Black Noir, Klone, Massensterben: Was The Boys aus den Comics gestrichen hat

Eric Kripke hat drei zentrale Comic-Elemente bewusst gestrichen. Black Noirs Klon-Identität, Butchers Mord an seinen eigenen Verbündeten und Hughie als einziger Überlebender fielen alle weg. Die Serie bei Prime Video wählte stattdessen ein Ende, das die aufgebaute Bindung zwischen Publikum und Figuren respektiert.
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Black Noir war der wahre Schurke
In den Comics endet die Geschichte mit einer überraschenden Enthüllung: Homelander (Antony Starr) ist gar nicht der eigentliche Bösewicht. Er wurde manipuliert und in seine Rolle als Schurke hineingezogen. Der wahre Drahtzieher war Black Noir, ein Klon von Homelander selbst.
Für Kripke war diese Wendung keine Option. Die Auflösung, dass Homelander durch seinen eigenen Klon zur Gewalt getrieben wurde, hätte die jahrelange Charakterentwicklung von Antony Starrs Figur untergraben. Homelander sollte in der Serie als vollständig eigenverantwortlicher Antagonist stehen.
Dennoch wollte das Team die Comic-Vorlage würdigen. Einzelne Elemente wurden als Anspielung übernommen, etwa der Schauplatz im Oval Office oder der Einsatz einer Brechstange als letztes Tatmittel.
Butcher sollte die Boys nicht töten
In den Comics begeht Butcher am Ende das Undenkbare: Er tötet die anderen Mitglieder der Boys, bevor er selbst stirbt. Dieses Ende war für die Serienmacher von Anfang an ausgeschlossen.
Kripke betonte, dass ein Fernsehformat eine andere Verpflichtung gegenüber dem Publikum schafft als ein Comic. Wer über Jahre hinweg eine Serie verfolgt, schließt einen unausgesprochenen Pakt mit den Machern: Die Figuren, die man liebt, werden nicht willkürlich getötet.
Dieses Bewusstsein prägte die gesamte Finalplanung. Die Boys sollten als Gruppe eine Geschichte erleben, die ihrem gemeinsamen Weg gerecht wird, und nicht durch die Hand eines ihrer eigenen enden.
Hughie als Einziger zu überleben war falsch
Die Comics lassen Hughie (Jack Quaid) als einzigen Überlebenden zurück. Auch diesen Weg verwarf das Serienteam. Hughie als letzten Überlebenden zu zeigen hätte sich schlicht falsch angefühlt, so Kripke.
Die Entscheidung hängt eng mit der emotionalen Logik der Serie zusammen. Hughie ist zwar der Einstiegspunkt für das Publikum, aber The Boys ist eine Ensemblegeschichte. Ihn allein zurückzulassen hätte die Bedeutung aller anderen Figuren nachträglich entwertet.
TV und Comics sind verschiedene Medien
Kripke zieht eine klare Grenze zwischen den Möglichkeiten beider Formate. Ein Comic kann radikale Wendungen setzen, ohne dass das Publikum jahrelange Investitionen in Schauspieler und Figuren verliert. Bei einer Fernsehserie ist das anders.
Die Zuschauer verbringen Jahre mit echten Menschen, die diese Rollen verkörpern. Diese emotionale Bindung schafft eine Verantwortung, die über reine Plotentscheidungen hinausgeht. Willkürliche Tode wären ein Verrat an dieser Beziehung.
Die Serienadaption versteht sich deshalb nicht als direkte Übersetzung der Comics, sondern als eigenständiges Werk, das die Vorlage respektiert, aber eigene Wege geht.
Hommagen an die Vorlage bleiben erhalten
Trotz aller Abweichungen wollte das Team die Comics nicht ignorieren. Konkrete Szenen und Requisiten wurden als bewusste Verbeugung vor der Vorlage eingebaut, ohne deren problematischste Entscheidungen zu übernehmen.
Der Schauplatz im Oval Office und die Brechstange als Instrument des finalen Kampfes sind direkte Zitate aus den Comics. Wer die Vorlage kennt, erkennt diese Momente als Hommage.
Eric Kripke und sein Team haben damit einen Mittelweg gefunden: Die Seele der Comics bleibt spürbar, während das Ende für das Fernsehpublikum und die Figuren, die es begleitet hat, einen würdigen Abschluss findet.
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Artikel geschrieben von:

Lea Zimmermann analysiert aktuelle Serien mit besonderem Blick für Atmosphäre, Figurenentwicklung und Erzählstruktur.
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