Viele unterschätzen The Pitt noch, dabei läuft es auf ein historisches Emmy-Ergebnis zu

·03.06.2026, 18:18 Uhr·4 Min
Viele unterschätzen The Pitt noch, dabei läuft es auf ein historisches Emmy-Ergebnis zu
Bild: Max · TMDB

The Pitt könnte die Emmy-Geschichte von HBO neu schreiben. Gewinnt die Krankenhaus-Serie bei den diesjährigen Emmys die Kategorie Beste Drama-Serie, holt HBO Max erstmals seit zehn Jahren beide Haupttrophäen in einer Nacht. Damals waren es Game of Thrones und Veep, heute sind es zwei Serien, die nicht mal klassische HBO-Produktionen sind.

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Doppelsieg nach einem Jahrzehnt Pause

The Pitt und Hacks gelten bei den diesjährigen Emmy Awards als klare Favoriten in den jeweiligen Hauptkategorien. Gewinnen beide, wäre es das erste Mal seit rund zehn Jahren, dass HBO Max die Trophäen für beste Drama-Serie und beste Comedy-Serie in derselben Nacht holt. Damals waren es Game of Thrones und Veep, die diesen Doppelerfolg schafften.

Bemerkenswert dabei: Weder The Pitt noch Hacks sind im klassischen Sinne HBO-Produktionen. Beide Serien wurden unter dem neueren 'Max'-Label in Auftrag gegeben, das Senderchef Casey Bloys gezielt als breiteren, zugänglicheren Arm des Unternehmens etabliert hat. Bloys verfolgt damit seit dem Start von HBO Max eine Strategie, die Premium-Qualität mit größerer Reichweite verbinden soll.

The Pitt, ein Krankenhausdrama mit modernem Erzählrhythmus, brach noch zum Ende seiner zweiten Staffel eigene Zuschauerrekorde. Hacks schaffte eine nahezu makellose Fünf-Staffeln-Laufzeit, in einer Ära, in der die meisten Streaming-Comedies nach der ersten Staffel abgesetzt werden.

Zendaya, Carell und weitere Titelanwärter

Neben den beiden Frontrunner-Serien rücken weitere HBO-Max-Produktionen in den Fokus der Akademie. Euphoria kehrt mit einer neuen Staffel zurück, und Zendaya bleibt in der Schauspielkategorie bislang ungeschlagen bei den Emmys. An ihrem Status als Favoritin zweifelt kaum jemand.

Bill Lawrences Sitcom Rooster war die erfolgreichste Erstlings-Comedy des Senders seit 15 Jahren. Hauptdarsteller Steve Carell tritt in einer vergleichsweise schwachen Kategorie an und könnte dort seinen allerersten Emmy-Sieg einfahren. Dass Carell bislang leer ausgegangen ist, überrascht viele Branchenbeobachter.

Dazu kommt The Comeback mit Lisa Kudrow, deren dritte und abschließende Staffel das Thema Künstliche Intelligenz in Hollywood mutig aufgreift. Kudrow hat für ihre Rolle als Valerie Cherish trotz jahrelanger Kritikerlieblinge noch nie einen Emmy gewonnen, während Jean Smart für Hacks bereits viermal ausgezeichnet wurde.

HBO Max zwischen Blockbuster und Nischenperle

Casey Bloys hat in den vergangenen Jahren bewusst auf zwei Schienen gesetzt. Einerseits nutzte HBO Max bekannte Marken für kommerzielle Großproduktionen, darunter Ableger von Game of Thrones und Dune sowie angekündigte Neuinterpretationen von Harry Potter und Green Lantern. Andererseits finanzierte der Sender damit ungewöhnlichere, risikoreichere Projekte.

Tim Robinson, bekannt für sein absurdes Comedyformat, erhielt mit The Chair Company eine Plattform für genuinen Außenseiterstoff. Mit I Love LA investierte HBO Max in Rachel Sennott als aufstrebende Multitalent-Stimme ihrer Generation, ähnlich wie es der Sender einst mit Lena Dunham und Issa Rae getan hatte. Diese Bereitschaft, idiosynkratische Stimmen zu fördern, gilt als Kern der HBO-Identität.

Auch die Dramaserie Industry konkurriert in diesem Zyklus, in ihrer vierten Staffel stärker denn je. Die Fernsehakademie hat die Serie bislang weitgehend ignoriert, obwohl sie von vielen Kritikern zu den besten laufenden Dramen gezählt wird.

Fusion mit Paramount bedroht HBO-Identität

Im Hintergrund des glänzenden Emmy-Moments brodelt eine existenzielle Frage. Die Fusion zwischen Warner Bros. Discovery unter David Zaslav und Paramount Skydance unter David Ellison ist weitgehend beschlossene Sache. Parallel dazu haben die Warner-Bros.-Filme One Battle After Another, Sinners und Weapons bei den Oscars elf Preise gewonnen, darunter den besten Film, und damit einen Studiorekord eingestellt.

Was Ellison an dem Deal reizt, liegt auf der Hand: ein riesiges Archiv ungenutzter Markenrechte und laufende Hits wie The White Lotus und True Detective. Was dabei auf der Strecke bleiben könnte, ist das Prinzip, das HBO groß gemacht hat: mit kommerziellen Zugpferden kleinere, künstlerisch ambitionierte Projekte zu querfinanzieren.

Die Befürchtung in der Branche ist konkret. Serien wie Getting On oder Enlightened, die ohne Tony Soprano und True Blood im Rücken vermutlich nie grünes Licht bekommen hätten, wären in einem auf Abonnentenzahlen fixierten Paramount-Umfeld kaum denkbar. Gegen das Taylor-Sheridan-Universum mit Yellowstone und Landman hätten solche Nischenprojekte wenig Chancen.

Ein Hochpunkt vor dem Umbruch

HBO Max wird im September aller Voraussicht nach einen starken Emmy-Abend erleben. The Pitt, Hacks, Zendaya, möglicherweise Steve Carell: Die Nominierungslage ist so günstig wie selten. Doch der Triumph fällt in eine Phase tiefer Unsicherheit über das, was danach kommt.

Die Fernsehakademie steht dabei vor einer symbolischen Aufgabe. Serien wie The Wire wurden zu Lebzeiten von den Emmys ignoriert und erst im Nachhinein als Meisterwerke anerkannt. Industry droht ein ähnliches Schicksal. Task, die neue Serie des Mare-of-Easttown-Schöpfers Brad Ingelsby, könnte trotz guter Resonanz übersehen werden.

Was bleibt, ist das Bild eines Senders, der auf dem Höhepunkt seiner Stärke in eine ungewisse Zukunft tritt. Ob die Seele von HBO in einem fusionierten Konzern überlebt, ist die eigentliche Frage hinter all den Emmy-Prognosen.

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Quelle: MaxZuletzt aktualisiert: 03.06.2026, 18:18 Uhr

Artikel geschrieben von:

Sarah Becker
Autor
Sarah Becker
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Sarah Becker analysiert Streaming-Highlights aus den Bereichen Krimi, Drama und Mystery mit geschultem Blick für Erzählstrukturen.

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