The Testaments startet dort, wo The Handmaid's Tale aufgehört hat

Kein Theaterfilm, keine Serienrolle, und trotzdem plötzlich Oscar-Kino. Chase Infiniti hatte vor 'The Testaments' genau einen Serienkredit vorzuweisen, in 'Presumed Innocent' bei Apple TV+. Dass sie nebenbei in einem Paul Thomas Anderson-Film mitspielte, erfuhr das gesamte Set erst durch einen Kinotrailer.
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Das gut gehütete Geheimnis am Set
Chase Infiniti spielte die Rolle der Willa in Paul Thomas Andersons Beste-Film-Oscar-Gewinner 'One Battle After Another', hielt das jedoch monatelang vor ihren Mitdarstellern in 'The Testaments' geheim. Vor dem Dreh hatte sie lediglich Theatererfahrung und eine einzige Serienrolle bei Apple TV+ in 'Presumed Innocent' vorzuweisen. Am Set von 'The Testaments' galt sie schlicht als neue Gesichterin.
Das änderte sich abrupt, als der Trailer zu 'One Battle After Another' vor dem Film 'Sinners' in einem Kino lief. Ihr Kollege Brad Alexander, der in 'The Testaments' den Garth spielt, sah den Trailer und informierte umgehend die gesamte Besetzung. 'Ich hatte noch nicht einmal den finalen Schnitt gesehen. Ich hatte niemandem erzählt, dass ich in dem Film mitspielte', sagt Infiniti.
Der Zeitpunkt war pikant: Alexander spielt Garth, einen verdeckten Agenten des Mayday-Widerstands in Gilead, der Agnes (Chase Infiniti) MacKenzie beschützt. Dass ausgerechnet er Infinitis Cover auffliegen ließ, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.
Agnes und die Mädchen von Gilead
'The Testaments' setzt etwa vier Jahre nach dem Finale von 'The Handmaid's Tale' an, das im Mai 2025 nach sechs Staffeln endete. Im Mittelpunkt stehen Agnes MacKenzie (Chase Infiniti) und ihre engen Freundinnen Becka (Mattea Conforti) (Mattea Conforti), Hulda (Isolde Ardies) und Shunammite (Rowan Blanchard) (Rowan Blanchard). Sie alle sind Töchter hochrangiger Kommandanten und anderer einflussreicher Familien in Gilead.
Die Teenager werden in einer Ehefrauenschule unter der Aufsicht von Ann Dowds Tante Lydia ausgebildet. Das Regime nennt die Mädchen 'Pflaumen', nach ihrer ersten Periode 'Grüne'. Trotz der Unterdrückung zeigt die Serie, wie die Freundschaft der Mädchen alle Grenzen des Systems überwindet. 'Freundschaften sind universell und überstehen Kultur und Erziehung', sagt Infiniti über den Kern dieser Beziehungen.
Besonders für Infiniti und ihre Kolleginnen war die Präsenz von Rowan Blanchard ein Erlebnis. Alle hatten Blanchard als Kind in der Disney-Serie 'Girl Meets World' verfolgt. Dass sie nun als gleichberechtigte Kolleginnen zusammenarbeiteten, sorgte am Set für echte Aufregung.
Junges Mädchen, düstere Wirklichkeit
Die Welt, die 'The Testaments' für Agnes und ihre Freundinnen entwirft, wirkt auf den ersten Blick weniger brutal als die aus 'The Handmaid's Tale' bekannte Version Gileads. Teegesellschaften, Tänze und ein geregelter Werbungsprozess überdecken die eigentliche Dunkelheit. 'Man sieht die Schicht aus Schönheit, die sie über die Welt dieser Mädchen gelegt haben. Es macht alles verdaulicher für sie', erklärt Infiniti.
Doch die Gewalt ist nur verpackt, nicht verschwunden. Agnes erlebt sexuellen Missbrauch durch Dr. Grove, den Vater ihrer besten Freundin Becka. Die Showrunner entschieden bewusst, diese Szenen nicht explizit zu zeigen, da Agnes selbst nicht vollständig versteht, was ihr passiert. 'Indem man dem Publikum nicht viel zeigt, erzeugt man dasselbe Gefühl', sagt Infiniti.
Parallel dazu erlebt Agnes ganz normale Teenagergefühle: Sie ist eifersüchtig, als ihre beste Freundin Becka ihren Schwarm Garth heiraten soll. 'Sie ist ein 14-jähriges Mädchen, das eifersüchtig ist, weil ihr Schwarm nicht bei ihr ist', sagt Infiniti. Genau diese Mischung aus politischer Unterdrückung und pubertären Emotionen macht die Figur besonders vielschichtig.
Elisabeth Moss prägte die Besetzung entscheidend
Agnes MacKenzie ist in Wahrheit Hannah, die Tochter von June Osborne (Elisabeth Moss) und Luke (O-T Fagbenle). Als kleines Kind wurde sie ihren Eltern entrissen und einer Kommandantenfamilie übergeben. Diese Identität bleibt Agnes zunächst verborgen, bis die Figur Daisy (Lucy Halliday) auftaucht: Lucy Hallidays Charakter gibt vor, in Gilead Zuflucht zu suchen, ist aber in Wirklichkeit im Auftrag von June unterwegs.
Moss, die als ausführende Produzentin an 'The Testaments' beteiligt ist und in einigen Folgen als Gastdarstellerin auftritt, hatte maßgeblichen Einfluss auf Infinitis Casting. Besonders eine Szene im Staffelfinale, in der Agnes mit Tante Lydia über ihre wahre Mutter spricht, beeindruckte Moss tief. 'Die Art, wie sie die Grenze zieht, Lydia nichts zu verraten, aber gleichzeitig zu zeigen, was sie weiß, ist so verdammt brillant', sagt Moss.
Auch O-T Fagbenle spielte eine Rolle bei Infinitis Weg zur Besetzung: Er hatte bereits mit ihr in 'Presumed Innocent' zusammengearbeitet und beriet 'Testaments'-Schöpfer Bruce Miller bei der Auswahl. Fagbenle warnte Infiniti damals sogar davor, 'The Handmaid's Tale' zu schauen, weil es möglicherweise zu düster für sie sein könnte.
Zweite Staffel und nächste Schritte
'The Testaments' wurde bereits für eine zweite Staffel verlängert, bevor das Finale der ersten Staffel veröffentlicht wurde. Infiniti selbst wusste zum Zeitpunkt eines Interviews im April noch nichts von der Erneuerung. Parallel befindet sie sich in der Postproduktion von Niki Byrnes Spielfilm 'The Julia Set', in dem sie neben Gillian Anderson und Christopher Briney zu sehen sein wird.
Was die Zukunft nach 'The Testaments' angeht, lässt sich Infiniti Zeit. 'Ich suche noch nach etwas, das mich inspiriert, das mir dieses Kribbeln gibt, das ich bekomme, wenn ich etwas Besonderes finde', sagt die 26-Jährige. Sie glaubt daran, dass die richtigen Projekte zur richtigen Zeit kommen.
Für die Rolle der Agnes bereitete sich Infiniti intensiv vor, schaute 'The Handmaid's Tale' nach langer Zeit erneut und entschied sich dann bewusst, nicht zu viel davon in ihre Darstellung einfließen zu lassen. June habe alles verloren, Agnes hingegen kenne nur Gilead. Diese unterschiedliche Ausgangslage wollte sie klar voneinander trennen.
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Selbst Carrie Coon kämpft noch um Rollen: Nummer vier auf der Liste. The Testaments versammelt Stars wie Claire Danes und Sarah Pidgeon, die offen über Unsicherheit in der Branche sprechen. Das trifft einen Nerv, weil die Serie zeigt, was hinter glänzenden Fassaden steckt.

Heirat statt Hinrichtung: The Testaments wählt das grausamere Ende
Becka wird mit Commander Garth verheiratet, ihre Mutter wird stattdessen ermordet. Das Staffelfinale von The Testaments, inszeniert von Mike Barker, zeigt Agnes gleichzeitig mit der Wahrheit über ihre Mutter June Osborne. Beide Schicksale bilden die Ausgangslage für die bereits bestellte zweite Staffel.

Warum The Testaments schon im Auftakt bewusst anders klingt als sein Vorgänger
The Testaments ist Hulus Fortsetzung von The Handmaid's Tale, bereits für Staffel 2 verlängert. Die erste Folge 'Precious Flowers' führt vier Teenager ein, darunter Chase Infiniti und Rowan Blanchard, als sogenannte Plums. Mit 45 Millionen gestreamten Stunden hat die Serie ihre Relevanz früh bewiesen.
Artikel geschrieben von:

Sophie Hartmann analysiert seit mehreren Jahren Serienwelten mit Fokus auf Action, Sci-Fi, Fantasy und Mystery.
Alle Artikel von SophieSophie hat 2 weitere Artikel zur selben Serie verfasst.