51 Emmy-Nominierungen: Was The Smothers Brothers Comedy Hour Ernest Chambers verdankt

·02.06.2026, 19:02 Uhr·3 Min
51 Emmy-Nominierungen: Was The Smothers Brothers Comedy Hour Ernest Chambers verdankt
Bild: CBS · TMDB

Er kämpfte gegen Zensoren, damit Gegenkultur ins Abendprogramm kam. Chambers und sein Partner Saul Ilson verbrachten zwei Staffeln damit, CBS-Redakteure zu überzeugen, die Witze der Smothers Brothers durchzulassen. Ohne diesen Kampf wäre The Smothers Brothers Comedy Hour eine harmlose Varietéshow geblieben.

Artikel-Inhalt

Tod eines TV-Pioniers in Los Angeles

Ernest Chambers starb am vergangenen Donnerstag in seinem Haus in Los Angeles. Er wurde 97 Jahre alt. Eine Familiensprecherin bestätigte den Tod nach kurzer Krankheit.

Chambers gehörte zu den prägenden Köpfen des amerikanischen Unterhaltungsfernsehens. In einer Karriere von rund fünf Jahrzehnten produzierte, schrieb oder verantwortete er als ausführender Produzent mehr als 1.000 Stunden Fernsehprogramm. Seine Produktionen wurden insgesamt 51 Mal für den Emmy nominiert, Chambers selbst erhielt elf persönliche Nominierungen.

Er hinterließt seine Frau Veronica, mit der er 55 Jahre verheiratet war, sowie seine Töchter Alison und Kathryn, seinen Sohn Christopher und fünf Enkelkinder. Ein weiterer Sohn, Brian Chambers, der als Filmeditor für Serien wie NYPD Blue und Judging Amy arbeitete, starb bereits 2011 im Alter von 56 Jahren.

Kampf gegen Zensoren bei CBS

Die Smothers Brothers Comedy Hour gilt bis heute als eines der mutigsten Formate der amerikanischen Fernsehgeschichte. Ab 1967 formten Chambers und sein langjähriger Partner Saul Ilson die Sendung als Showrunner für CBS. Zwei Staffeln lang, bis April 1968, sorgten sie dafür, dass die Gegenkultur-Komik von Dick und Tom Smothers trotz massiver Widerstände der Netzwerkkontrolleure auf Sendung ging.

Die Auseinandersetzungen mit den Zensoren waren keine Ausnahme, sondern Alltag. Themen wie der Vietnamkrieg, Drogenpolitik und Rassismus wurden in der Show offen verhandelt, was für das amerikanische Fernsehen der späten 1960er-Jahre ungewöhnlich war. Chambers und Ilson hielten an diesem Kurs fest.

Chambers beschrieb die Bedeutung des Formats 2017 in einem Rückblick für The Hollywood Reporter so: 'Wir waren Teil von etwas Bahnbrechendem. Es hat bewiesen, dass man politische Satire machen kann, was zu großartigen Sendungen wie The Simpsons und South Park geführt hat.'

Von Philadelphia nach Hollywood

Chambers wurde am 28. Dezember 1928 in Philadelphia geboren. Nach dem Militärdienst in der US-Armee studierte er an der Columbia University, wo er Chefredakteur des Humourmagazins The Jester wurde. In New York arbeitete er tagsüber als Werbetexter und schrieb abends Sketche und Songs für die lebhafte Kabarettszene der Stadt.

1961 schaffte er den Sprung am Broadway: Er schrieb für die Carol-Channing-Revue Show Girl. Danach zog er nach Hollywood und verfasste Drehbücher für Serien wie The Bob Newhart Show, My Three Sons und The Dick Van Dyke Show.

Die Zusammenarbeit mit Saul Ilson begann 1963 bei der ersten Staffel der Danny Kaye Show. Dieses Duo prägte in den folgenden Jahren das amerikanische Varietéfernsehen nachhaltig.

Sinatra, Seacrest und Merv Griffin

Gemeinsam mit Ilson produzierte Chambers TV-Specials und Serien mit Stars wie Frank Sinatra, Leslie Uggams, Doris Day, Bobby Darin, Carol Channing und Tony Orlando. Auch die Summer Brothers Smothers Show von 1968 gehörte zu ihren gemeinsamen Projekten.

Auf eigene Rechnung verantwortete Chambers Produktionen für Neil Sedaka, Donna Summer, Barry Manilow, The Captain und Tennille sowie Barbara Mandrell. Er produzierte außerdem Merv Griffins langjährige Talkshow und die Tanzshow Dance Fever. Als Vizepräsident für Fernsehen und Film bei Merv Griffin Entertainment war er tief in den Unterhaltungsapparat der Ära eingebunden.

1997 fungierte er als ausführender Produzent der Spielshow Click für Griffin Entertainment. Diese Produktion gab Ryan Seacrest einen seiner ersten Moderationsjobs.

Dennis the Menace und sein Vermächtnis

Chambers schrieb auch das Bühnenmusical zu Dennis the Menace und verantwortete als ausführender Produzent die Kinoadaption von 1993, in der Walter Matthau und Mason Gamble die Hauptrollen übernahmen. Das Projekt zeigte seine Vielseitigkeit jenseits des reinen Fernsehgeschäfts.

Sein Vermächtnis reicht weit über einzelne Produktionen hinaus. Die Smothers Brothers Comedy Hour öffnete eine Tür für politische Satire im Fernsehen, die bis heute nicht wieder geschlossen wurde. Chambers selbst sah in Formaten wie The Simpsons und South Park direkte Nachfolger dieser Tradition.

Eine Gedenkfeier für Ernest Chambers findet in den kommenden Wochen in Beverly Hills statt. Interessierte können sich per E-Mail an ECMemorial2026@gmail.com wenden. Eine Ausstrahlung seiner Werke für das deutschsprachige Publikum steht derzeit ohne bekanntes Datum aus.

Quelle: CBSZuletzt aktualisiert: 02.06.2026, 19:02 Uhr

Artikel geschrieben von:

Marie Weber
Autor
Marie Weber
Action- & Adventure-SerienDrama-SerienMystery

Marie Weber berichtet über Action-, Drama- und Mystery-Serien mit besonderem Fokus auf Spannungsdramaturgie und Figurenzeichnung.

Alle Artikel von Marie

Mehr aktuelle Serien-News

Bleib auf dem Laufenden — alle frischen Meldungen, Trailer und Staffel-Starts auf einen Blick.