Wochenlange Vorbereitung, echte Silikon-Torsos: So entstand das Herzstück von The Pitt Staffel 2

Staffel 1 galt bereits als zu realistisch, Staffel 2 übertrifft sie trotzdem. Arougheti liefert diesmal Madenbefall, Kopfhautverletzungen durch Feuerwerkskörper und eine weitere Thorakotomie. Je extremer die Effekte, desto höher die Erwartungen für alles, was danach kommt.
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Staffel 2 fordert mehr als je zuvor
Myriam Arougheti, Abteilungsleiterin für Make-up bei The Pitt, wusste nach dem Erfolg der ersten Staffel, dass sie die Messlatte höher legen musste. Staffel 1 hatte bereits Herzinfarkte, drittgradige Verbrennungen und eine Notfallthorakotomie gezeigt. Für Staffel 2 lautete der Auftrag: Grenzen verschieben, die Dramatik im Pittsburgh Trauma Medical Hospital weiter steigern.
Arougheti lieferte: eine weitere Thorakotomie, eine Kopfhautverletzung nach einem Feuerwerkskörper-Unfall, sogenannte Margarita-Verbrennungen und in Episode 2 einen Gipsverband, der aufgesägt wird und eine Madenkolonie freigibt. 'Die Maden waren wirklich ekelig', lacht sie. Ihr Antrieb bleibt dabei stets derselbe: 'Es ist immer wieder die Aufregung, Menschen auf eine neue Art und Weise zu verblüffen', erklärte Arougheti gegenüber Variety.
Jede dieser Szenen verlangte wochenlange Vorbereitung, präzise Silikonarbeit und enge Abstimmung mit dem Regieteam. Der Anspruch: medizinisch glaubwürdig wirken, ohne ins Komödiantische abzugleiten.
Thorakotomie: Falscher Torso, echte Arme
Gleich zu Beginn der neuen Staffel wird ein Patient mit einem Küchenmesser in der Brust in die Notaufnahme gefahren. Als sein Herz aufhört zu schlagen, muss Dr. Garcia, gespielt von Alexandra Metz, eine Notfallthorakotomie durchführen: Der Brustkorb wird live auf Kamera geöffnet.
Arougheti erklärte die Herausforderung: Der Torso ist eine Attrappe aus Silikon, doch Kopf und Arme des Schauspielers sind echt. 'Der Schauspieler ist in dieser falschen Trage versteckt', beschreibt sie den Aufbau. Das Silikon muss dabei die richtige Flexibilität haben, damit Hautqualität und Bewegung authentisch aussehen. Zahlreiche Anpassungen im Design waren nötig, bevor die Szene gedreht werden konnte.
Das Ziel war, so viele echte Körperteile wie möglich im Bild zu lassen, um die Illusion zu verstärken. Kamerawinkel und Schnitte taten den Rest.
Margarita-Verbrennungen: Stunden nur für Make-up
Episode 8 brachte eine Verletzung, die selbst Arougheti überraschte. Ein Patient kommt mit sogenannten Margarita-Verbrennungen ins Krankenhaus. Das Phänomen ist real: Wenn Haut, die mit Zitrusfrüchten in Kontakt kam, anschließend starker Sonneneinstrahlung ausgesetzt wird, entstehen extreme Verbrennungen mit großen Blasen.
'Es gab nichts Praktisches dabei. Es war reines Make-up, und das dauert stundenlang', sagt Arougheti. Die Blasen wurden aus Silikon vom Spezialeffekt-Studio Autonomous Effects gefertigt, in verschiedenen Größen und Opazitätsstufen. Anschließend folgte aufwendige Bemalung: Airbrush, Handmalerei, Vaseline und KY-Gel für unterschiedliche Texturen und Glanzgrade.
Kurz vor dem Dreh stellte Arougheti fest, dass ein letztes hinzugefügtes Detail nicht funktionierte. Sie bat um zehn Minuten, korrigierte es direkt am Set und rettete damit die Szene. Ein Beispiel dafür, wie viel Improvisation auch nach wochenlanger Vorbereitung noch gefragt ist.
Kopfhautklappe: Sechs Wochen Arbeit
Episode 12 liefert einen der verstörendsten Momente der Staffel. Dante, gespielt von Shane Nelson, erleidet ein schweres Kopftrauma, als in einer Lagereinheit ein Feuerwerkskörper explodiert. 'Er hat eine riesige Platzwunde, und wir enthüllen diese große Kopfhautklappe', beschreibt Arougheti die Szene.
Das Make-up-Stück wurde sechs Wochen lang gebaut. Zunächst wurde ein Gipsabdruck des Schädels angefertigt, damit die Prothese exakt passt. Dann mussten Haare eingeknüpft werden, die mit dem echten Haar des Schauspielers übereinstimmen. Zusätzlich spritzten Arterien Blut ins Gesicht der Ärztin, und auf Kamera wurden Nähte gesetzt. 'Es gibt kein Verstecken', sagt Arougheti über den Aufwand.
Die Naht-Szene stellte eine besondere Herausforderung dar: Das Stück musste auf dem Schauspieler befestigt sein, die Nadel durfte ihn aber nicht verletzen. Ausgiebige Tests und Brainstorming-Runden waren nötig, um den Gag sicher und überzeugend auf Kamera zu bringen.
Zungen-Prothese und Kaiserschnitt-Finale
In einer weiteren Szene leidet eine Patientin an einer Zungenverletzung. Arougheti löste das Problem mit einer Zahnspangen-Lösung: Verschiedene Zungengrößen wurden auf eine Zahnschiene genäht, sodass die Schauspielerin sich frei bewegen und reagieren konnte. Für den Schnitt der Ärztin wurde einfach eine längere Zungenvariante verwendet. 'Nichts verletzt sie', betont Arougheti.
Das Staffelfinale zeigt einen Notfall-Kaiserschnitt. Patientin Nicole kommt mit geschwollenen Knöcheln und hohem Blutdruck, dann setzt eine Eklampsie ein. Arougheti baute eine eingearbeitete Bauchprothese, die für alle Szenen aufgeklebt wurde. Da die Patientin sich ständig auf die Seite dreht, mussten die Kanten strategisch platziert werden. Zusätzlich waren geschwollene Knöchel nötig: Die Schauspielerin saß an mehreren Tagen je fünf Stunden im Make-up-Stuhl.
Das Baby musste mit Vernix bedeckt sein, der weißen Käseschicht, die Neugeborene bedeckt. Als perfekter Ersatz erwies sich Frischkäse. Bei jedem Take musste der gesamte Geburtsaufbau zurückgesetzt werden. Sechs bis sieben Teammitglieder arbeiteten dabei parallel: Gebärmutter füllen, Baby eincremen, Gebärmutter schließen. Noah Wyle, der auch als Regisseur und Produzent tätig ist, verlangte zudem in einer anderen Szene, dass eine riesige Spritze sichtbar in ein Knie eindringt. Da das am echten Schauspieler nicht möglich war, baute Arougheti kurzfristig ein falsches Bein mit einem eingebauten Kanal, der die fluoreszierende Flüssigkeit exakt an die richtige Stelle leitete.
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Artikel geschrieben von:

Julia Fischer analysiert Serien mit besonderem Fokus auf erzählerische Details, Charakterentwicklung und Genre-Mix.
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