Farbe statt Rot-Schwarz: Lex Woods Kostümkonzept für The Vampire Lestat

Kein Rot, kein Schwarz: Die Vampir-Ästhetik fliegt raus. Wood orientierte sich stattdessen an Musikern und ließ sich von Komponist Daniel Harts Referenzen leiten. Dass ausgerechnet die Kostümabteilung den radikalsten Neustart der Staffel liefert, hat kaum jemand erwartet.
Artikel-Inhalt
Farbe als Leitmotiv der Staffel
Als Lex Wood die Kostüme für die dritte Staffel von 'The Vampire Lestat' zu planen begann, stand für sie ein einziges Wort im Mittelpunkt: Farbe. Bewusst distanzierte sie sich vom klassischen Rot-Schwarz-Schema, das Vampire im Serienformat so oft dominiert, und öffnete die Ästhetik der Produktion in alle Richtungen.
Der Grund liegt in der Figur selbst. Lestat de Lioncourt, gespielt von Sam Reid, ist in dieser Staffel Rockstar und Erzähler zugleich. 'Lestat ist Musiker', erklärte Wood gegenüber Variety. 'Alles läuft durch die Linse der Musik, also verbrachte ich viel Zeit damit, Musik von Künstlern zu recherchieren und zu hören, die sich passend anfühlten, darunter einige, die von Komponist Daniel Hart direkt referenziert wurden.'
Als Inspirationsquellen dienten Iggy Pop, David Bowie wegen seines 'Wandel- und Chamäleon-Charakters' sowie Freddie Mercury. Gleichzeitig legten Wood und Reid großen Wert darauf, Lestat nicht als Kopie einer einzigen realen Rockikone zu gestalten, sondern ihm den Raum zu lassen, so individuell wie möglich zu sein.
Seide verbindet Lestat mit Gabriella
Etwa 75 Prozent der Kostüme der Staffel entstanden in Handarbeit. Besonders bei Lestat und seiner Mutter Gabriella, gespielt von Jennifer Ehle, traf Wood bewusste Materialentscheidungen. Beide Figuren stammen aus dem 18. Jahrhundert, und Wood wollte diesen historischen Faden sichtbar halten.
'Ich wollte so viel Seide wie möglich einarbeiten, um immer wieder kleine Verbindungen zwischen ihnen und ihrer Vergangenheit herzustellen', erklärte Wood. Darüber hinaus versteckte sie in der Verwendung dieser Stoffe mehrere Easter Eggs, die aufmerksamen Zuschauerinnen und Zuschauern im Verlauf der Staffel auffallen sollen.
Gabriellas Erscheinungsbild folgt Anne Rices Romanvorlage, die die Figur als androgyner beschreibt. Wood arbeitete mit Schnittechniken aus dem 18. Jahrhundert und spielte bewusst mit dem Wechsel zwischen maskulinen und femininen Elementen, da das Publikum Gabriella stets durch Lestats Augen wahrnimmt.
Louis trägt sein Innenleben nach außen
Louis de Pointe du Lac, gespielt von Jacob Anderson, befindet sich in Staffel 3 in einer fragilen Selbsttäuschung. Nachdem er erfahren hat, dass sein Liebhaber Armand, gespielt von Assad Zaman, und nicht Lestat für den Tod seiner Adoptivtochter Claudia verantwortlich war, gibt sich Louis nach außen hin gefasst. 'Er redet sich ein, dass er geheilt ist', beschrieb Wood die Figur.
Die Garderobe spiegelt diesen inneren Widerspruch. Louis ist nicht länger durch Armand eingeengt, was sich in einem mutigeren Einsatz von Farbe und Muster zeigt. Gleichzeitig trägt er Schichten, die das Verbergen symbolisieren. 'Wie versucht er zu zeigen, dass er in die Gesellschaft integriert ist? Er versteckt sich nicht mehr in einem Apartment in Dubai, er bewegt sich in der Welt und gibt sich erfolgreich', so Wood.
Ein besonderes Detail findet sich an seinem Handgelenk: 'Wir wollten, dass Louis etwas Silber, etwas Glanz trägt. Er trägt ein bestimmtes Armband mit Kerben, als würde er damit seine Tötungen zählen, die er für die Talamasca ausführt, während er für sie arbeitet', erläuterte Wood. Das Schmuckstück ist somit kein dekoratives Element, sondern ein stiller Tagebucheintrag.
Reginas gelbes Kleid als Echo
Eine der subtilsten Kostümentscheidungen der Staffel betrifft Regina, eine Kellnerin in New York, die Claudia zum Verwechseln ähnlich sieht und ebenfalls von Delainey Hayles gespielt wird. Reginas Kellnerinnen-Uniform ist eine bewusste Anspielung auf das gelbe Kleid, in dem Claudia starb.
Die ähnliche Farbe ist eine emotionale Entscheidung: Sie lässt Regina aus dem Hintergrund hervortreten, wenn sie zum ersten Mal durch die Fensterscheibe eines Diners zu sehen ist. Als Regina beginnt, Claudia ernsthaft zu imitieren, verändert sich ihre Garderobe entsprechend. 'Sie gibt vor, jemand zu sein, über den sie in einem Buch gelesen hat, aber sie hat Claudia nie so gesehen, wie wir sie gesehen haben', erklärte Wood.
Beim gemeinsamen Abendessen trägt Regina bewusst Gelb, trifft den Stil des Kleides jedoch nicht ganz. 'Das hätte sie in der Beschreibung nicht gelesen.' Diese kleine Ungenauigkeit ist Absicht: Sie zeigt, dass Regina eine Interpretation spielt, keine Kopie.
Armand und Molloy: Wandel und Beständigkeit
Armand durchläuft in dieser Staffel eine deutliche stilistische Entwicklung. Zu Beginn zeigt er sich in einem chaotischen, ungepflegten Zustand. 'Er ist ein echter Unruhestifter, wenn wir ihn zuerst sehen, und sein Stil entwickelt sich im Laufe der Serie', sagte Wood. Sie versprach Assad Zaman, dass Armands berühmter schwarzer Mantel bis zum Staffelfinale zurückkehren wird. Sein Weg dorthin führt über weichere Schichten, erdige Töne und klarere Schnitte.
Journalist Daniel Molloy, gespielt von Eric Bogosian, stellt das Gegenstück dar. Frisch zum Vampir gewandelt, wirkt er als emotional stabilste Figur der Gruppe. Wood wollte nicht zu weit von seinem Look aus Staffel 2 abweichen. Er besitzt eine begrenzte Garderobe, weil er spontan mit Lestat auf Tournee gegangen ist und ohnehin nicht viel einpacken konnte.
Lestats Schmuck hingegen funktioniert als Werkzeug der Provokation. 'Vielleicht bedeutet dieser Ring etwas, und er versucht, Louis damit zu reizen. Ich trage jemand anderen Ehering, nicht deinen', beschrieb Wood die Absicht dahinter. Verschiedenfarbige Steine signalisieren je nach Szene unterschiedliche innere Zustände. 'Es ist die Erkundung, wer er in diesem bestimmten Moment ist.'
Mehr zu „The Vampire Lestat"

Warum Episode 3 von The Vampire Lestat die härteste der Staffel war
Sam Reid liefert in Episode 3 von 'The Vampire Lestat' sein stärkstes Schauspiel ab. 'Toronto' läuft jetzt auf AMC+ und zeigt Lestat in einer langen Interview-Szene mit blutigen Tränen und einem schmerzhaften Geständnis über seinen ersten Zögling. Laut Showrunner Rolin Jones ist es die beste Einzelstunde des gesamten Serienmaterials.

Lestat singt in Staffel 3: Sam Reid erkämpfte sich diese Entscheidung
Der Showrunner wollte Lestats Gesang ursprünglich gar nicht. Rolin Jones hatte für Staffel 3 einen Symphoniedirigenten geplant, keinen singenden Vampir. Dass ausgerechnet Sam Reids Hartnäckigkeit den Ausschlag gab, zeigt, wie viel Einfluss Darsteller hinter den Kulissen haben können.
Artikel geschrieben von:

Mia Braun ist Redakteurin bei serien.de mit Fokus auf moderne Streaming-Serien und detaillierte Episodenanalysen.
Alle Artikel von Mia