Großes Finale, aber umstritten: Euphoria verabschiedet sich mit Fragen

Sieben Jahre Euphoria enden mit dem Tod der Figur, die alles bedeutete. Zendayas Rue stirbt durch Fentanyl, Ali rächt sie mit Gewalt, Jules bleibt allein zurück. Was Fans jetzt erwartet, ist kein Abschluss, sondern ein offenes Loch.
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Das Ende einer Generation
Euphoria startete 2019 als amerikanische Adaption eines israelischen Dramas über Teenager und schockierte von Beginn an. TVLine-Kritiker Dave Nemetz schrieb vor dem Serienstart: 'Kühn provokativ und schockierend explizit bietet die neue Drama-Serie ein ungeschöntes Porträt des heutigen Jugendlebens.' Niemand wusste damals, was auf das Publikum zukam.
Drei Staffeln und rund sieben Jahre später ist die Serie abgeschlossen. Im Finale stirbt Rue (Zendaya) durch eine versehentliche Überdosis Fentanyl. Ihr Sponsor Ali, gespielt von Colman Domingo, rächt ihren Tod mit Gewalt. Cassie (Sydney Sweeney) und Maddy (Alexa Demie) planen eine gemeinsame Zukunft, Jules (Hunter Schafer) malt und trauert. Der Abschluss war groß angelegt, aber nicht unumstritten.
Zendaya gewann während ihrer Zeit bei Euphoria zweimal den Emmy als herausragende Hauptdarstellerin in einer Dramaserie. Diese Auszeichnung steht sinnbildlich für das, was die Serie auf ihrem Höhepunkt leistete: schonungslose Ehrlichkeit über Sucht, Schmerz und das Überleben.
Sonderfolge 1 überstrahlt alles
Die erste Sonderfolge zwischen Staffel 1 und Staffel 2 gilt als das Beste, was Euphoria je produziert hat. 'Trouble Don't Last Always' zeigt Rue und Ali an Heiligabend in einem Diner. Kein Ablenkungsmanöver, kein Spektakel. Nur zwei Menschen in einer Nische, die über Hoffnungslosigkeit, Schuld und Überleben sprechen.
Zendaya und Colman Domingo liefern in dieser Folge ihre stärksten Leistungen der gesamten Serie. Rue gesteht, dass sie nicht plant, noch lange zu leben. Das Drehbuch verweigert dem Publikum konsequent jeden Hoffnungsschimmer, auch am Ende. Diese Entscheidung macht die Folge im Rückblick noch schwerer, weil Rues Geschichte schließlich genau so endet, wie sie selbst es befürchtete.
Die Sonderfolgen entstanden teilweise wegen der pandemiebedingten Verzögerungen zwischen den Staffeln. HBO veröffentlichte beide Episoden als eigenständige Produktionen. Dass die erste davon zum künstlerischen Gipfelpunkt der gesamten Serie wurde, war eine glückliche Fügung.
Staffel 1 als starkes Fundament
Staffel 1 legte 2019 das Fundament, das die Serie so unverwechselbar machte. Die Freundschaft zwischen Rue und Jules (Hunter Schafer) entwickelte sich inmitten von Drogenexzessen, sexueller Gewalt und sozialem Druck zu einer zarten, fast zerbrechlichen Romanze. Dieser Kontrast zwischen Zärtlichkeit und Chaos trug die erste Staffel.
Optisch und akustisch hob sich Euphoria von allem ab, was das Serienformat damals bot. Die Kombination aus neongetränkter Bildsprache, einem außergewöhnlichen Soundtrack und Zendayas Verkörperung einer suchtkranken Teenagerin erzeugte eine Sogwirkung, der man sich kaum entziehen konnte.
Staffel 1 belegt in der Gesamtbewertung den zweiten Platz, knapp hinter der ersten Sonderfolge. Die Stärke lag in der Konzentration auf Rue und Jules sowie dem Mut, ihre Geschichte nicht zu romantisieren.
Staffel 2 zwischen Stärke und Schwäche
Staffel 2 polarisierte. Auf der Habenseite standen die Vertiefung von Fezcos Charakter, eine bewegende Rückblende auf Cals Vergangenheit und Zendayas körperlich wie emotional aufreibende Darstellung von Rues Heroinentzug. Die Folge, in der Rue flieht statt in die Reha zu gehen, zählt zu den intensivsten der gesamten Serie.
Auf der Schwachseite stand Elliot, gespielt von Dominic Fike, dessen Rolle das Dreieck zwischen Rue und Jules mehr belastete als bereicherte. Noch weniger Eindruck hinterließ Samantha, verkörpert von Minka Kelly, deren Handlungsstrang kaum im Gedächtnis bleibt. Die Staffel endete jedoch mit Lexis Schultheaterstück, das die Grenzen zwischen Kunst und Leben spielerisch aufhob. Maddys Reaktion, 'Moment, handelt dieses Stück von UNS?', wurde zu einem der meistzitierten Momente der Serie.
Im Ranking landet Staffel 2 auf Platz drei, hinter der ersten Sonderfolge und Staffel 1. Trotz aller Schwächen blieb sie unterhaltsam und emotional treffsicher genug, um zu überzeugen.
Staffel 3 enttäuscht trotz Highlights
Auf Staffel 3 wartete das Publikum vier Jahre. Die Erwartungen waren entsprechend hoch. Die Zeitsprung-Staffel sollte zeigen, wie aus den kaputten Teenagern junge Erwachsene werden. Stattdessen lieferte sie ein unausgewogenes Porträt von Schuld, Drogenhandel, Sexarbeit als soziales Phänomen und religiösen Motiven.
Einzelne Momente ragten heraus: Rues Anruf in einer Kirche, Alis Rede bei den Anonymen Narkomanen. Doch diese Szenen kämpften gegen überflüssige Sequenzen, darunter Cassies OnlyFans-Fotoshootings und eine Szene, in der Nate (Jacob Elordi) Blumen zertritt. Jules spielte in der gesamten Staffel kaum eine Rolle, obwohl ihre Figur mehr Raum verdient hätte.
Das größte strukturelle Problem: Rue, die eigentliche Hauptfigur, wurde zur Randfigur im Kriminalplot rund um Alamo (Adewale Akinnuoye-Agbaje) und Laurie degradiert. Ihr Tod am Ende diente dann als Auslöser für Alis Rache. Staffel 3 landet damit auf dem letzten Platz des Rankings.
Sonderfolge 2 verdient mehr Aufmerksamkeit
Die zweite Sonderfolge, 'F**k Anyone Who's Not a Sea Blob', konzentrierte sich auf Jules. Hunter Schafer co-schrieb das Drehbuch gemeinsam mit Serienschöpfer Sam Levinson und war auch als Co-Produzentin beteiligt. Diese Folge bettete Jules' Geschichte in eine Therapiesitzung ein und öffnete damit Räume, die die regulären Staffeln nie betraten.
Schafers zurückhaltendes, präzises Spiel trug die Folge. Besonders die Kindheitserinnerungen der Figur gaben Jules eine Tiefe, die die Serie über die Jahre zu selten ausgeschöpft hatte. Die Folge belegt Platz vier im Ranking, hinter Sonderfolge 1, Staffel 1 und Staffel 2.
Rückblickend verstärkt 'F**k Anyone Who's Not a Sea Blob' das Bedauern darüber, dass Euphoria Jules nie so konsequent ins Zentrum rückte wie Rue. Die Sonderfolge zeigt, was möglich gewesen wäre.
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Artikel geschrieben von:

Lena Bergmann ist Serienredakteurin mit Schwerpunkt auf Sci-Fi- und Fantasy-Formate wie The Witcher und Wednesday.
Alle Artikel von LenaLena hat 3 weitere Artikel zur selben Serie verfasst.