Warum Episode 3 von The Vampire Lestat die härteste der Staffel war

Sam Reid liefert in Episode 3 von 'The Vampire Lestat' sein stärkstes Schauspiel ab. 'Toronto' läuft jetzt auf AMC+ und zeigt Lestat in einer langen Interview-Szene mit blutigen Tränen und einem schmerzhaften Geständnis über seinen ersten Zögling. Laut Showrunner Rolin Jones ist es die beste Einzelstunde des gesamten Serienmaterials.
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Die schwierigste Folge der Staffel
Episode 3 mit dem Titel 'Toronto' war die aufwendigste und zeitintensivste Folge dieser Staffel. Showrunner Rolin Jones räumte offen ein, dass der Sender AMC zwischenzeitlich nachfragte, was eigentlich los sei: 'Es war die Folge, die uns am längsten beschäftigt hat, und bei der AMC fragte: Hey, was ist da los?' Mehrere Ansätze scheiterten, bevor das Team den richtigen Zugang fand.
Das Herzstück der Folge ist eine ausgedehnte Interview-Sequenz, in der Lestat (Sam Reid) dem Vampir-Dokumentaristen Daniel Molloy (Eric Bogosian) erstmals echte Tiefe zeigt, inklusive blutiger Tränen und dem schmerzhaften Geständnis über seinen ersten Zögling Nicolas de Lenfent (Joseph Potter). Lestat verwandelte Nicky in einen Vampir, musste aber zusehen, wie dieser an der Last des dunklen Geschenks zerbrach.
Jones beschreibt die Folge als Beweis dafür, was Reid als Schauspieler leisten kann: 'Wir wollten einfach aus dem Weg gehen und Sam machen lassen. Das ist, über alle Folgen und alle Staffeln hinweg, seine stärkste Stunde in der gesamten Serie.' Das Kompliment wiegt schwer, denn Reid trägt die Produktion seit der Umbenennung von 'Interview with the Vampire' zu 'The Vampire Lestat' als alleinige Hauptfigur.
Ein Song löst den Knoten
Was den Durchbruch beim Schreiben brachte, war 'The Loneliness', ein Song von Komponist Daniel Hart, der die Folge abschließt. Jones schickte Hart nach Fertigstellung sogar einen Kuchen nach Hause, weil der Treffer so präzise war: 'Daniel war gerade zuhause beim Aufnehmen, also schickten wir ihm einen Kuchen, weil er einfach genau das getroffen hatte, woran wir anderthalb Jahre gearbeitet hatten.' Der Text beginnt mit einer Direktheit, die typisch für Lestat ist: 'You can't fuck away the loneliness / It'll wait til you're done / Til you come / Like a vampire.'
Der Song funktioniert im Kontext der Folge als Wendepunkt: Lestat erkennt, dass er die Einsamkeit nicht verdrängen kann und sie stattdessen annehmen muss. Reid erklärt die Logik seiner Figur so: 'Der Song sagt, dass er nichts an der Vergangenheit ändern kann. Die Einsamkeit, das Leiden, die Ewigkeit, zu der man verdammt ist, wird immer da sein. Also kann man genauso gut die Musen an den Arm nehmen und damit umgehen.'
Sowohl Reid als auch Jones bezeichnen 'The Loneliness' als ihren Lieblingssong der Staffel. Der Satz 'Don't Burn Alone', den Lestat so sehr verinnerlicht hat, ist tatsächlich auf die Seite seines Tourbusse gemalt, was die Bedeutung des Stücks für die Figur auch visuell unterstreicht.
Lestats Auftritt auf der Bühne
Die Inszenierung des Live-Auftritts war Jones besonders wichtig. Das Team wollte das Gefühl erzeugen, Zeuge eines historischen Moments zu sein. Dafür mischten sie den Ton bewusst zugunsten der Publikumsreaktionen: 'Wir haben es aggressiv auf die Seite des Publikums gemischt, obwohl es wahrscheinlich mein Lieblingssong des Jahres ist. Wir wollten, dass es sich anfühlt wie etwas, über das man Jahre später noch spricht: Warst du damals dabei?' Jones verglich das Erlebnis mit den legendären Grateful-Dead-Welttourneen.
Am Ende des Songs levitiert Lestat vor lauter musikalischer Ekstase. Reid erklärt, dass das kein Zufall ist: Es ist ein Rückgriff auf Staffel 1, wo Lestat bei extremer Emotion unwillkürlich aufsteigt. Für Lestat bedeutet der Auftritt außerdem einen Sieg über seine inneren Dämonen: Die Geister seiner Mutter Gabriella (Jennifer Ehle) und seines Schöpfers Magnus (Damien Atkins) verlassen während des Songs den Saal, weil sie merken, dass Lestat ihnen keine Macht mehr über sich einräumt.
Jacob Anderson, der als Louis aus den ersten beiden Staffeln bekannt ist, hat Lestats Reise in dieser Folge treffend 'Lestats Ich-Odyssee' getauft. Reid bestätigt die Selbstwahrnehmung seiner Figur: 'Er ist ein sehr bewusstes Wesen. Das macht ihn nicht weniger arrogant oder eitel, aber er weiß sehr genau, dass er nicht all das ist, was er gern wäre, und er ist bereit, das Daniel gegenüber zuzugeben.'
Molloys Interview endet in der Falle
Die Folge hält eine bittere Pointe für Molloy bereit. Was er für das Interview seines Lebens hält, wurde über eine vampirische Wellenlänge übermittelt und ist daher auf keiner Aufnahme festgehalten. Jones sagt, das mache Molloy zu Lestats Feind für den weiteren Verlauf der Staffel.
Reid beschreibt Lestats Spiel mit Molloy als das einer Katze mit einer Maus im Käfig. Lestat bestraft den Journalisten dafür, dass er Louis' Geschichte veröffentlicht hat, indem er ihm scheinbar alles gibt und es ihm dann wieder nimmt. Dabei zielt er gezielt auf Molloys vermeintliche Schwächen, darunter sein Stottern.
Reid war seit Staffel 2 skeptisch, ob das Stottern als Charaktermerkmal wirklich nötig sei. Erst als er sah, was die Szene damit macht, überzeugte es ihn: 'Was wir entdeckt haben, als Lestat das Sprachproblem erklärt, ist, dass er sich nicht dafür schämt. Was er Molloy vermitteln will, ist, wie er es überwunden hat. Es spielt keine Rolle, wer ich früher war. Ich bin jetzt dieser Mensch.'
Musik als Therapie und Wahnsinn
Neben 'The Loneliness' hat Reid noch einen weiteren Lieblingssong in der Staffel: 'Cabbage'. Beide Songs spiegeln Lestats ungewöhnlichen Umgang mit seiner psychischen Verfassung wider. Er sucht nicht nach Heilung, sondern nach Katharsis durch das Chaos.
Reid formuliert es so: 'Er geht aktiv auf das Zerbrechen und das Knacken zu, weil es ihm ein Gefühl von Befreiung gibt. Das ist eine schöne Art, darüber nachzudenken: Er versucht nicht, gesund zu werden. Er versucht, noch verrückter zu werden.' Musik ist für Lestat keine Flucht, sondern ein Werkzeug zur Selbstdemontage und gleichzeitig zur Selbstfindung.
Lestat fasst seine neue Erkenntnis selbst in Worte, als er den Auftritt ankündigt: Musik in ihrer reinsten Form mache ihn zunächst schlechter und dann besser. Das ist kein Widerspruch, sondern Lestats Lebensphilosophie nach Jahrhunderten der Einsamkeit, eine Philosophie, die 'The Vampire Lestat' zur zentralen These dieser Staffel macht.
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Artikel geschrieben von:

Sophie Hartmann analysiert seit mehreren Jahren Serienwelten mit Fokus auf Action, Sci-Fi, Fantasy und Mystery.
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