Warum The Testaments schon im Auftakt bewusst anders klingt als sein Vorgänger

·04.06.2026, 21:16 Uhr·4 Min
Warum The Testaments schon im Auftakt bewusst anders klingt als sein Vorgänger
Bild: Hulu · TMDB

The Testaments ist Hulus Fortsetzung von The Handmaid's Tale, bereits für Staffel 2 verlängert. Die erste Folge 'Precious Flowers' führt vier Teenager ein, darunter Chase Infiniti und Rowan Blanchard, als sogenannte Plums. Mit 45 Millionen gestreamten Stunden hat die Serie ihre Relevanz früh bewiesen.

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Die Plums: Jugend in Gilead

Die erste Folge von The Testaments trägt den Titel 'Precious Flowers' und führt vier Teenager in die Welt Gileads ein: Agnes (Chase Infiniti) (Chase Infiniti), Becka (Mattea Conforti) (Mattea Conforti), Shunammite (Rowan Blanchard) (Rowan Blanchard) und Hulda (Isolde Ardies). Sie gehören zur Gruppe der sogenannten Plums, Mädchen, die für eine Ehe mit hochrangigen Gilead-Kommandeuren vorgesehen sind. Ihr Schulalltag ist bis ins Detail durchgeformt: pflaumenfarbene Uniformen, ein Bus mit passenden Vorhängen vor den Fenstern.

Parallel dazu wird die Kanadierin Daisy (Lucy Halliday) (Lucy Halliday) in die Welt Gileads eingeführt. Tante Lydia, gespielt von Ann Dowd, macht sie zu einer Pearl Girl, einer Missionarin und Tante in Ausbildung, die künftig selbst junge Frauen für Gilead rekrutieren soll. Daisy wird Agnes zugeteilt und findet schnell Anschluss in deren Freundeskreis, während Becka zunächst auf Distanz bleibt.

Gegenüber dem Vorgänger The Handmaid's Tale setzt The Testaments bewusst andere Akzente: Die Tonalität ist heller, die Hauptfiguren jünger, die Energie lebhafter. Die Unterdrückung bleibt, doch die Mädchen tragen eine Neugier und Widerstandskraft in sich, die das Seriengeschehen von Beginn an antreibt.

Miller über Atwoods Balance aus Wut und Hoffnung

Bruce Miller, der bereits The Handmaid's Tale adaptiert und dafür mehrere Emmys gewonnen hatte, darunter für das Drehbuch der Pilotfolge und für die beste Dramaserie, schrieb auch das Skript zu The Testaments. In einem begleitenden Statement beschreibt er, was ihn beim Lesen von Atwoods Roman am stärksten traf: 'Als ich Margaret Atwoods The Testaments las, spürte ich dasselbe beunruhigende Gefühl wie damals, als ich The Handmaid's Tale zum ersten Mal gelesen hatte.'

Miller hebt hervor, was er als das Kernmerkmal von Atwoods Schreiben empfindet: eine Zeitlosigkeit, die gleichzeitig vertraut und erschreckend aktuell wirkt. Beim Verfassen des Pilotskripts sei er immer wieder zu dem zurückgekehrt, was er als 'außerordentliche Balance' in Atwoods Roman beschreibt: verbotene Schwesternschaften, Wut neben Humor, Brutalität neben Widerstandskraft, Schrecken neben Hoffnung.

Besonders die Figuren der Plums hätten ihn bewegt. Miller beschreibt sie als funkelnd, kreativ, impulsiv, neugierig und tief loyal, aufwachsend in einer Gesellschaft, die genau diese Eigenschaften zu unterdrücken versucht. Sein Ziel sei es gewesen, diesen Geist auf jeder Seite des Skripts spürbar zu machen.

Staffel 2 bereits bestätigt

The Testaments wurde bereits vor dem Abschluss der ersten Staffel für eine zweite Staffel verlängert. Als Grundlage diente unter anderem die starke Resonanz beim Publikum: Staffel 1 überschritt die Marke von 45 Millionen gestreamten Stunden.

Die Verlängerung signalisiert, dass die Serie als langfristiges Franchise-Projekt betrachtet wird, das die Welt von Gilead über die Handlung von The Handmaid's Tale hinaus weiterentwickelt. Konkrete Angaben zu Drehstart oder Ausstrahlungstermin von Staffel 2 stehen noch aus.

Für deutsche Zuschauerinnen und Zuschauer ist die Serie bei Disney+ verfügbar. Die Produktion entstand für den US-Streamingdienst Hulu.

Das Skript als Emmy-Kandidat

Das Pilotskript zu 'Precious Flowers' wurde im Rahmen der Rubrik 'It Starts on the Page' veröffentlicht, die herausragende Drehbücher aus der laufenden Emmy-Saison 2026 vorstellt. Miller gehört damit zu den Autoren, deren Arbeit in diesem Jahr für die wichtigste US-Fernsehauszeichnung in Betracht gezogen wird.

Miller ist kein Unbekannter bei den Emmys. Für The Handmaid's Tale gewann er die Auszeichnung sowohl als Autor des Pilotskripts als auch als Teil des Teams hinter der besten Dramaserie. Mit The Testaments knüpft er an dieses Erbe an, setzt jedoch auf eine eigenständige Erzählstimme.

Neben The Testaments wurden in derselben Reihe auch Skripte zu anderen Emmy-Kandidaten veröffentlicht, darunter das Serienfinale von Stranger Things, verfasst von den Duffer Brothers, sowie das Staffelfinale von Task, geschrieben von Brad Ingelsby.

Widerstand als roter Faden

Im Verlauf der ersten Staffel entwickeln sich Agnes, Shunammite und ihre Mitstreiterinnen von gehorsamen Plums zu Figuren, die zunehmend die Grenzen ihres Lebens in Gilead ausloten. Daisy, aufgewachsen außerhalb des Systems, bringt eine Perspektive mit, die den anderen Mädchen zeigt, dass eine andere Realität existiert.

Becka nimmt dabei eine besondere Rolle ein: Während die anderen zunächst bereit sind, die vorgegebenen Rollen zu erfüllen, hält sie auf Abstand. Ihre Entwicklung zieht sich als eigener Erzählstrang durch die Staffel und gipfelt im Finale in einem Moment, der die Konsequenzen von Widerstand in Gilead direkt spürbar macht.

Miller fasst die thematische Essenz der Serie in einem Satz zusammen, der zugleich als Leitgedanke des gesamten Projekts gelesen werden kann: 'Unterschätze niemals die Kraft eines Teenager-Mädchens.'

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Quelle: HuluZuletzt aktualisiert: 04.06.2026, 21:16 Uhr

Artikel geschrieben von:

Lea Zimmermann
Autor
Lea Zimmermann
Science FictionFantasy-SerienMystery

Lea Zimmermann analysiert aktuelle Serien mit besonderem Blick für Atmosphäre, Figurenentwicklung und Erzählstruktur.

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