Wegen Rebecca Miller sieht Mr. Scorsese auf Apple TV+ anders aus

·30.05.2026, 21:00 Uhr·4 Min
Wegen Rebecca Miller sieht Mr. Scorsese auf Apple TV+ anders aus
Bild: Apple TV · TMDB

Keine Branchenfreundschaft, kein Netzwerk: nur ein Brief. Rebecca Miller kannte Scorsese einzig durch ihren Mann Daniel Day-Lewis und rief trotzdem kalt bei seiner Produzentin an. Dass Scorsese zusagte, macht Mr. Scorsese auf Apple TV+ zu einem ungewöhnlichen Dokument.

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Ein Kaltanruf als Ausgangspunkt

Rebecca Miller kannte Martin Scorsese nicht durch jahrelange Branchenfreundschaft, sondern durch ihren Ehemann Daniel Day-Lewis, einen der wichtigsten Schauspieler in Scorseses Karriere. Als sie beschloss, eine große Dokumentation über den Regisseur zu drehen, griff sie zum Telefon und rief Margaret Bodde an, Scorseses Produzentin für Dokumentarfilme.

Miller schilderte den Vorgang beim Deadline-Contenders-Television-Panel so: 'Ich rief kalt an und sagte: Ich weiß, irgendjemand macht bestimmt gerade einen großen Film über Marty, aber falls nicht, wäre ich sehr interessiert.' Bodde fragte Scorsese, der Miller aufforderte, einen Brief zu schreiben. Danach folgte ein persönliches Treffen, das schneller als erwartet konkrete Formen annahm.

Noch während Miller das Gespräch verließ und alle anrief, um zu berichten, dass das Projekt wohl tatsächlich stattfinden würde, schlug das Schicksal zu: Zwei Tage nach dem Treffen begann die Covid-Pandemie und gefährdete alles, was gerade vereinbart worden war.

Die Pandemie als unerwartetes Geschenk

Scorsese, der unter normalen Umständen kaum stillsitzt, fand sich plötzlich ohne Drehplan und ohne Projekte wieder. Miller beschrieb die Situation so: 'Marty hat nie Zeit, aber plötzlich hatte er nichts als Zeit, weil er keine Filme drehen konnte. Er saß in seinem kleinen Arbeitszimmer und war so glücklich.'

Scorsese fuhr zweieinhalb Stunden zu Millers Haus, um auf der Veranda zu sitzen und zu sprechen. Alles draußen, alles offen. Miller ist überzeugt, dass die Atmosphäre jener Monate auch inhaltlich wirkte: Die allgegenwärtige Sterblichkeit während der Pandemie habe viele Menschen dazu gebracht, ihr Leben Revue passieren zu lassen. Bei Scorsese sei das nicht anders gewesen.

Das erste Interview dauerte vier Stunden, und am Ende war Scorsese erst bei seinem zwölften Lebensjahr angelangt. Für Miller war das ein Signal: 'Ich wusste nicht, wie ehrlich und offen er sein würde. Und er war einfach so offen und ehrlich. Er hat mir ein großes Geschenk gemacht.'

Vertrauen als Kern seiner Arbeit

Die Dokumentation beleuchtet Scorseses Beziehung zu seinen engsten Mitarbeitern, die er selbst als 'Schlüssel-Kollaborateure' bezeichnet. Dazu gehören Robert De Niro, Leonardo DiCaprio und Joe Pesci, mit denen er über Jahrzehnte immer wieder zusammengearbeitet hat.

Miller gewann durch die Gespräche ein neues Verständnis dafür, was diese Zusammenarbeit ausmacht: nicht nur technische Meisterschaft oder komplexe Kameraeinstellungen, sondern vor allem ein tiefes Vertrauen zwischen Regisseur und Darstellern. Scorsese schaffe einen Raum, in dem Schauspieler weiter gehen könnten als erwartet, und das gelte für Männer wie Frauen gleichermaßen.

Miller verwies darauf, dass Scorsese wahrscheinlich mehr weibliche Oscar-Nominierungen hervorgebracht hat als jeder andere Regisseur. Viele Schauspielerinnen hätten mit ihm die Leistung ihres Lebens abgeliefert, weil er Ehrlichkeit und Sicherheit gleichzeitig ermögliche.

Die Engel in Scorseses Leben

Ein zentrales Thema der Doku ist die Frage, warum Scorsese über Jahrzehnte auf höchstem Niveau arbeiten konnte, während andere Regisseure seiner Generation das nicht schafften. Miller sieht die Antwort nicht nur im Talent, sondern in den Menschen, die Scorsese begegnet sind.

Cutterin Thelma Schoonmaker saß zufällig mit ihm im selben NYU-Kurs und wurde zu einer lebenslangen künstlerischen Partnerin. De Niro kam hinzu, später Manager Rick Yorn, der ihm ermöglichte, Projekte mit entsprechenden Budgets umzusetzen. Miller nennt diese Begegnungen 'Engel in seinem Leben', ohne die das Genie allein nicht ausgereicht hätte.

Leonardo DiCaprio bringt es in der Doku auf den Punkt: Scorsese würde Filme auch umsonst drehen. Das Kino sei ihm ins Blut und in die Knochen übergegangen. Miller ergänzt, dass Scorsese einen ungeheuren Appetit, eine Energie und eine tiefe, bedingungslose Liebe zum Film mitbringe, die ihn von anderen unterscheide.

Fünf Teile bei Apple TV

Die Dokumentarserie 'Mr. Scorsese' umfasst fünf Teile und ist bei Apple TV abrufbar. Miller präsentierte das Projekt im Rahmen des Deadline-Contenders-Television-Panels für Dokumentar- und Unscripted-Formate.

Für Miller ist die Serie das Ergebnis eines langen, ungewöhnlichen Prozesses, der mit einem Kaltanruf begann, durch eine Pandemie fast scheiterte und letztlich zu einer der offensten Selbstreflexionen führte, die Scorsese je öffentlich zugelassen hat. Die erste Veröffentlichung relevanter Informationen zum Projekt datiert auf den 25. April im Rahmen des Contenders-TV-Events.

Ob als Porträt eines Filmemachers oder als Dokument einer außergewöhnlichen kreativen Freundschaft: Die Serie gibt Einblicke in eine Karriere, die seit mehr als fünf Jahrzehnten das Kino prägt, und in einen Menschen, der sich erstmals wirklich Zeit genommen hat, darüber zu sprechen.

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Quelle: Apple TVZuletzt aktualisiert: 30.05.2026, 21:00 Uhr

Artikel geschrieben von:

Sophie Hartmann
Autor
Sophie Hartmann
Action-SerienScience FictionFantasy-Serien

Sophie Hartmann analysiert seit mehreren Jahren Serienwelten mit Fokus auf Action, Sci-Fi, Fantasy und Mystery.

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Sophie hat einen weiteren Artikel zur selben Serie verfasst.

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