Netflix-Premiere im Smithsonian: Stranger Things übertrifft alle anderen Serien

Ein rosa Kleid verändert, was Seriengeschichte bedeutet. Elevens Outfit aus Stranger Things Staffel 1 wird dauerhaft im Smithsonian's National Museum of American History in Washington ausgestellt. Für Netflix-Serien ist das eine Zäsur: Keine andere Produktion des Streamers hat diesen kulturellen Status je erreicht.
Artikel-Inhalt
Historischer Moment für Netflix-Serien
Stranger Things ist die erste Netflix-Originalserie, die mit einem Exponat im Smithsonian vertreten ist. Das National Museum of American History in Washington nimmt das Kostüm in seine Sammlung auf, ein Zeichen dafür, welchen kulturellen Stellenwert die Serie erreicht hat.
Ryan Lintelman, Unterhaltungskurator des Smithsonian, gab die Schenkung bei einem Abendveranstaltung auf dem Hollywood Forever Cemetery bekannt. Showrunner Matt Duffer und Ross Duffer sowie Produzent Shawn Levy waren bei dem Ereignis anwesend.
Lintelman würdigte die Serie mit den Worten, sie habe eine überzeugende und vielschichtige Geschichte erzählt, deren Themen bis heute nachhallen: der zutiefst amerikanische Skeptizismus gegenüber Autoritäten und der Glaube, dass eine Gruppe entschlossener Menschen die Welt verändern kann.
Was das Kleid symbolisiert
Das rosa Kleid steht im Mittelpunkt von Elevens Entwicklung als Figur. Bis zu diesem Moment in der ersten Staffel trug die von Millie Bobby Brown gespielte Eleven ausschließlich Krankenhausmäntel und abgelegte Kleidung, was ihre fehlende Autonomie und Individualität widerspiegelte.
Als sie das Kleid und eine blonde Perücke anlegt und bemerkt, dass sie hübsch aussieht, markiert das einen entscheidenden Schritt auf ihrem Weg zur Selbstwahrnehmung und Stärke. Lintelman beschrieb das Kostüm als brillante Illustration von Elevens Reise zur Selbstentdeckung.
Das Kleid wurde von den Kostümbildnerinnen Kimberly Adams und Malgosia Turzanska entworfen und gilt heute als eines der bekanntesten Kostüme aus der Geschichte des Streaming-Fernsehens.
Halloween-Phänomen und Merchandising-Boom
Das Kostüm löste im Herbst 2016 einen regelrechten Trend aus und gehörte in jener Halloween-Saison zu den meistgesuchten Verkleidungen überhaupt. Stranger Things war damit die erste Netflix-Serie, die eine derartige Wirkung auf den Konsumgütermarkt entfaltete.
Halloween-Kostüme bildeten den Auftakt eines umfangreichen Lizenzgeschäfts, das die Serie zu einer der erfolgreichsten Marken in der Geschichte des Streamings machte. Es folgten Spielzeug, Brettspiele, Live-Erlebnisse, Kleidung und zahlreiche weitere Produkte.
Hauptdarstellerin Millie Bobby Brown, die Eleven über alle fünf Staffeln verkörperte, reagierte auf die Nachricht schlicht und herzlich: 'Das ist unglaublich, vielen Dank.'
Shawn Levys Verbindung zum Smithsonian
Für Produzent Shawn Levy hat die Schenkung eine besondere persönliche Dimension. Er führte 2009 Regie bei dem Kinofilm Nachts im Museum: Das geheimnisvolle Grabmal mit Ben Stiller in der Hauptrolle, der genau in jenem Museum spielt, das nun das Kleid aufnimmt.
Levy ist neben Matt Duffer und Ross Duffer einer der zentralen Köpfe hinter Stranger Things und hat die Serie von Anfang an als Produzent und zeitweise auch als Regisseur begleitet.
Dass seine Arbeit nun auf zwei verschiedene Arten mit dem Smithsonian verbunden ist, dürfte für Levy einen besonderen Reiz haben.
Serie hinterlässt bleibendes Kulturerbe
Stranger Things beendete seinen Lauf mit dem Finale der fünften Staffel an Silvester und verabschiedete sich damit nach Jahren als globales Phänomen. Neben Millie Bobby Brown gehörten David Harbour, Natalia Dyer, Noah Schnapp und Jamie Campbell Bower zum Ensemble der letzten Staffel.
Das Smithsonian begründete die Aufnahme unter anderem damit, dass die Serie Themen verhandelt, die zeitlos sind: die Kraft der Freundschaft, der Mut junger Menschen, die Wahrheit zu erkennen, und der Widerstand gegen staatliche Willkür und unethische Wissenschaft.
Mit dem Eintritt in die nationale Sammlung der Vereinigten Staaten wird Stranger Things endgültig als Teil des kulturellen Gedächtnisses bewahrt, weit über das Streaming-Erlebnis hinaus.
Mehr zu „Stranger Things"

Warum Stranger Things gerade die Emmy-Gespräche dominiert
Eine Doppelrolle entscheidet über die Emmy-Saison 2025. Jamie Campbell Bower spielt in der finalen Stranger-Things-Staffel auf Netflix sowohl Henry Creel als auch Vecna. Für das Ensemble bedeutet das: Nebenrollen stehen plötzlich im Zentrum der Award-Debatte.

David Harbour hasste den Titel von Stranger Things von Anfang an
Montauk gegen Stranger Things: Harbour war eindeutig auf der falschen Seite. Der Schauspieler liebte den Originaltitel des Projekts und nannte den heutigen Namen schlicht käsig. Produzent Matt Duffer droht nun damit, Harbours vernichtende E-Mail zu veröffentlichen.

Vor dem Kult: So beschwerlich begann die Entstehung von Stranger Things
Wie viele Zufälle stecken wirklich hinter Stranger Things? Die Duffer Brothers haben beim Podcast Happy Sad Confused erstmals offen über abgelehnte Rollen, umstrittene Episoden und einen historischen Reshoot gesprochen. Wie nah die Serie an einer völlig anderen Version war, zeigt sich erst jetzt.
Artikel geschrieben von:

Julia Fischer analysiert Serien mit besonderem Fokus auf erzählerische Details, Charakterentwicklung und Genre-Mix.
Alle Artikel von JuliaJulia hat 2 weitere Artikel zur selben Serie verfasst.