The Pitt gewinnt, doch was dahinter steckt, schockt

Ein Peabody Award für The Pitt verändert, wie das Genre bewertet wird. HBO gewann sechs Preise beim 86. Peabody Award, mehr als jeder andere Sender. Dahinter steckt eine Jury-Entscheidung, die kulturellen Wandel über Quoten stellt.
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HBO dominiert die Gewinnerliste
Sechs Peabody Awards gehen in diesem Jahr an HBO, mehr als an jeden anderen Sender oder Streaming-Dienst. Drei davon entfallen auf den Dokumentarbereich: The Alabama Solution, Pee-wee as Himself und Thoughts and Prayers. Die anderen drei Auszeichnungen gehen an die Serien Heated Rivalry, The Pitt und The Rehearsal.
Apple TV, Disney+, Hulu, Netflix und PBS teilen sich mit jeweils zwei Auszeichnungen den zweiten Platz. Insgesamt zeigten Unterhaltungs- und Dokumentartitel eine besonders starke Präsenz: Elf Siege entfielen auf den Unterhaltungsbereich, zehn auf den Dokumentarbereich.
Jeffrey P. Jones, der Vorsitzende der Peabody-Jury, betonte, dass die diesjährigen Gewinner Geschichten erzählen, die von den zerstörerischen Methoden der US-Einwanderungsbehörde ICE über den persönlichen Umgang mit unheilbarer Krankheit bis hin zum Widerstand gegen Einschränkungen der freien Meinungsäußerung reichen.
The Pitt und The Rehearsal ausgezeichnet
The Pitt, die Krankenhaus-Serie bei HBO, gehört zu den herausragenden Preisträgern des Jahres. Die Produktion überzeugte die 28 Juroren durch ihre eindringliche Darstellung des Medizinalltags und wurde einstimmig ausgewählt, wie es dem Abstimmungsverfahren aller Peabody-Gewinner entspricht.
The Rehearsal in der zweiten Staffel zeigt Nathan Fielders innovativen Erzählansatz: Seine Methode, Lebenssituationen zu proben, hatte realen Einfluss auf die Luftfahrtbranche. Diskussionen über Kommunikation, Ausbildung und psychisches Wohlbefinden in der Luftfahrt wurden durch die Staffel angestoßen.
Der kreative Ansatz der zweiten Staffel trug sogar zu konkreten gesetzlichen Veränderungen bei, darunter der Mental Health in Aviation Act, ein Gesetz zur psychischen Gesundheit in der Luftfahrt. Kritiker und Jury würdigten gleichermaßen, wie selten Fiktion und gesellschaftliche Wirkung so unmittelbar zusammenfallen.
Ehrenpreise für Poehler, Harjo und Brooks
Amy Poehler erhält den Peabody Career Achievement Award und wird damit für ihr Lebenswerk geehrt. Die Schauspielerin und Produzentin hat sich über Jahrzehnte als eine der prägendsten Stimmen der amerikanischen Unterhaltungsbranche etabliert.
Sterlin Harjo wird mit dem Peabody Trailblazer Award ausgezeichnet, der Persönlichkeiten würdigt, die neue Wege im Storytelling beschreiten. James L. Brooks erhält als erster Preisträger überhaupt den neu geschaffenen Industry Icon Award, der seine jahrzehntelange Prägung der Fernsehlandschaft anerkennt.
PBS Kids wird mit dem Industry Award geehrt. Die Auszeichnungen für Julianne Moore, Gerran Howell, Brendan Patrick Hughes, Andrea Gibson, Megan Falley und Pavel 'Pasha' Talankin unterstreichen die Breite des diesjährigen Gewinnerfeldes, das Talente aus den unterschiedlichsten Bereichen vereint.
Journalismus und Podcasts stark vertreten
Auch investigativer Journalismus wurde in diesem Jahr gewürdigt. Eine Untersuchung des Senders KMBC 9 deckte auf, dass mindestens 102 Menschen in 29 US-Bundesstaaten durch den Missbrauch von Fesselstühlen durch Strafverfolgungsbehörden ums Leben kamen oder verletzt wurden. In der Folge aktualisierten mehr als 50 Sheriffbehörden in Missouri und Kansas ihre Richtlinien zum Einsatz von Fesselstühlen.
Im Podcast-Bereich überzeugte Scam Inc, eine achtteilige Erzählpodcast-Serie des Economist. Die Produktion beleuchtet die organisierte Welt des Online-Betrugs, der Schätzungen zufolge rund 460 Milliarden Euro jährlich generiert und damit den illegalen Drogenhandel in seiner Größenordnung übersteigt.
Insgesamt wurden die Gewinner aus mehr als 1.000 Einreichungen ausgewählt, die Fernsehen, Podcasts, Radio und Webinhalte in den Kategorien Unterhaltung, Nachrichten, Dokumentation, Kunst, Kinder- und Jugendprogramme, öffentlicher Dienst sowie interaktive Medien umfassten.
Freie Meinungsäußerung als Thema
Die diesjährigen Peabody Awards stehen auch im Zeichen des Kampfes für freie Meinungsäußerung. Eine der ausgezeichneten Produktionen sah sich beispiellosen Herausforderungen ausgesetzt, nachdem die zweite Amtszeit von Präsident Trump begann. Auf Betreiben der US-Medienbehörde FCC wurde die Ausstrahlung kurzzeitig ausgesetzt, was parteiübergreifenden Widerstand auslöste.
Die Reaktion auf diese Aussetzung zeigte, wie stark der Rückhalt für Redefreiheit im amerikanischen Rundfunk ist. Politiker beider großen Parteien stellten sich gegen den Eingriff, was die Peabody-Jury als Zeichen wertete, dass unabhängiges Storytelling weiterhin gesellschaftliche Relevanz besitzt.
Jeffrey P. Jones fasste die Bedeutung der diesjährigen Preisträger zusammen: Geschichten, die Kultur verändern können, verdienen Anerkennung, unabhängig davon, ob sie unbequeme Wahrheiten über Behörden aufdecken, persönliche Schicksale beleuchten oder Versuche abwehren, die freie Meinungsäußerung zu unterdrücken.
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Artikel geschrieben von:

Emma Mueller ist Serienredakteurin mit klarem Fokus auf spannungsgetriebene Formate wie Action, Drama und Mystery.
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