Pluribus lässt aktuell überraschend viele Produktionen hinter sich

Wie viel von Pluribus ist echt, und wie viel ist Styropor? Für die Rückblende in Episode drei baute Production Designerin Denise Pizzini ein komplettes Iglu-Hotel auf einem Soundstage, mit Koi-Skulpturen aus Styropor und Kristallen im Gips. Wer wissen will, warum die Serie so viele Produktionen übertrifft, findet hier eine erste Antwort.
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Ein Eishotel auf den Kanarischen Inseln
In der dritten Episode von Pluribus taucht eine Rückblende auf: Carol (Rhea Seehorn) und ihre Partnerin Helen (Miriam Shor) befinden sich in einem norwegischen Iglu-Hotel, etwa sieben Jahre vor dem sogenannten Joining-Ereignis. Der Raum sieht täuschend echt aus, mit aufwendig geschnitzten Eisskulpturen und einer eisigen Atmosphäre. Tatsächlich standen die Schauspielerinnen auf einem Soundstage auf den Kanarischen Inseln.
Production Designerin Denise Pizzini baute die Kulisse aus durchscheinenden Kunststoffplatten und Styropor-Blöcken. Die Wände erhielten wellenartige Reliefs, darunter Skulpturen von Koi-Fischen, die ebenfalls aus Styropor gefräst wurden. Anschließend überzog Pizzinis Team alles mit einer harten Gipsschicht und streute kristalline Partikel ein, die das Licht aufnehmen und reflektieren sollten.
Pizzini beschrieb ihre erste Reaktion auf das Drehbuch so: 'Mein erster Gedanke war immer: Wie bauen wir das? Wie lassen wir es echt aussehen, und wie beleuchten wir es?' Die Antwort auf beide Fragen erforderte wochenlange Experimente mit Materialien und Lichttechnik.
Licht, Dunst und digitaler Atem
Kameramann Paul Donachie arbeitete eng mit Pizzini zusammen, um die größte technische Herausforderung zu lösen: Wie beleuchtet man eine Eiskulisse, ohne dass sich Lampen oder Kameras in den Oberflächen spiegeln? Erste Versuche mit klaren Kunststoffplatten scheiterten, weil diese zu transparent wirkten. Das Team probierte verschiedene Materialien durch, bis es auf Folien stieß, die normalerweise zum Abdämpfen von Scheinwerfern eingesetzt werden.
Donachie ergänzte Lichtquellen über und hinter den Wänden sowie LED-Streifen unter den Möbeln, wie sie in echten Eishotels verwendet werden. Zusätzlich pumpten die Spezialeffekte-Leute Kunstschnee auf Boden und Wände, um mehr Textur zu erzeugen. Da der Raum auf dem Monitor noch immer nicht kalt genug wirkte, kam ein feiner Dunst hinzu, der sich mit den Glitzerpartikeln in den Wänden verband.
Für die letzten Details griff die Produktion auf digitale Nachbearbeitung zurück: Den Schauspielern wurde gelegentlich computergenierter Atemhauch hinzugefügt, um die Kälte spürbar zu machen. Showrunner Vince Gilligan, bekannt für seinen Hang zu praktischen Lösungen, ließ diesen Schritt ausnahmsweise zu, da die physischen Mittel allein nicht ausreichten.
Eine Szene, eine Einstellung, 360 Grad
Donachie entschied sich, die gesamte Sequenz in einer einzigen, kreisförmigen Kamerafahrt zu drehen. Er schlug Drehbuchautor Gordon Smith vor, die Schauspielerinnen so durch den Raum zu choreografieren, dass sie die Kamera durch das gesamte Set führen, ohne dass ein Schnitt nötig wird. Smith akzeptierte die Idee und passte die Dialogstruktur entsprechend an, indem er festlegte, welche Zeilen im Bild und welche außerhalb des Rahmens gesprochen werden durften.
Die Entscheidung für die 360-Grad-Einstellung veränderte auch Pizzinis Designprozess. Sie stellte sicher, dass jeder Winkel des Raumes vollständig ausgestattet war, inklusive des Fußbodens, auf den die Kamera an einer Stelle direkt hinunterblickt. 'Wir gestalten immer alles so, dass es keine Einschränkungen gibt', erklärte sie. 'Wenn sie reinkommen und entscheiden, wir machen eine 360-Grad-Aufnahme, ist alles bereit.'
Noch kniffliger als der Eisraum selbst war der Korridor davor. Das Drehbuch sah einen langen Gang vor, doch das Budget zwang Pizzini zur Verkleinerung. Donachie löste das Problem mit Auf- und Seitenaufnahmen: 'Der Dialog war viel zu lang für das Set, das wir hatten. Wir mussten das Gefühl erzeugen, einen durchgehenden Korridor entlangzugehen, der in Wirklichkeit nur etwa neun Meter lang war.'
Koi-Fische im Müllcontainer
Nach dem Dreh landete das aufwendige Eishotel-Set größtenteils im Abfall. Pizzini kommentierte das lakonisch: 'Ich glaube, es liegt irgendwo in einem Müllcontainer. Ein paar Leute haben sich vielleicht den ein oder anderen Koi-Fisch gesichert.' Einige handgeschnitzte Holzschilder mit Waldtier-Motiven, die als Türschilder dienten, sollen hingegen in Gilligan oder Smiths Büro gelandet sein.
Das Styropor des Eishotels fand zumindest teilweise eine Zweitverwendung. Für die Episoden fünf und sechs, in denen Carol nach der Verfolgung von Milchkartons ein Lagerhaus voller gestapelter Körperteile entdeckt, recycelte Pizzinis Team Material aus dem Eishotel-Bau. Gilligan bestand dabei auf vollständig praktischen Effekten, ohne digitale Nachbearbeitung.
Das Ergebnis war ein rund 30 Meter langes Lagerhaus, vollgestapelt mit handgeschnitzten Körperteilen aus Gips und Schaumstoff. Pizzini beschrieb die Produktion so: 'Ich nannte es die Körperschnitzkreise. Ich hatte Leute dort, die wochenlang nur Körperteile schnitzt haben, Torsos, Köpfe, Arme, Beine, und dann haben wir alles in Folie eingeschweißt.' Echte Spezialeffekte im klassischen Sinne, die ganz ohne Computer auskommen.
Gilligan und die Kunst des Praktischen
Vince Gilligan, der Schöpfer von Pluribus, gilt als Verfechter handwerklicher Produktionsarbeit. Sein Credo, alles so real wie möglich zu bauen, zieht sich durch die gesamte Serie und stellt Pizzinis Team regelmäßig vor kreative Herausforderungen. Für die Eishotel-Szene bedeutete das: kein digitales Eiszimmer, sondern echtes Handwerk auf einem Soundstage.
Pizzini beschrieb die Zusammenarbeit mit Gilligan als besonders inspirierend: 'Vince ist immer der Traum eines Production Designers. Er sagt: Denise, ich verspreche dir, wir werden alles sehen. Und er meint es ernst.' Diese Haltung motivierte das Team, auch entlegene Ecken des Sets vollständig auszugestalten, selbst wenn die Kamera sie nur für Sekunden streifte.
Pluribus ist bei Apple TV+ abrufbar. Die Kombination aus Gilligan als Schöpfer, Rhea Seehorn in der Hauptrolle und einem Produktionsteam, das offensichtlich keine halben Sachen macht, hat der Serie bereits jetzt den Ruf eines handwerklich außergewöhnlichen Projekts eingebracht.
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Artikel geschrieben von:

Laura Klein ist spezialisiert auf Sci-Fi, Fantasy und Mystery-Serien mit geschultem Blick für Erzähltempo und Figurenentwicklung.
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