Warum The Testaments im vorletzten Kapitel seinen härtesten Moment hat

Liebe als Zerstörungskraft: Becca verliert sich selbst, um Agnes zu retten. Darstellerin Mattea Conforti erklärt, dass genau diese Aufopferung die Figur in etwas Fremdes verwandelt. Was als Schutzinstinkt beginnt, endet im kompletten Identitätsverlust.
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Becca spiralt: Conforti erkennt Figur nicht
Mattea Conforti, die Becca in The Testaments verkörpert, beschreibt die vorletzte Folge der ersten Staffel als emotionalen Wendepunkt, den sie selbst kaum fassen konnte. 'Sie spiralt. Ich erkenne diese Version von Becca nicht mehr, als sie bei Agnes (Chase Infiniti) auftaucht', sagt Conforti über die Szene, die Zuschauer weltweit in Atem hält.
Für Conforti liegt der Schlüssel zu Beccas Absturz in einer tief verwurzelten Emotion: Liebe. 'Ein Großteil des Grundes, warum sie tut, was sie tut, ist Agnes. Es geht um die Liebe, die sie für sie empfindet, und um den Wunsch, sie zu schützen.' Diese Motivation macht Beccas Handlungen nachvollziehbar, auch wenn sie in Gewalt und Chaos münden.
Regisseur Mike Barker und Showrunner Bruce Miller haben laut Conforti bewusst darauf hingearbeitet, Beccas innere Zerrissenheit in dieser Episode auf die Spitze zu treiben. Das Ergebnis ist eine Figur, die zwischen Verzweiflung und Entschlossenheit zerrissen wird, und eine Darstellung, die Conforti selbst als eine ihrer intensivsten bezeichnet.
Beccas Gefühle für Agnes: Mehr als Freundschaft
Eine der zentralen Entwicklungen der vorletzten Episode ist die explizitere Darstellung von Beccas Gefühlen für Agnes, gespielt von Chase Infiniti. Im Vergleich zur Buchvorlage von Margaret Atwood blieb die Serie bisher zurückhaltender, doch nun zeigt sie beide Seiten dieser Beziehung offen.
Conforti erklärt, dass die Macher zeigen wollten, wie viel Liebe Becca in sich trägt und wie sie diese aufteilt. 'Sie hat so viel starke platonische Liebe für Agnes, aber gleichzeitig auch sehr starke romantische Gefühle für sie.' Diese Doppelnatur macht Beccas innere Welt komplexer und ihre Entscheidungen noch nachvollziehbarer.
Für Agnes wiederum gilt in Beccas Augen ein klares Prinzip: 'Agnes ist jemand, der in Beccas Vorstellung nichts falsch machen kann.' Diese bedingungslose Verehrung ist es, die Becca letztlich in die Spirale treibt, aus der sie sich kaum noch befreien kann.
Verrat in Gilead: Wer rief die Augen?
Ein weiterer Schockmoment der Episode dreht sich um die Frage, wer die Augen gerufen hat, den Geheimdienst Gileads. Die Antwort trifft hart: Es ist Agnes' Vater, Commander MacKenzie, gespielt von Randal Edwards, der die Schergen auf Becca ansetzt.
Conforti kommentiert diesen Verrat mit einem schlichten, aber treffenden Satz: 'Es ist Gilead. Man kann niemandem in Gilead vertrauen.' Diese Erkenntnis zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Serie und erreicht in dieser Episode ihren bittersten Ausdruck.
Produzent Warren Littlefield und das kreative Team um Bruce Miller haben mit dieser Wendung eine der dunkelsten Seiten des Gilead-Systems beleuchtet: die Instrumentalisierung familiärer Bindungen als Werkzeug der Kontrolle und Unterdrückung.
Staffel zwei: Conforti erfuhr es selbst spät
Ob es eine zweite Staffel von The Testaments geben wird, war lange unklar, auch für die Darstellerinnen selbst. Conforti gibt offen zu: 'Ich habe es buchstäblich vor wenigen Tagen erfahren. Es gab Gerüchte. Ich fragte, ob es eine zweite Staffel geben würde. Die Antwort war: Vielleicht, wir wissen es noch nicht. Und dann haben sie es uns vor wenigen Tagen endlich gesagt.'
Details zur Verlängerung oder zur Zukunft der Serie nennt Conforti nicht, doch ihre Erleichterung ist spürbar. Dass die Serie ein Publikum gefunden hat, überrascht sie nicht: 'Ich glaube, wir alle wussten, dass diese Serie so kraftvoll ist, während wir sie gedreht haben.'
Mika Abdalla, Lucy Halliday und Tracy Morgan gehören ebenfalls zum Ensemble, das die Welt von Gilead zum Leben erweckt. Gemeinsam mit Tom Hardy und den weiteren Besetzungsmitgliedern hat das Team eine Produktion geschaffen, die Conforti zufolge von Anfang an das Potenzial hatte, etwas Besonderes zu sein.
Hoffnung für Becca: Frieden am Ende?
Trotz allem Chaos und aller Gewalt, die Beccas Weg säumen, hegt Conforti einen klaren Wunsch für ihre Figur. 'Ich möchte einfach, dass Becca irgendwann Frieden findet.' Dieser Wunsch klingt simpel, ist in der Welt von Gilead jedoch alles andere als selbstverständlich.
Conforti betont zudem, welche Kraft in der Figur Becca steckt, auch wenn diese Kraft gerade zerstörerisch wirkt. 'Es gibt nichts auf der Welt, das so mächtig ist wie ein 14-jähriges Mädchen', sagt sie mit einer Überzeugung, die sowohl Bewunderung als auch Warnung in sich trägt.
Das Staffelfinale von The Testaments ist ab dem 27. Mai 2026 bei Disney+ verfügbar. Fans dürfen gespannt sein, ob Becca ihren Frieden findet, oder ob Gilead sie endgültig verschlingt.
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Artikel geschrieben von:

Sarah Becker analysiert Streaming-Highlights aus den Bereichen Krimi, Drama und Mystery mit geschultem Blick für Erzählstrukturen.
Alle Artikel von SarahSarah hat einen weiteren Artikel zur selben Serie verfasst.