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The Handmaids Tale Staffel 4 Rezension

The Handmaids Tale Staffel 4 Rezension

Ich bin mir nicht sicher ob “Vergnügen” das richtige Wort ist wenn es um The Handmaids Tale Staffel 4 geht. In den letzten drei Staffeln war es an verschiedenen Stellen entweder eine quälende Plackerei oder eine extrem quälende Plackerei.

Hier meine The Handmaids Tale Staffel 4 Rezension

Aber in seinen besten Momenten ist es ein beeindruckendes, einfallsreiches Drama das mit großem Geschick auf ungewohnte Knöpfe drückt. Die erste Staffel war großartig und eindringlich und hielt sich weitgehend an die Handlung des Romanklassikers von Margaret Atwood, aber danach kämpfte sie unter der Last ihres eigenen Elends.

June (Elisabeth Moss) entkam aus Gilead und wurde wieder und wieder gefangen genommen, was dazu führte das sich die Serie wie ein grausiges Spiegelkabinett anfühlte in dem Hoffnung sinnlos war. Ich habe mich gefragt ob es nicht auch sinnlos ist weiter zuzusehen.

Aber ein Abstecher in die Weltpolitik hat der Serie neues Leben eingehaucht und auch in der vierten Staffel wird neues Terrain erkundet. Das war nötig, und es funktioniert.

Die ausführliche Zusammenfassung zu Beginn ist nützlich da die Pandemie die Produktion verzögerte. Laut dem Showrunner Bruce Miller hatte die Logistik der Dreharbeiten in Kanada auch einen direkten Einfluss auf die Gestaltung der Geschichte.

June organisierte eine Gruppe von Rebellen die ein Untergrundnetzwerk von Marthas und Handmaids zusammenstellten um 86 Kinder aus Gilead zu schmuggeln und sie vor einem Leben unter einem brutalen Regime zu retten.

Die Waterfords wurden von der kanadischen Regierung verhaftet und befinden sich in Gefangenschaft, aber am Ende der dritten Staffel sah es so aus als ob June das Glück verlassen hätte. Doch ohne sie ist dies eher Handmaids’ Tales als The Handmaid’s Tale.

Die Frage wie viel eine Frau noch ertragen kann ist schnell beantwortet: Ohne Betäubung brennt Janine die Schusswunde in Junes Unterleib mit einem glühenden Schürhaken aus. Willkommen zur vierten Staffel.

Moss stellt Junes Verwandlung vom Opfer des Regimes zur Boudicca der rebellischen Handmaids mit all dem Fachwissen dar das man von einer so guten Schauspielerin erwarten kann. Sie ist so gut darin in den kleinsten Bewegungen und Gesten zu zeigen was der Schmerz mit einer Figur anstellen kann.

In dieser Eröffnungsepisode ist June gebrochen und angeschlagen und stirbt fast auf ihrer Reise zu einem Mayday-Unterschlupf in Massachusetts. Während sie sich erholt und sich fragt ob das Verstecken auf einem halbwegs angenehmen Bauernhof die größte Freiheit ist die sie jetzt erwarten kann, lernt sie eine 14-jährige Frau namens Mrs Keyes kennen.

Eine Zeit lang erscheint der Teenager wie eine verrückte Monarchin, ein Monster à la Joffrey dessen sympathischer Haltung gegenüber den Rebellen nicht zu trauen ist. Doch schon bald stellt sich heraus das sie wie jeder in dieser Serie wirklich gelitten hat und ihre ganze Hoffnung auf June und Mayday gesetzt hat.

Junes Abenteuer im Rebellenland haben den Funken wieder entfacht und den Zuschauern etwas und jemanden gegeben, dem sie die Daumen drücken können

Wie diejenigen die The Handmaid’s Tale verfolgt haben wissen ist Hoffnung hier bestenfalls ein prekärer Zustand. Aber June hat sich von der Offred früherer Episoden sehr unterschieden und hat einige der Grausamkeiten die ihr angetan wurden auf sich genommen.

Es gibt sozusagen eine gut gemachte Anspielung auf die Besonderheiten von Gilead, als Mrs. Keyes und June zu einer Art Mutter-Tochter-Racheteam werden auch wenn das mehr nach einer Karikatur klingt als es tatsächlich ist. “Ich habe ein bisschen Angst vor ihr um ehrlich zu sein”, sagt Mr. Keyes, ein altes, betrunkenes, erbärmliches Etwas.

“Das sollten Sie auch”, sagt June, die in Erwägung zieht selbst das Messer gegen ihn in die Hand zu nehmen. Es ist nicht besonders subtil aber es ist auf jeden Fall befriedigend zu sehen wie Frau Keyes Rache übt. Und dann kommt noch ein Hauch von Subtilität hinzu: Ist Grausamkeit jemals gerechtfertigt?

Es ist eine offene Frage die nicht aufgeworfen wird sondern einfach im Raum stehen bleibt.

Ebenso befriedigend ist der Moment in dem die Waterfords herausfinden das June für den Abtransport der Kinder nach Toronto verantwortlich ist. “Das wird einen Krieg auslösen”, warnt Joseph Fiennes (Commander Waterford) der selbst in Gefangenschaft noch so aalglatt ist wie eh und je.

Tante Lydia (Ann Dowd) wünscht sich verzweifelt ein Wiedersehen mit June nachdem sie von einem Rat geschlagen und eingesperrt wurde der den Handforth-Gemeinderat ruhig aussehen lässt, aber die schwindende Macht von Gilead (und die Notwendigkeit das sie in der Geschichte bleibt) bedeutet das sie bald auf ihren Posten zurückkehrt.

Fans von “The Testaments”, Atwoods Nachfolger von “The Handmaid’s Tale”, werden sich sicher fragen ob dort etwas von Tante Lydias Geschichte auftauchen wird.

Dies ist nach wie vor eine große, kühne, freche Show. Sie ist wie ein Musikvideo gedreht und mit teuren, klassischen Songs von Carole King und Aretha Franklin unterlegt, die mit grausamen Szenen unterlegt sind.

Es hat sich nie so angefühlt als ob der Stil den Inhalt überlagert, aber eine Zeit lang war es schwer ein Drama zu lieben das nur Elend und Schmerz hervorbringt.

Glücklicherweise haben Junes Abenteuer im Land der Rebellen den Funken wieder entfacht und den Zuschauern etwas und jemanden gegeben mit dem sie mitfiebern können. Nach all dem Leid liegt die Spannung nun darin herauszufinden was für eine Art von Heldin uns geblieben ist.

Ich hoffe dir hat meine The Handmaids Tale Staffel 4 Rezension gefallen und das du dich ebenso wie ich auf Staffel 5 freust.

The Handmaids Tale Staffel 4 wird bald in Deutschland auf Joyn und Amazon erscheinen.

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