Jude Law, Jason Bateman, keine Helden: Black Rabbit setzt auf etwas Ungewöhnliches

Figuren, die niemand mag: Das ist das Herzstück von Black Rabbit. Im Network-TV gilt das als Tabu, doch die Netflix-Serie bricht diese Regel bewusst. Bateman, der auch Regie führte, sagt genau das war der Grund, warum er zusagte.
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Black Rabbit: Brüder in der Abwärtsspirale
Black Rabbit erzählt von zwei in Brooklyn aufgewachsenen Brüdern, gespielt von Jason Bateman und Jude Law, die sich nach langer Entfremdung wiederfinden und gemeinsam ins Geschäft einsteigen. Was als Neuanfang wirkt, mündet rasch in destruktive Muster: Alte Verletzungen brechen auf, moralische Grenzen verschwimmen, und keiner der beiden Figuren bleibt integer.
Die Serie ist auf Netflix abrufbar, auch über Netflix Standard mit Werbung. Seit ihrem Start hat sie Nominierungen bei den Golden Globes, den Producers Guild Awards, den Writers Guild Awards und den Screen Actors Guild Awards eingesammelt.
Bateman übernahm bei den ersten beiden Episoden auch die Regie. Was ihn an dem Projekt reizte, war laut eigener Aussage vor allem der Mut der Autoren, Figuren ohne Sympathiepotenzial zu entwerfen.
Keine Helden: Absicht hinter den Figuren
Bateman äußerte sich in einem Gespräch mit Variety-Redakteur Michael Schneider im Rahmen der FYSEE-Retrospektive offen über seinen Antrieb. 'Das ist eigentlich ein Tabu im Fernsehen', sagte er über die Entscheidung, keine Figur zu schreiben, für die das Publikum wirklich mitfiebert. 'Es ist schwer auszuhalten, dass es in dieser Serie niemanden gibt, dem man die Daumen drücken kann, weil alle so kaputt, so fehlerhaft und so ethisch flexibel sind.'
Genau diese Kompromisslosigkeit war für ihn der Hauptgrund, das Projekt anzunehmen. Im klassischen Fernsehen, so Bateman, wäre eine solche Figurenanlage kaum durchsetzbar gewesen. Das Streaming-Format gibt Autoren und Regisseuren mehr Spielraum für unbequeme Charakterzeichnungen.
Für das Publikum bedeutet das: Black Rabbit verweigert den einfachen Ausweg des identifikationsstiftenden Helden. Die Spannung entsteht aus dem Unbehagen, nicht aus Sympathie.
Laura Linney überzeugt: Regie für Episoden 3 und 4
Bateman holte für die Episoden 3 und 4 seine frühere Ozark-Kollegin Laura Linney als Regisseurin an Bord. Linney gewann für ihre Rolle in Ozark einen Emmy, stand hinter der Kamera jedoch seltener. Bateman beschrieb, wie er gemeinsam mit ihrem Manager eine Strategie entwickelte, um sie zu überzeugen.
'Wie reden wir mit Laura und bringen sie dazu, diese Verantwortung zu übernehmen?', schilderte Bateman den Denkprozess. Regie sei eine ganz andere Gehirnhälfte, man arbeite von früh bis spät ohne freie Tage. Ein Nein wäre für Linney die einfachste Antwort gewesen. Umso mehr betonte Bateman seine Freude und seinen Stolz darüber, dass sie zusagte.
Die Entscheidung, Linney als Regisseurin einzusetzen, unterstreicht den kollaborativen Ansatz hinter Black Rabbit: Bateman vertraut auf enge Weggefährten, um den Ton der Serie zu wahren.
Wie Netflix Arrested Development rettete
Bevor Black Rabbit und Ozark Batemans Namen mit Netflix verbanden, war die Beziehung zum Streamingdienst alles andere als selbstverständlich. Als Arrested Development-Schöpfer Mitchell Hurwitz nach der Absetzung durch Fox von Netflix-Interesse berichtete, reagierte Bateman skeptisch: 'Reden wir von dem Unternehmen mit den roten Umschlägen und den DVDs?'
Den Ausschlag gab eine Nachricht aus der Branche: David Fincher hatte für House of Cards einen Vertrag über zwei Staffeln und rund 92 Millionen Euro unterzeichnet. Batemans Reaktion war eindeutig: 'David Fincher sagt ja zu Netflix? Das war gut genug für mich und den Rest der Branche. Und los ging's.'
Dieser Moment markierte nicht nur die Rückkehr von Arrested Development, sondern stand sinnbildlich für den Wandel der gesamten Serienlandschaft. Netflix verwandelte sich innerhalb weniger Jahre von einem DVD-Versand zum bevorzugten Ziel für hochkarätige Produktionen.
Karriere: Von Little House bis Black Rabbit
Bateman blickt auf eine Karriere zurück, die früh begann: Sein erster Fernsehauftritt war in Little House on the Prairie, es folgte die kurzlebige Serie It's Your Move. Der Durchbruch kam mit Arrested Development, das trotz früher Absetzung zum Kultphänomen wurde.
Mit Ozark etablierte er sich als ernstzunehmende Kraft hinter und vor der Kamera. Black Rabbit ist nun das nächste Kapitel, in dem Bateman erneut beide Rollen vereint und dabei bewusst unbequemes Terrain betritt.
Das FYSEE-Gespräch mit Michael Schneider bot Bateman die Gelegenheit, diese Stationen zusammenzufassen und zu zeigen, wie konsequent sich sein Weg von familienfreundlichem Frühwerk zu moralisch ambivalentem Prestige-Fernsehen entwickelt hat.
Artikel geschrieben von:

Laura Klein ist spezialisiert auf Sci-Fi, Fantasy und Mystery-Serien mit geschultem Blick für Erzähltempo und Figurenentwicklung.
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