The Pitt trifft mit Santos einen Nerv – und das hat Gründe
Karaoke ersetzt Therapie – und das sagt alles über Santos. Isa Briones erklärt im Interview, wie ihre Figur in Staffel 2 von The Pitt Selbstfürsorge aktiv vermeidet. Für Fans ist das der Schlüssel zum Verständnis einer der komplexesten Figuren der Serie.
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Karaoke statt echter Therapie
Im Finale der zweiten Staffel lädt Santos ihre Kollegin King, gespielt von Taylor Dearden, zu einer Runde Karaoke ein – was Santos selbst als 'Urschrei-Therapie' bezeichnet. Hinter dieser scheinbar harmlosen Freizeitbeschäftigung steckt laut Briones eine tiefere Bedeutung: Santos weiß, dass sie Hilfe braucht, weiß aber nicht, wie sie diese annehmen soll.
Briones beschreibt ihre Figur als jemanden, der sehr wahrscheinlich eine starke Abwehrhaltung gegenüber echter Therapie hat und sich selbst kaum Fürsorge gönnt. Das Karaoke ist für Santos ein Weg, etwas zu tun, ohne wirklich etwas anzugehen – eine Form von Vermeidung, die dennoch einen kleinen Schritt nach vorne darstellt.
Dieser Umgang mit Schmerz und Belastung zieht sich durch die gesamte zweite Staffel. Santos' Selbstverletzungsnarben werden ebenso thematisiert wie der Moment, in dem sie ein Skalpell einsteckt – beides Zeichen einer Figur, die unter enormem inneren Druck steht.
Whitakers Versprechen gibt Halt
Ein besonders berührender Moment im Finale entsteht zwischen Santos und Whitaker, gespielt von Gerran Howell. Er versichert ihr, dass er nicht verschwinden wird – ein einfaches, aber für Santos bedeutsames Versprechen, das zeigt, wie sehr sie Beständigkeit in ihrem Leben vermisst.
Briones betont, dass dieser Moment für Santos' emotionale Entwicklung entscheidend ist. Auch wenn Santos nicht weiß, wie sie Freundschaften pflegen soll, zeigt sie in diesem Augenblick, dass sie es zumindest will. Und dieses Wollen, so Briones, ist der entscheidende erste Schritt.
Neben Whitaker spielen auch die anderen Figuren des Ensembles – darunter Tal Anderson, Sepideh Moafi, Alexandra Metz und Supriya Ganesh – eine wichtige Rolle im sozialen Gefüge rund um Santos, das ihr Halt geben oder nehmen kann.
Langdons Rückkehr als schwere Last
Besonders belastend für Santos in der zweiten Staffel ist die Rückkehr von Langdon, gespielt von Patrick Ball. Santos war es, die in ihrer ersten Schicht in Staffel 1 als Erste bemerkte, was mit Langdon nicht stimmte – und ihn damit indirekt auf den Weg in die Rehabilitation schickte.
Nun, nach seiner Rückkehr, muss Santos mit den Folgen dieser Situation umgehen. Briones sieht darin vor allem eine kommunikative Herausforderung: Beide Seiten müssen lernen, offen miteinander zu reden, um gemeinsam voranzukommen.
Kein einziger Charakter hatte eine einfache Schicht in Staffel 2 von The Pitt – aber Santos trägt eine besondere Last, weil sie gleichzeitig für andere sorgt und sich selbst dabei vollständig vernachlässigt.
Santos und Garcia: Mehr als Kollegen?
Die Beziehung zwischen Santos und Garcia ist eines der emotionalen Kernthemen der zweiten Staffel. Briones stellt klar, dass Santos mehr von dieser Verbindung erwartet, als sie bekommt – aber nicht unbedingt aus romantischen Gründen. Es geht vielmehr darum, dass Santos einfach jemanden braucht, bei dem sie sich sicher fühlt.
Die eigentliche Botschaft dieser Dynamik ist laut Briones simpel und zugleich tief: Santos braucht Gesellschaft, eine Freundschaft, einen sicheren Hafen. Garcia erfüllt diese Rolle in ihren Augen zumindest teilweise – doch die Erwartungen übersteigen die Realität.
Briones hofft, dass Santos in zukünftigen Staffeln lernt, diese Bedürfnisse klarer zu kommunizieren, anstatt sie in Arbeit oder Vermeidungsstrategien wie Karaoke zu begraben.
Al-Hashimi: Unterschätztes Potenzial
Ein weiteres Thema, das Briones anspricht, ist das Verhältnis zwischen Santos und der Oberärztin Al-Hashimi. Santos neigt dazu, ihren früheren Mentor Robby auf ein Podest zu stellen – was laut Briones ein Problem ist, das Santos dringend ablegen sollte.
Briones ist überzeugt, dass Santos und Al-Hashimi tatsächlich sehr gut miteinander auskommen und effektiv zusammenarbeiten könnten, wenn Santos aufhört, ständig zu vergleichen. Al-Hashimi sei eine hervorragende Oberärztin, und Santos müsse das erst noch wirklich anerkennen.
Diese Entwicklung könnte in einer möglichen dritten Staffel ein zentrales Thema werden – vorausgesetzt, Santos findet den Weg, alte Loyalitäten loszulassen und neue Beziehungen zuzulassen.
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Artikel geschrieben von:

Clara Hoffmann ist Serien-Redakteurin mit besonderem Fokus auf emotionale Drama-Serien und detailreiche Period Pieces.
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