Wer M.I.A. nach der ersten Folge abbricht, verpasst den besten Trick der Serie
Christopher Cross' 'Ride Like the Wind' taucht seit Januar in drei Serien auf, keine davon zufällig. In M.I.A., The Beauty und Euphoria fungiert der Yacht-Rock-Song als verbindendes Motiv, ohne dass die Macher sich abgesprochen haben. Dass ausgerechnet dieser Song 2026 zum TV-Leitmotiv wird, hätte niemand vorhergesagt.
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Yacht Rock als roter Faden
Seit Januar 2026 taucht Christopher Cross' 'Ride Like the Wind' in gleich drei verschiedenen Serien in einer nicht zufälligen Rolle auf. In Ryan Murphy und Matthew Hodgsons The Beauty nutzt Anthony Ramos' Figur Antonio, ein gealtert wirkender Auftragskiller, den Song zusammen mit seinem Schützling als Teil eines Folterrituals. In Sam Levinsons Euphoria singt Drogenkurierin Rue den Song mit, während sie panisch zur mexikanischen Grenze fährt.
In M.I.A. ist Yacht Rock mehr als Musikkulisse. Dylan Jacksons Figur Stanley, ein neurodivergenter haitianischer Einwanderer, der frisch in Miami ankommt, ist ein glühender Yacht-Rock-Fan. Das Genre ist das einzige Mittel, das ihn in Momenten extremer Anspannung beruhigt, und verleiht der Serie einen unerwarteten emotionalen Ankerpunkt.
Diese Häufung des Songs in so kurzer Zeit ist kein Zufall, sondern ein Zeichen dafür, wie sehr Serienmacher derzeit nach kulturellen Markern suchen, die Figuren sofort greifbar machen. Bei M.I.A. funktioniert dieser Kniff besser als vieles andere in der Serie.
Etta Tiger Jonze und ihre Rache
Im Zentrum der Serie steht Etta Tiger Jonze, gespielt von Gisela, einer relativen Newcomerin, die bislang vor allem als eine der Hauptstimmen in der Netflix-Produktion Strip Law bekannt ist. Etta ist 21 Jahre alt und führt Wildtier-Sumpftouren von der Familienmarina in Key Largo aus. Dank ihres fotografischen Gedächtnisses ist sie außergewöhnlich gut in ihrem Job.
Alles ändert sich, als das Kartell, für das ihre Familie arbeitet, Menschenhandel in sein Geschäftsmodell aufnimmt. Etta weigert sich mitzumachen, eine Entscheidung, die ihre gesamte Familie das Leben kostet. Sie selbst überlebt und beginnt fortan, eine zwölf Personen umfassende Rache-Liste abzuarbeiten, was sie zu einer Art südflorianischer Arya Stark macht.
Das Kartell wird von den Brüdern Mateo, gespielt von Maurice Compte, und Samuel, gespielt von Gerardo Celasco, angeführt. Als besonders bedrohlich erweist sich ihr brutaler Vollstrecker Elias, dem Alberto Guerra eine kühle Gefährlichkeit verleiht. Die Schurken sind solide gezeichnet, bleiben aber selten wirklich überraschend.
Dubuque trifft Campbell: Gemischte Bilanz
Die Kombination aus Bill Dubuque, der mit Ozark eine der gefeiertsten Krimi-Serien der vergangenen Jahre schuf, und Chefautorin Karen Campbell, die aus dem Dexter-Universum stammt, klingt vielversprechend. Das Ergebnis ist jedoch eine Serie, die sich zu selten für eine klare Tonalität entscheidet.
M.I.A. ist besser als vergleichbare Rache-Thriller, die zuletzt auf anderen Plattformen erschienen, und hat durchaus unterhaltsame Momente. Doch die Serie bleibt letztlich ein Wegwerfprodukt, das weder als ernstes Antihelden-Drama noch als konsequenter Pulp-Spaß vollständig aufgeht.
Tyler Tomás Perez, der aus Abbott Elementary bekannt ist, zeigt sich hier von einer weniger ansprechenden Seite. Seine Figur bleibt blass, was symptomatisch für ein grundsätzliches Problem der Serie ist: Zu viele Charaktere werden eingeführt, ohne dass ihnen genug Raum gegeben wird.
Zwischen Prestige und Pulp
M.I.A. ist am unterhaltsamsten, wenn es sich dem Pulp-Instinkt hingibt und nicht versucht, tiefgründiger zu wirken als es ist. Die Gewalt-Sequenzen sind handwerklich kompetent inszeniert, und die Kulisse Miamis sowie der Everglades verleiht der Serie eine visuelle Eigenständigkeit.
Cary Elwes und Rob Reiner tauchen in Nebenrollen auf und sorgen für einzelne Szenen, die über das Mittelmaß hinausragen. Beide bringen eine Leichtigkeit mit, die der Serie gut täte, wenn sie häufiger zum Einsatz käme. Stattdessen verfällt M.I.A. immer wieder in ein zähes Erzähltempo, das den Schwung nimmt.
Kid Cudis Beteiligung an der Serie, sei es im Soundtrack oder in einer Rolle, unterstreicht den Anspruch der Macher, eine kulturell relevante Produktion zu schaffen. Ob dieser Anspruch eingelöst wird, bleibt Geschmackssache.
Fazit: Solide, aber nicht mehr
M.I.A. ist eine Serie für Zuschauer, die einen unkomplizierten Rache-Thriller mit südamerikanischem Flair suchen und keine hohen Erwartungen mitbringen. Die Prämisse ist stark, die Kulisse stimmungsvoll, und Gisela trägt die Serie mit einer rohen Energie, die neugierig auf ihre weitere Karriere macht.
Das eigentliche Problem ist, dass M.I.A. zu unentschlossen ist. Wer Ozark-Qualität erwartet, wird enttäuscht. Wer einfach unterhalten werden möchte, findet hier zumindest sporadisch, was er sucht. Für DACH-Zuschauer wird die Serie voraussichtlich über Sky und WOW zugänglich sein, ein konkreter Termin wurde noch nicht kommuniziert.
Unterm Strich bleibt M.I.A. eine Serie, die ihr Potenzial nicht ausschöpft, aber auch keine komplette Enttäuschung ist. Wer sich auf die wenigen starken Szenen einlässt, wird nicht vollständig leer ausgehen.
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Artikel geschrieben von:

Lena Bergmann ist Serienredakteurin mit Schwerpunkt auf Sci-Fi- und Fantasy-Formate wie The Witcher und Wednesday.
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