Wegen Rhea Seehorn wurde Pluribus eine völlig andere Serie

Eine Schauspielerin hat eine ganze Serie von Grund auf verändert. Rhea Seehorn spielt die Hauptrolle in Pluribus, Vince Gilligans Sci-Fi-Drama bei Apple TV+. Ohne ihre Arbeit an Better Call Saul wäre diese Figur heute ein Mann.
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Zehn Jahre Idee, dann der Kurswechsel
Vince Gilligan entwickelte das Konzept zu Pluribus rund zehn Jahre lang, bevor die Serie bei Apple TV+ das Licht der Welt erblickte. Ursprünglich sah er einen männlichen Protagonisten vor. Gilligan begründete das schlicht: 'Es war ein männlicher Protagonist, weil das eben mein Standard ist, weil ich ein Mann bin.' Erst die Zusammenarbeit mit Rhea Seehorn brachte ihn zum Umdenken.
Den Anstoß lieferte die gemeinsame Arbeit an Better Call Saul, der Nachfolgeserie zu Breaking Bad, die Gilligan ab 2015 gemeinsam mit Peter Gould entwickelte. Seehorn spielte dort Kim Wexler, eine Figur, die ursprünglich als kurzfristiges Liebesinteresse gedacht war. Aus dieser Nebenrolle wurde eine der tragenden Säulen der Serie. Gilligan zog daraus eine klare Konsequenz für Pluribus.
Den Vergleich zu Aaron Paul drängt sich auf: In Breaking Bad sollte Paul als Jesse Pinkman bereits am Ende der ersten Staffel sterben. Auch er machte sich unentbehrlich. Gilligan sieht in beiden Fällen dasselbe Muster: Außergewöhnliche Schauspieler verändern die Richtung einer Serie, wenn man ihnen den Raum dazu lässt.
Kim Wexler öffnete die Tür
Das erste Treffen zwischen Gilligan und Seehorn fand auf dem Gelände der Sony Pictures Studios statt, im Vorraum eines Screen-Test-Raums neben der Kantine. Seehorn erinnert sich, wie Gilligan und Peter Gould sie persönlich begrüßten, bevor die Kamera lief. Dabei waren auch Produzentin Melissa Bernstein, Autor Tom Schnauz, die Casting-Direktoren Sharon Bialy, Sherry Thomas und Russell Scott sowie Bob Odenkirk.
Was Seehorn nicht vergessen hat: Gilligan bedankte sich aufrichtig dafür, dass sie gekommen war. 'Es klang vollkommen ehrlich. Kein Gerede', sagte sie. Dieser erste Moment setzte den Ton für eine Zusammenarbeit, die über ein Jahrzehnt andauern sollte.
Gilligan beschreibt, warum er Seehorn für Pluribus wollte, mit einer einfachen Beobachtung: Jede Crew, mit der Seehorn arbeitet, liebt sie. Sie respektiere die Arbeit aller Beteiligten und nehme ihre eigene Rolle ernst. 'Wenn man jemanden trifft, der das durch seine Taten zeigt, nicht durch Worte, dann will man wieder mit dieser Person arbeiten', sagte er.
Carol Sturka und die Glücksapokalypse
In Pluribus spielt Seehorn Carol Sturka, eine reizbare Autorin, die sich in einer Welt wiederfindet, in der eine sogenannte Glücksapokalypse ausgebrochen ist, von der sie ausgeschlossen bleibt. Die Figur ist griesgrämig, aber nicht ohne Tiefe. Gilligan sieht in Carol durchaus Züge seiner eigenen Persönlichkeit: jemand, der Anerkennung genießt und gleichzeitig kaum damit umgehen kann.
Seehorn zieht persönliche Lehren aus der Figur. 'Ich versuche von Carol zu lernen, dass es manchmal eine freundliche Geste sein kann, seine Grenzen klar zu benennen. Ich bin ein People-Pleaser und gehe dann lieber nach Hause und ärgere mich, statt es anzusprechen', sagte sie. Carol tue das Gegenteil, manchmal zu ihrem eigenen Schaden.
Gilligan beschreibt Carols inneren Widerspruch so: Im ersten Moment der Serie ist sie von Fans umgeben, geht extra die Meile, signiert Bücher, posiert für Fotos. Dann setzt sie sich ins Auto und stöhnt. 'Was ist das? Genießt du das oder nicht? Du genießt es und du tust es nicht', sagte Gilligan. Er sieht darin eine Frage, die er auch über sich selbst nicht vollständig beantworten kann.
Staffel 2 nimmt Form an
Zur zweiten Staffel von Pluribus gibt Gilligan einen konkreten Zwischenstand: 'Wir sind etwas über die Halbzeit hinaus. Meine Autoren und ich haben die Episoden durchgeplant, und es beginnt immer schwer, bei jeder Staffel jeder Serie. Aber dann bleibt man dran. Ich freue mich langsam darauf, das zu drehen und es den Leuten zu zeigen, weil ich es wirklich mag', sagte er.
Inhaltlich deutet Gilligan an, dass ein wichtiges Handlungselement aus Staffel 1 nicht fallen gelassen wird. Das Thema Atombombe soll weiter vertieft werden, statt als bloßer Plotpunkt zu verschwinden. Konkrete Sendetermine stehen noch aus.
Rhea Seehorn ist für die zweite Staffel bestätigt. Gilligan ließ das in einem kurzen Einschub wissen: 'Du bist dabei.' Mehr Details zu neuen Figuren oder Gastauftritten nannte das Duo nicht.
Crew als kreatives Fundament
Gilligan und Seehorn betonen, wie sehr die eingespielten Crews aus Better Call Saul und Breaking Bad den Ton am Set von Pluribus prägen. Tonmeister Phil Palmer, Requisiteur Mark Hansen, Kostümbildnerin Jennifer Bryan und Produktionsdesignerin Denise Pizzini gehören zum Stamm. 'Man war jahrelang gemeinsam in den Schützengräben, und es gibt gegenseitigen Respekt, ein geteiltes Wissen darüber, was jeder am besten kann', sagte Gilligan.
Seehorn schildert einen Moment beim Dreh des Piloten, der ihr besonders in Erinnerung geblieben ist. Kurz vor Sonnenaufgang, erschöpft nach einer langen Nacht, hockte sie vor der Kamera. Kameraassistent Jules tippte ihr leicht auf den Knöchel und sagte: 'Du weißt, dass wir alle hinter dir stehen, oder?' Sie blickte auf und sah rund 200 Menschen bei der Arbeit, im Gegenlicht der aufgehenden Sonne. 'Ich wurde so rührselig', sagte sie.
Diese Vertrautheit hat laut Gilligan auch praktische Vorteile. Absprachen, die früher lange Erklärungen erforderten, funktionieren heute mit einem Halbsatz. Seehorn ergänzt, dass sie und Gilligan im Gespräch häufig keine Sätze mehr zu Ende führen, weil der andere bereits weiß, was gemeint ist. Außenstehende am Set hätten das ausdrücklich kommentiert.
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Artikel geschrieben von:

Julia Fischer analysiert Serien mit besonderem Fokus auf erzählerische Details, Charakterentwicklung und Genre-Mix.
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