Warum Euphoria Laurie keinen gewöhnlichen Abgang gönnte

Lauries Tod verändert, wie Fans die dunkelste Figur von Euphoria erinnern. Martha Kelly enthüllt nun, wie der Sprung vom Dach wirklich entstand und warum eine Stuntfrau die gefährlichsten Momente übernahm. Für Zuschauerinnen und Zuschauer erklärt das Finale einen der schockierendsten Abgänge der Seriengeschichte.
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Lauries Tod: Sprung statt Verhaftung
Als DEA-Beamte Lauries Wüsten-Farmhaus umstellen, wählt die Drogenbossin einen radikalen Ausweg. Sie klettert auf das Dach, springt und erhängt sich, bevor die Behörden sie greifen können. Dieser Moment schließt eine der dunkelsten Figuren der Serie auf eine Weise ab, die selbst hartgesottene Zuschauerinnen und Zuschauer überrascht dürfte.
Martha Kelly beschreibt ihre erste Reaktion auf das Drehbuch als echten Schock: 'Ich war anfangs wirklich verstört davon. Ich dachte, es wäre vielleicht interessanter, wenn sie in einem Schusswechsel endet.' Trotzdem überzeugte sie das Finale letztlich, auch weil die Dreharbeiten selbst unerwartet viel Spaß machten.
Stuntfrau Lisa Dempsey übernahm die gefährlichen Laufsequenzen auf dem Dach sowie den eigentlichen Sprung, da Kelly nach eigenen Angaben unter Höhenangst leidet. Kelly selbst bestieg lediglich die Dachkante für Nahaufnahmen und hing anschließend am Seil, was sie als überraschend befreiend beschreibt.
Narzissmus als Todesursache
Für Martha Kelly liegt die Erklärung für Lauries Entscheidung tief in der Psyche der Figur: 'Sie ist eine Soziopathin und Narzisstin, die den Gedanken nicht erträgt, von anderen kontrolliert zu werden, machtlos und hilflos im Gefängnis zu sitzen.' Hinzu kommt, dass in Staffel 2 deutlich angedeutet wird, dass Laurie in Kinderhandel verwickelt war, was ihre Chancen im Gefängnisalltag drastisch verschlechtert hätte.
Laurie wusste zudem nicht, dass die Drogen nicht mehr im Krankenwagen waren, auf den sie gesetzt hatte. Diese Fehleinschätzung besiegelte ihr Schicksal, weil sie glaubte, keinerlei Verhandlungsspielraum mehr zu haben.
Kelly betont, dass Laurie die Hauptverantwortung für ihr Ende selbst trägt. Indem sie Rue, gespielt von Zendaya, als Drogenkurierin einsetzte und sie anschließend erbittert verfolgte, zog sie die DEA überhaupt erst in ihr Leben. Ohne diese Jagd wäre der Zugriff der Behörden womöglich nie erfolgt.
Rue, Alamo und die Schuldfrage
Auf die Frage, wen Laurie für ihr Ende verantwortlich macht, antwortet Kelly ehrlich: Die Figur würde vermutlich Rue die Schuld geben, obwohl die Realität eine andere ist. Der eigentliche Auslöser war Lauries Entscheidung, sich mit Alamo anzulegen, einem Mann, dessen Gefährlichkeit ihr bekannt war. Paladins Tod und schließlich ihr eigener sind direkte Folgen dieses Machtkampfes.
Was Alamos Schicksal betrifft, zeigt sich Kelly gespalten. Ali, der Alamo tötet, sorgt für eine Art poetische Gerechtigkeit, doch Kelly stellt klar, dass Gerechtigkeit allein keine Wunden heilt. 'Es ist befriedigend, dass Ali Gerechtigkeit an Alamo vollzieht, aber das macht es nicht richtig und löst nicht alles auf.'
Dass Faye, gespielt von Chloe Cherry, und Wayne, gespielt von Toby Wallace, am Ende entkommen, wertet Kelly als bewusste Entscheidung der Serie: Manchmal kommen die Bösen davon. Auf persönlicher Ebene freut sie sich jedoch, weil sie beiden Darstellerinnen und Darstellern eng verbunden ist.
Rues Tod trifft Kelly persönlich
Rues Tod bewegt Martha Kelly auf zwei Ebenen. Als Figur ist Rues Ende konsequent für eine Serie, die immer wieder zeigt, dass das Leben keine Gerechtigkeit verteilt. Als Mensch schmerzt es Kelly, weil Zendaya als Person und Rue als Charakter in ihrer Wahrnehmung eng miteinander verschmelzen.
'Alle sind traurig über Rues Tod, und ein Teil von mir ist es auch, weil der Charakter und Zendaya als Mensch sich irgendwie überlappen', sagt Kelly. Diese persönliche Bindung an die Besetzung zieht sich durch ihre gesamte Rückschau auf die Serie.
Kelly betont, dass Euphoria konsequent an seiner düsteren Weltsicht festhält: Leben ohne Netz, Konsequenzen ohne Ausweg. Lauries Ende fügt sich in dieses Bild, auch wenn es auf den ersten Blick wie eine Ausnahme wirkt.
Lehrerin, Süchtige, Drogenbossin
Laurie war vor ihrer kriminellen Karriere Lehrerin mit einem vergleichsweise geregelten Leben. Kelly glaubt nicht, dass die frühere Version der Figur ihr Ende je für möglich gehalten hätte. 'Ich glaube, die meisten Süchtigen denken nicht, dass sie Konsequenzen erleiden werden. Jeder fängt damit an zu glauben, es im Griff zu haben.'
Gleichzeitig ist Kelly überzeugt, dass Lauries Soziopathie keine Folge der Sucht war, sondern schon vorher existierte. Auch als Lehrerin fehlte ihr vermutlich die Empathie für ihre Schülerinnen und Schüler, auch als Mutter und Ehefrau war sie emotional kaum erreichbar.
Hätte Laurie die Zukunft vorhergesehen, hätte sie die Schuld trotzdem bei anderen gesucht. Diese Unfähigkeit zur Selbstreflexion ist nach Kellys Lesart das eigentliche Fundament der Figur, und genau das macht Lauries Ende so folgerichtig.
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Artikel geschrieben von:

Sarah Becker analysiert Streaming-Highlights aus den Bereichen Krimi, Drama und Mystery mit geschultem Blick für Erzählstrukturen.
Alle Artikel von SarahSarah hat einen weiteren Artikel zur selben Serie verfasst.