Amanda Christine trägt eine der unheimlichsten Szenen in Es - Welcome to Derry

·14.06.2026, 20:16 Uhr·4 Min
Amanda Christine trägt eine der unheimlichsten Szenen in Es - Welcome to Derry
Bild: HBO · TMDB

VFX-Supervisor Daryl Sawchuk rechnete fest mit digitaler Nachbearbeitung, bekam sie aber nie. Das Prothesen-Team puppeteerte das Mutantenbaby in der Geburtsszene vollständig per Hand, und die Aufnahmen landeten unverändert im finalen Schnitt. Dass ausgerechnet die verstörendste Szene der Serie ohne einen einzigen CGI-Eingriff auskommt, zeigt, wohin die Reise geht.

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Praktische Effekte statt blauer Leinwand

Es: Welcome to Derry spielt rund 25 Jahre vor den Ereignissen des Kinofilms von 2017 und versetzt die Zuschauer in die 1960er Jahre. Dort trifft eine neue Familie in der Stadt ein, ein Junge verschwindet, und ein fliegendes Mutantenbaby bringt eine blutige Mordserie ins Rollen. Schon diese Geburtssequenz, die die erste Folge prägt, entstand ohne digitale Nachbearbeitung.

Das Prothesen-Team führte das Baby in der Geburtsszene per Hand, also mit echter Puppetechnik. VFX-Supervisor Daryl Sawchuk hatte zunächst damit gerechnet, die Figur später durch ein computeranimiertes Modell ersetzen zu müssen. 'Aber am Ende haben wir alles praktisch umgesetzt', sagt er. Die Aufnahmen blieben unverändert im fertigen Schnitt.

Serienentwickler Andy Muschietti, der vier der acht Episoden der ersten Staffel selbst inszenierte, gab dem VFX-Team von Beginn an eine klare Richtung: So viel wie möglich direkt vor der Kamera erschaffen, nicht im Rechner. Sawchuk beschreibt die gemeinsame Haltung so: 'Wir glauben beide daran, so viel wie möglich praktisch zu drehen und wirklich gute Fotografie zu erzielen. Andy liebt altmodische Prothesen, Make-up-Effekte, Schleim und Goo, Dinge, die sehr viszeral sind.'

Das Bett als Albtraum-Kreatur

Eine der beunruhigendsten Szenen der zweiten Episode zeigt die sogenannte 'Mutter-Kreatur', die Mutter der jungen Ronnie, gespielt von Amanda Christine. Die Figur stirbt bei der Geburt und kehrt in einer halluzinatorischen Sequenz zurück, in der das Bett selbst zur Mutter wird. Was wie reines CGI wirkt, entstand zu großen Teilen auf dem Set.

Das Bett wurde so konstruiert, dass zwei Schauspielerinnen darin Platz fanden, wobei eine den Oberkörper der Kreatur verkörperte. Sawchuk schildert ein besonders konkretes Detail: 'Wir haben einen sehr eklig aussehenden Darm gebaut und mit Schleim bedeckt, in den sie hineingreifen konnte. Das, was wir fotografiert haben, war real: die Vorhänge, das Licht, alles im Raum war eine solide Grundlage.'

Erst im Nachgang verfeinerte das Team die Mutter-Figur digital: Sie wurde ausgemergelt, mumifiziert und weiter in Richtung Leiche entwickelt. Etwas zusätzlicher Schleim kam am Ende noch hinzu. Das Ergebnis zeigt, wie stark eine gute praktische Basis die digitale Nachbearbeitung trägt.

Zweieinhalb Jahre VFX-Entwicklung

Streiks und andere Produktionsverzögerungen führten dazu, dass das VFX-Team ungewöhnlich viel Zeit für die Entwicklung hatte: zweieinhalb Jahre, deutlich mehr als bei einer typischen Serienproduktion. Muschietti nutzte diesen Spielraum konsequent. Sawchuk beschreibt die Arbeitsweise so: 'Andy hat es fast wie einen achtstündigen Kinofilm behandelt, bei dem wirklich kein Bild fertig war, bis es uns aus den Händen gerissen wurde.'

Dieses Vorgehen ermöglichte zusätzliche Durchläufe, Verfeinerungen und detaillierte Überarbeitungen, die im normalen Serienrhythmus schlicht nicht möglich gewesen wären. Gleichzeitig musste das Team immer wieder abwägen, wie viele Einstellungen sich für ein bestimmtes Budget und einen bestimmten Zeitrahmen umsetzen lassen. Kreativität unter Produktionsbedingungen blieb gefragt.

Als Hauptdienstleister arbeitete Rodeo FX aus Montreal mit dem Team zusammen, ein Studio, das bereits die beiden Kinofilme begleitet hatte. Diese Vertrautheit mit der Ausgangslage beschleunigte den Prozess und erlaubte es, gezielt neue Wege zu gehen, anstatt bei null zu beginnen.

Pennywise, aggressiver als je zuvor

Bill Skarsgård kehrt als Pennywise zurück, der ikonische Clown aus den Kinofilmen. Äußerlich erkennbar, aber spürbar verändert: Das Team investierte viel Aufwand darin, die Anatomie der Figur naturalistischer und bedrohlicher zu gestalten. Sawchuk erklärt den Ansatz: 'Wir wollten zeigen, was die Augenhöhlen machen, wenn der Mund sich weit öffnet, wie das die anatomischen Merkmale darunter strukturell verschiebt. Das Ergebnis war ein aggressiver wirkender Pennywise.'

Besonders eindrücklich ist eine Tunnel-Sequenz, in der Pennywise nahezu bewegungslos verharrt. Die Augen zucken. Körperliche Verletzlichkeit wird sichtbar. Die Kamera kommt der Figur so nah wie nie zuvor in der Filmgeschichte der Reihe. Muschietti selbst habe auf diesen Aspekt hingewiesen, berichtet Sawchuk: 'Wir waren noch nie so nah an ihm dran und konnten den Schleim, den Speichel und alle Details in Mund und Zähnen wirklich wahrnehmen.'

Das Ziel war nicht, Pennywise neu zu erfinden, sondern ihn bis an seine Grenzen zu treiben. Das Basisaussehen der Figur blieb erhalten, die Detailtiefe wurde maximiert. In der Welt von Welcome to Derry gilt, so Sawchuk sinngemäß: Schleim kann man nie genug haben.

Warum HBO diesen Stil ermöglicht

Das ungewöhnlich kompromisslose Vorgehen bei Gewalt und Körperlichkeit ist nicht selbstverständlich für eine Serienproduktion. Sawchuk sieht den entscheidenden Faktor in der Produktionsplattform. Er verweist auf historische Präzedenzfälle: Schon in der ersten Episode von Game of Thrones wurde eine Hauptfigur getötet, ein Schock-Moment, der die Erwartungen des Publikums dauerhaft verschob. Auf anderen Plattformen, so Sawchuk, hätte es wohl konservativere Vorgaben gegeben.

Für das Team bedeutete das konkret: Szenen, die in frühen Rohschnitten schockierend wirkten und bei denen man mit Einwänden rechnete, blieben unangetastet im fertigen Schnitt. 'Man sieht diese ersten Zusammenschnitte und es ist schockierend und viszeral, und man denkt: Surely wird das Studio Anmerkungen machen, damit das nicht so auf Sendung geht', sagt Sawchuk. 'Aber natürlich tut es das, und es macht den Serienauftakt so erschütternd.'

Für die Produktion war außerdem der Maßstab der beiden Kinofilme eine ständige Messlatte. Das Team habe sich selbst unter Druck gesetzt, die Qualität der Kameraarbeit, des Produktionsdesigns und der Prothesenarbeit zu halten oder zu übertreffen, betont Sawchuk. Ob das gelungen ist, können Zuschauer in Deutschland bei WOW selbst beurteilen.

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Quelle: HBOZuletzt aktualisiert: 14.06.2026, 20:16 Uhr

Artikel geschrieben von:

Nina Wolf
Autor
Nina Wolf
Science FictionFantasy-SerienMystery

Nina Wolf ist Redakteurin bei serien.de mit Fokus auf Sci-Fi, Fantasy und Mystery-Formate und langjähriger Streaming-Erfahrung.

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