Wright und Davidson erklären den Wahnsinn hinter The Girlfriend

Hinter dem Eröffnungsbild von The Girlfriend steckt Kalkül: Robin Wright wollte das Publikum bewusst im Unklaren lassen, ob die Frau im Pool mit einem Liebhaber oder ihrem Sohn zusammen ist. Der sechsteilige Thriller mit Wright, Olivia Cooke und Laurie Davidson läuft auf Prime Video, ein Startdatum für Deutschland steht noch aus. Dass die Serie weltweit innen und Zuschauer erreicht hat, zeigt, wie sehr das Spiel mit Wahrnehmung und Misstrauen trifft.
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Das Eröffnungsbild war Wrights Idee
Robin Wright hat The Girlfriend nicht nur als Hauptdarstellerin geprägt, sondern auch als ausführende Produzentin und Regisseurin von drei der sechs Episoden. Gleich die erste Szene trägt ihre Handschrift: Eine Frau mittleren Alters badet allein im Pool, ein junger Mann gesellt sich dazu, beide umarmen sich. Wright wollte die Zuschauer absichtlich im Dunkeln lassen.
Wright erklärte in einem Gespräch beim Deadline Studio: 'Ich wollte es so lange wie möglich in der Schwebe halten, damit das Publikum sich fragt: Ist das ihr junger heißer Freund?' Der anschließende Moment der Umarmung sei bewusst befremdlich gewählt worden. 'Wir wollten es seltsam machen, und wir haben uns getraut', so Wright.
Erst danach löst die Serie auf, dass der junge Mann Daniels Sohn ist, und dass die Frau im Pool Lauras Mutter ist. Dieser Kunstgriff setzt den Ton für eine Geschichte, in der subjektive Wahrnehmung alles bestimmt.
Worum es in der Serie geht
Wright spielt Laura, eine gut situierte Londoner Kunsthändlerin, die langsam die Kontrolle über sich verliert, nachdem ihr Sohn Daniel (Laurie Davidson) seine neue Freundin Cherry (Olivia Cooke) vorstellt. Laura ist überzeugt, dass Cherry etwas verbirgt, und beginnt, ihrer eigenen Wahrnehmung blind zu vertrauen.
Ihr Misstrauen gefährdet die Beziehung zu ihrem Ehemann, gespielt von Waleed Zuaiter, entfremdet sie von Daniel und bedroht zudem ihr ohnehin schwächelndes Kunstgalerien-Geschäft. Die Handlung entfaltet sich bewusst aus zwei weiblichen Perspektiven gleichzeitig: sowohl aus Lauras als auch aus Cherrys Sicht.
Die Serie basiert auf dem gleichnamigen Roman von Michelle Frances und wurde für das Fernsehen von Naomi Sheldon und Gabbie Asher adaptiert. Weitere Drehbuchautoren sind Polly Cavendish, Helen Kingston, Marek Horn und andere. Produziert wurde das Projekt von Imaginarium Productions gemeinsam mit Amazon MGM Studios.
Davidson hielt anfangs zu Cherry
Laurie Davidson, der Daniels Rolle übernimmt, gestand im selben Gespräch, dass er beim ersten Lesen des Drehbuchs instinktiv Cherrys Partei ergriffen hatte. 'Ich war zu diesem Zeitpunkt schon dabei, in Daniels Kopf einzutauchen, der sich im ersten Kapitel Hals über Kopf verliebt. Er sieht Laura in diesem Moment schlicht nicht mehr.'
Wright unterbrach ihn trocken mit dem Hinweis, Cherry sei eben ein Piranha. Davidson konterte ebenso schlagfertig: 'Und Mama ist ein Barrakuda.' Dieser kurze Wortwechsel fasst das Spannungsgefüge der Serie treffend zusammen: Keine der beiden Frauen ist eindeutig Täterin oder Opfer.
Genau diese Uneindeutigkeit war für Wright als Regisseurin der eigentliche Reiz des Stoffs. Das Publikum soll lange brauchen, um zu entscheiden, wem es die Daumen drückt.
Wahrnehmung als dramaturgisches Prinzip
Wright beschrieb im Interview, was sie an dem Projekt intellektuell gereizt hat: die Frage, wie Missverständnisse entstehen und sich zu vermeintlichen Wahrheiten aufschaukeln. 'Wir gehen in einen Raum, lächeln, weil uns ein Fleck an der Wand amüsiert, und jemand anderes liest daraus eine feindselige Miene heraus', erklärte sie.
Dieser Mechanismus, so Wright, sei der dramaturgische Motor der gesamten Serie. Subjektive Eindrücke werden als Fakten behandelt, Missverständnisse eskalieren, bis sie das Leben der Figuren zerstören. Das Drehbuch nutzt die Doppelperspektive beider Frauen, um diesen Prozess für das Publikum sichtbar zu machen.
Wright inszenierte drei der sechs Episoden selbst und brachte damit eine Kontrolle über Bildsprache und Rhythmus mit, die dem Konzept zugutekam. Die restlichen Folgen wurden von weiteren Regisseuren umgesetzt.
Verfügbarkeit und Produktionshintergrund
Alle sechs Episoden von The Girlfriend sind auf Prime Video abrufbar. Wann die Serie in Deutschland, Österreich und der Schweiz offiziell gestartet ist oder starten wird, wurde bislang nicht separat kommuniziert, ein bestätigtes DACH-Startdatum steht aus.
Die Serie erreichte weltweit mehr als 25 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer, was sie zu einem der meistgesehenen Titel auf der Plattform macht. Produziert wurde sie von Imaginarium Productions und Amazon MGM Studios.
Das Drehbuch stammt von Naomi Sheldon und Gabbie Asher, die auch als Hauptautorinnen fungierten. Ergänzt wurden sie durch ein größeres Autorenteam, darunter Polly Cavendish und Helen Kingston sowie Marek Horn.
Artikel geschrieben von:

Sophie Hartmann analysiert seit mehreren Jahren Serienwelten mit Fokus auf Action, Sci-Fi, Fantasy und Mystery.
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