten Staffel wirklich steckt. Ihre Aussagen werfen ein völlig neues Licht auf eine der rätselhaftesten Beziehungen der Serie.
Artikel geschrieben von:

Lea Zimmermann analysiert aktuelle Serien mit besonderem Blick für Atmosphäre, Figurenentwicklung und Erzählstruktur.
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