Viele übersehen PONIES noch, dabei trifft die Serie gerade einen wunden Punkt

·14.06.2026, 19:15 Uhr·3 Min
Viele übersehen PONIES noch, dabei trifft die Serie gerade einen wunden Punkt
Bild: Peacock · TMDB

Ob PONIES das Emmy-Muster wirklich brechen kann, ist noch offen. Klar ist: Die Serie greift ein strukturelles Problem auf, das von Bain über Danes bis zu den Slow-Horses-Darstellerinnen reicht. Was das für die Wahrnehmung weiblicher Spioninnen im TV bedeutet, entscheidet sich gerade.

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Ein Genre mit schlechtem Emmy-Gedächtnis

Weibliche Spioninnen im Fernsehen haben ein strukturelles Problem: Die Fernsehakademie nimmt sie kaum wahr. Barbara Bain gewann in den 1960er Jahren drei Emmys in Folge als Cinnamon Carter in Mission: Impossible, und Claire Danes holte die Auszeichnung zweimal für ihre Rolle als Carrie Mathison in Homeland. Danach wird die Liste dünn.

Sandra Oh ging leer aus, obwohl sie in Killing Eve eine MI5-Agentin spielte. Ihre Gegenspielerin Jodie Comer gewann immerhin einen Emmy als Auftragskillerin. Keri Russell erhielt nie eine Auszeichnung für Elizabeth Jennings, die klügere Hälfte eines KGB-Agenten-Duos in The Americans. Noch gravierender: Die Schauspielerinnen aus Slow Horses wurden nicht einmal nominiert, während das Ensemble und männliche Kollegen der Serie sehr wohl Beachtung fanden.

PONIES tritt genau in dieses Vakuum. Und die Art, wie die Serie eingereicht wurde, ist dabei fast schon selbst eine verdeckte Operation.

Moskau, Witwen und falsche Identitäten

Die im Kalten Krieg der 1970er Jahre angesiedelte Serie folgt zwei amerikanischen Frauen, die der US-Geheimdienst bewusst als unauffällig einschätzt: Emilia Clarkes wissbegierige Beatrice 'Bea' Grant und Haley Lu Richardsons gewitzte Twila Hasbeck werden als junge Witwen nach Moskau geschickt, weil man glaubt, niemand würde sie überwachen.

Diese Fehleinschätzung wird zum Vorteil. Die beiden decken Geheimnisse beider Supermächte auf, versuchen sich an Kunstfälschungen und finden neue Verbündete. Besonders bemerkenswert: Clarke, die Britin, spielt eine Amerikanerin, die sich gelegentlich als Russin ausgibt. Drei Nationalitäten, eine Darstellerin, kein Patzer.

Die Figuren bewegen sich auf einem Terrain, das präzise zwischen Drama und Komödie liegt. Genau das macht Ponies schwer greifbar und gleichzeitig schwer loszulassen.

Als Komödie eingereicht: Der größte Trick

Peacock hat Ponies für die Emmy-Wertung in der Komödie-Kategorie eingereicht. Das ist keine Kleinigkeit. Die Serie hat komische Momente, darunter einen kurzen Auftritt von Patrick Fabian, bekannt aus Better Call Saul, als George H. W. Bush mit auffälligem Toupet.

Nicholas Podany und Vic Michaelis haben sich als Fanfavoriten etabliert: Podany spielt den schnauzbärtigen CIA-Mittelmanager Ray Szymanski, Michaelis dessen Frau Cheryl, die den Büroalltag mit einer Energie managt, die an Joan Holloway aus Mad Men erinnert. Beide verkörpern den trockenen Humor, der die Serie durchzieht.

Doch wer Ponies auf die Komödie reduziert, verkennt den Kern. Die Einreichung als Comedy ist vielleicht die raffinierste verdeckte Operation der ganzen Serie.

Ein Ensemble ohne schwache Glieder

Adrian Lester spielt Dane Walter, einen Handler, der Nachrichten über notwendige Opfer mit kaum merklichem Schulterzucken quittiert. Lili Walters verleiht Ivanna, einer Moskauerin, die gelernt hat, das System für sich zu nutzen, eine pragmatische Überlebensintelligenz. Petro Ninovskyis Sasha Shevchenko ist sichtlich verängstigt von der Welt des Spionage, in die er freiwillig eintritt.

Den stärksten Gegenpol zu Clarkes Bea bildet Harriet Walter als Manya Caplan, Beas Großmutter und russischstämmige Holocaust-Überlebende. Manya spricht tatsächlich Russisch, was der Figur eine Authentizität verleiht, die über das Drehbuch hinausgeht. Ihre Schutzreaktion gegenüber Bea wurzelt in Erfahrungen, die die Enkelin schlicht nicht begreifen kann. In einer Szene antwortet Manya auf Beas Erschrecken über eine beiläufig erwähnte Kriegserinnerung: 'Wann hätte ich dir diese Geschichte erzählen sollen? Beim Abgeben am Reitstall?'

Im Staffelfinale kehrt Manya zum ersten Mal seit dem Krieg in ihr Heimatdorf zurück und trifft eine Jugendfreundin wieder. Die Szenen sind still und emotional aufgeladen, weit entfernt von allem, was man gemeinhin als Komödie bezeichnet.

Warum Ponies jetzt zählt

Die Geschichte der Fernsehakademie gegenüber weiblichen Spionage-Figuren ist lang und ernüchternd. Ponies trägt diese Bürde mit einer gewissen selbstbewussten Ironie: Die Serie handelt von Frauen, die unterschätzt werden, und wird selbst als etwas eingereicht, das sie nicht vollständig ist.

Clarke und Richardson tragen die Serie mit einer Chemie, die selten ist. Clarke wechselt Akzente und Identitäten, ohne je die Kontrolle über ihre Figur zu verlieren. Richardson gibt Twila eine Straßenschläue, die nie in Klischees kippt. Beide verdienen eine Debatte, die über Insider-Kreise hinausgeht.

Ponies ist in Deutschland über WOW, Sky Go und den Wow Fiction Amazon Channel abrufbar. Wer die Serie noch nicht gesehen hat, sollte das vor Beginn der Emmy-Saison nachholen, denn die Diskussion um Nominierungen dürfte lauter werden.

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Quelle: PeacockZuletzt aktualisiert: 14.06.2026, 19:15 Uhr

Artikel geschrieben von:

Lena Bergmann
Autor
Lena Bergmann
Sci-Fi & FantasyMystery-SerienStreaming-Analyse

Lena Bergmann ist Serienredakteurin mit Schwerpunkt auf Sci-Fi- und Fantasy-Formate wie The Witcher und Wednesday.

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Lena hat einen weiteren Artikel zur selben Serie verfasst.

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