The Boys Staffel 2 setzt auf TV-Legenden als dramaturgisches Mittel

·02.06.2026, 17:33 Uhr·5 Min
The Boys Staffel 2 setzt auf TV-Legenden als dramaturgisches Mittel
Bild: Prime Video · TMDB

Wo endet die Satire, wo beginnt der Kommentar über echte Medien? Chris Hansen, bekannt aus realen True-Crime-Formaten, beschuldigt in The Boys Staffel 2 den falschen Mann für einen Mord, den Homelander beging. Für Zuschauer verschwimmt die Grenze zwischen TV-Realität und Fiktion auf eine Weise, die die Serie so lange nachwirken lässt.

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Jimmy Fallon eröffnet die Welt der Supes

Gleich in der ersten Folge der Serie etabliert ein Gastauftritt den Ton für alles, was folgt. Jimmy Fallon erscheint in der Pilotepisode als er selbst, in seiner gewohnten Late-Night-Rolle, und empfängt den Supe Translucent (Alex Hassell) als strahlenden Helden. Die Sendung läuft im Hintergrund, während Hughie (Jack Quaid) Campbell (Jack Quaid) noch unter dem Schock des Verlustes seiner Freundin steht, die von einem Mitglied der Seven getötet wurde.

Fallons überschwängliche Begeisterung für Translucent macht deutlich, wie tief der Kult um die Superhelden in dieser Gesellschaft verwurzelt ist. Der Kontrast zwischen der feiernden Talkshow und Hughies stummem Entsetzen funktioniert als präzise Gesellschaftskritik. Translucent überlebt die erste Staffel nicht: Hughie tötet ihn in einer der einprägsamsten Szenen der Debütstaffel.

Serienerfinder Eric Kripke bewies mit dieser Casting-Entscheidung früh, dass The Boys Promis nicht als bloße Dekoration einsetzt, sondern als dramaturgisches Mittel. Fallon verkörpert genau den Typ Medienmensch, der Mächtige bedenkenlos glorifiziert.

Chris Hansen und Katie Couric: TV-Glaubwürdigkeit als Waffe

Staffel 2 nutzt gleich zwei bekannte TV-Gesichter, um die Medienmaschinerie hinter Vought International zu illustrieren. Chris Hansen tritt in einer fiktiven True-Crime-Sendung namens 'A Closer Look with Chris Hansen' auf und präsentiert Billy Butcher (Karl Urban) (Karl Urban) als Mörder von Vought-Managerin Madelyn Stillwell (Elisabeth Shue). Tatsächlich war es Homelander (Antony Starr) (Antony Starr), der Stillwell im Staffel-1-Finale tötete. Die Folge enthält sogar eine dramatisierte Nachstellung des Verbrechens, komplett mit einem Schauspieler, der Butcher mit übertrieben karikiertem britischen Akzent spielt.

Hansens Cameo zeigt, wie effektiv Vought seinen Medieneinfluss einsetzt, um die eigenen Verbrechen zu verschleiern. Wer besser als der Mann, der durch 'To Catch a Predator' zur TV-Instanz wurde, kann einem Publikum glaubhaft machen, dass jemand ein gesuchter Krimineller ist?

Katie Couric liefert in Staffel 2, Episode 5, die freundlichere Variante dieser Medienmanipulation. Sie moderiert einen Nachrichtenbeitrag über die überraschende Hochzeit des Deep (Chace Crawford) mit Cassandra Schwartz (Katy Breier). Das Paar strahlt für die Kameras, doch das Publikum weiß: Die Ehe wurde von der Sekte 'Church of the Collective' arrangiert. Die schwärmerische, weichgezeichnete Optik des Beitrags persifliert das Genre der Promi-Kuppel-Reportage punktgenau.

Charlize Theron als Stormfront im Blockbuster

Staffel 3 eröffnet mit einem der visuell aufwendigsten Gastauftritte der gesamten Serie. Der fiktive Kinofilm 'Dawn of the Seven' zeigt die Mitglieder der Seven als Schauspieler ihrer selbst, mit einer markanten Ausnahme: Stormfront, deren Nazi-Vergangenheit öffentlich wurde, wird von Charlize Theron verkörpert. Die echte Darstellerin der Figur spielt sich dabei selbst als abgelöste Besetzung.

'Dawn of the Seven' ist eine direkte Persiflage auf Zack Snyders DC-Ästhetik, inklusive staubig-entsättigter Bildsprache und dem Versprechen eines teuren Director's Cut. Der Titel selbst lehnt sich an Snyders 'Batman v Superman: Dawn of Justice' von 2016 an. Theron liefert eine bewusst bombastische Performance, die den Unterschied zwischen echter Heldentat und ihrer korporativen Vermarktung bloßstellt.

Ein sichtlich unbeeindruckter Homelander verfolgt die Filmpremiere, was der Szene eine zusätzliche Ebene von bitterem Humor verleiht. Therons Auftritt setzt den Maßstab für Hollywood-Cameos in der Serie.

Will Ferrell, Tilda Swinton und Samuel L. Jackson

Staffel 4 holt Will Ferrell als Coach Brink in den fiktiven A-Train-Biopic 'Training A-Train', der ab der Episode 'Life Among the Septics' zu sehen ist. Ferrell taucht in insgesamt vier Episoden auf, stets kurz und stets damit beschäftigt, zwischen den Einstellungen seine eigene Wirkung zu hinterfragen. Er und Regisseur Adam Bourke vergleichen die Produktion explizit mit dem Film 'The Blind Side' von 2009. Das Ergebnis ist eine präzise Satire auf das Genre des inspirierenden Sportfilms.

Tilda Swinton bringt in Staffel 4 ihre ganz eigene Gravitas in eine absurde Rolle: Sie spricht den Oktopus Ambrosius, die heimliche Geliebte des Deep. Was als schräger Gag beginnt, bekommt in der Finalserie eine dramatische Wendung. Als der Deep Ambrosius' Wassertank zerstört und die Oktopus stirbt, besiegelt er damit indirekt sein eigenes Ende: Im Serienfinale tötet ihn aufgebrachtes Meeresgetier, das von seinem Mord an Ambrosius weiß.

Samuel L. Jackson setzt diesen aquatischen Racheplot in Staffel 5 fort. Er leiht einem Hammerhai namens Xander seine Stimme, der den Deep für einen verheerenden Ölunfall verantwortlich macht. Jacksons Auftritt wirkt zunächst wie ein selbstironischer Gag, erfüllt aber eine klare narrative Funktion: Er kündigt das Schicksal des Deep an, der am Ende von Annie (Erin Moriarty) January ins Meer geschleudert und von der aufgebrachten Meeresfauna getötet wird.

Das Supernatural-Wiedersehen als bester Cameo

Den Höhepunkt aller Gastauftritte liefert die Finalstaffel-Episode 'One-Shots' mit einem Wiedersehen, das Fans der Serie 'Supernatural' lange erhofft hatten. Jared Padalecki spielt den rasend schnellen Supe Mister Marathon, Misha Collins den toxischen Malchemical. Zusammen mit Jensen Ackles als Soldier Boy ergibt sich ein Wiedersehen der drei Hauptdarsteller aus 'Supernatural', das die reale Freundschaft der Schauspieler komplett unterläuft.

Soldier Boy bricht Malchemical das Genick, verhört Marathon brutal und bricht ihm beide Beine, bevor Homelander ihn endgültig erledigt. Padalecki spielt die unhinged Seite seiner Figur mit sichtlichem Vergnügen, Collins stirbt durch die Hände seines langjährigen Co-Stars. Für 'Supernatural'-Fans, die Dean Winchester und Castiel als unzertrennliches Duo kannten, ist das eine sadistisch selbstbewusste Volte.

In derselben Episode tauchen Seth Rogen, Will Forte, Kumail Nanjiani und Christopher Mintz-Plasse als sich selbst auf, als Gäste bei Marathons drogengeschwängertem Pokerabend. Rogen, der in den ersten drei Staffeln bereits sporadisch als degenerierte Version seiner selbst auftrat, wird von Marathon beim Sprint halbiert. Die Szene ist blutig, laut und genau das, wofür The Boys bekannt ist.

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Quelle: Prime VideoZuletzt aktualisiert: 02.06.2026, 17:33 Uhr

Artikel geschrieben von:

Lea Zimmermann
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Lea Zimmermann
Science FictionFantasy-SerienMystery

Lea Zimmermann analysiert aktuelle Serien mit besonderem Blick für Atmosphäre, Figurenentwicklung und Erzählstruktur.

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