Warum The Testaments gerade einen ganz anderen Nerv trifft

·11.06.2026, 15:01 Uhr·4 Min
Warum The Testaments gerade einen ganz anderen Nerv trifft
Bild: Hulu · TMDB

Selbst Carrie Coon kämpft noch um Rollen: Nummer vier auf der Liste. The Testaments versammelt Stars wie Claire Danes und Sarah Pidgeon, die offen über Unsicherheit in der Branche sprechen. Das trifft einen Nerv, weil die Serie zeigt, was hinter glänzenden Fassaden steckt.

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Niemand fühlt sich wirklich angekommen

Sarah Pidgeon stellt die Frage, die alle denken, aber kaum jemand ausspricht: Ob irgendjemand in der Runde jemals das Gefühl hatte, es wirklich geschafft zu haben. Die Antwort kommt einstimmig und ohne Zögern: Nein. Claire Danes, aktuell in 'The Beast in Me' zu sehen, bringt es auf den Punkt: 'Die große Mehrheit von uns arbeitet einfach.' Wer etwas anderes behaupte, lebe möglicherweise in einer Illusion.

Carrie Coon beschreibt ihre eigene Situation trotz des Erfolgs durch 'The White Lotus' mit entwaffnender Klarheit. Sie hält sich selbst für die Nummer vier auf einer langen Liste, früher war sie die Nummer sieben. 'Ich muss immer noch kämpfen', sagt sie. Was sie bekommt, seien unfinanzierte Indie-Drehbücher, keine großen Kinofilme.

Kerry Washington erklärt, wie sie mit dieser Realität umgeht: Sie wartet nicht mehr auf Einladungen, sondern produziert selbst. Das Listenprinzip gelte für alle, die Träume würden nur größer, die Listen wechselten sich ab. Eine echte Ankunft gebe es nicht.

Sechs Monate Vorsprechen für eine Rolle

Chase Infiniti durchlief für 'One Battle After Another' einen Auswahlprozess, der sich über sechs Monate erstreckte. Zunächst gab es monatliche Treffen, dann wöchentliche, dazu Bewegungsproben, Karatestunden und Chemietests mit Leonardo DiCaprio und Regina Hall. Paul Thomas Anderson und DiCaprio hatten sie gewarnt, dass die anschließende Pressetour ein Marathon werde, kein Sprint. Infiniti dachte, sie verstehe das. Dann begann die Tournee.

Claire Danes erinnert sich an ihre eigene lange Wartezeit vor 'Romeo + Juliet'. Sie sprach mehrfach vor, und die Anspannung während der Entscheidungsphase hinterließ körperliche Spuren: Der Mund war voller Aphten, sprechen fiel kaum noch möglich. Dass sie die Rolle bekam, erfuhr sie erst nach einer zermürbenden Wartezeit.

Rhea Seehorn beschreibt den Moment, als sie die Zusage für 'Better Call Saul' erhielt, als emotionalen Zusammenbruch. Ihr Agent rief sie während eines Spaziergangs in Venedig an, ihr Partner Graham war dabei. Die Botschaft, der Rollenname werde noch geändert und sie solle das mitspielen, verstand Seehorn zunächst als Aufforderung, ihren eigenen Namen zu wechseln. Erst 48 Stunden später klärte sich das Missverständnis auf.

Kerry Washington und der Weg zu Scandal

Kerry Washington durchlief für ihre Hauptrolle in 'Scandal' vier bis fünf Auswahlrunden bis zum Screentest. Shonda Rhimes bestand darauf, dass alle interessierten Schauspielerinnen vorsprechen durften, weil die Rolle historisches Gewicht hatte: Als 'Scandal' ausgestrahlt wurde, hatte seit fast 40 Jahren keine schwarze Frau eine Netzwerkdramaserie als Hauptdarstellerin getragen.

Carrie Coon verdankt ihre Rolle in 'Gone Girl' einem selbst gedrehten Vorspreche-Video aus Chicago. Sie glaubte nicht, dass irgendjemand das Band ansehen würde. Die Casting-Direktorin tat es. Coon betont, wie viel sie Casting-Direktorinnen verdankt, die sich für sie eingesetzt haben, lange bevor sie bekannt wurde.

Washington und Coon sind sich einig, dass die Kultur der Vorspreche-Wartezimmer verschwunden ist. Früher habe es echte Solidarität gegeben, Mitbewerberinnen gingen gemeinsam essen. Heute sei es eine Tape-Farm, sagt Coon. Diese Gemeinschaft vermisse sie.

Roter Teppich als Übungsfeld

Kerry Washington entwickelte früh in ihrer Karriere eine Strategie für den roten Teppich: eine Version ihrer selbst, die nach außen trägt, was sie nach innen noch nicht fühlte. Der Anstoß kam, als eine andere Schauspielerin eine begehrte Rolle bekam, weil sie als 'It-Girl' galt und ihr persönliches Marketing geschickter einsetzte. Washington wollte Handwerk nicht durch Selbstvermarktung ersetzen, aber sie fragte sich, ob sie sich versteckte.

Glenn Close habe ihr dabei geholfen, eine Haltung zu finden, erzählt Washington. Close denke an sich als eine gütige Königin, die ihren Hof empfängt. Die Menge habe keine Macht, man selbst behalte sie und trete mit Eleganz auf. Danes hat eine andere Methode entwickelt: Sie summt. Robert De Niro mache sich regelmäßig darüber lustig.

Sarah Pidgeon beschreibt die Erfahrung ihrer ersten Pressetour als überwältigend. Ihre Agentin erklärte ihr, dass eine Teppich-Persönlichkeit eine Erweiterung der eigenen Person sei, kein Widerspruch. Pidgeon sucht noch nach der Linie zwischen Präsenz und Schutz.

Todesrasseln und eine Lüge aus den Neunzigern

Claire Danes spielte 1994 in Gillian Armstrongs Verfilmung von 'Little Women' die sterbende Beth. Ihre Darstellung war so intensiv, dass die Szene neu gedreht werden musste. Der Grund, den Regisseurin Armstrong ihr nannte: Cola sei auf das Negativ verschüttet worden. Danes glaubte das damals ohne Nachfragen. Erst im vergangenen Jahr erfuhr sie, was wirklich hinter der Neuaufnahme steckte: Ihre Performance war zu roh gewesen.

Ihr Filmpartner Matthew Rhys erfuhr die Geschichte während der Dreharbeiten zu 'The Beast in Me' und verpasste ihr seither den Spitznamen 'Death Rattle Danes'. Danes trägt ihn mit einer Mischung aus Belustigung und Fassung. Sie nennt ihre damalige Leistung 'vielleicht zu authentisch, nennen wir es so'.

Rhea Seehorn beschreibt, wie sie ihre eigene Arbeit schmerzhaft genau analysiert, um schlechte Gewohnheiten zu erkennen. Chase Infiniti dagegen findet das Anschauen der eigenen Arbeit nach einer kurzen Eingewöhnungszeit produktiv. Sarah Pidgeon erinnert sich an jeden einzelnen Take und weiß genau, welche Aufnahmen sie lieber nicht im fertigen Schnitt gesehen hätte. Meist sind es genau diese, die landen.

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Quelle: HuluZuletzt aktualisiert: 11.06.2026, 15:01 Uhr

Artikel geschrieben von:

Sarah Becker
Autor
Sarah Becker
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Sarah Becker analysiert Streaming-Highlights aus den Bereichen Krimi, Drama und Mystery mit geschultem Blick für Erzählstrukturen.

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