Vor dem Kult: So beschwerlich begann die Entstehung von Stranger Things

Wie viele Zufälle stecken wirklich hinter Stranger Things? Die Duffer Brothers haben beim Podcast Happy Sad Confused erstmals offen über abgelehnte Rollen, umstrittene Episoden und einen historischen Reshoot gesprochen. Wie nah die Serie an einer völlig anderen Version war, zeigt sich erst jetzt.
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Billy Crudup wäre fast Chief Hopper gewesen
Die Rolle des Chief Jim Hopper, die David Harbour zum Star machte, hätte ursprünglich Billy Crudup gespielt. Crudup war zum damaligen Zeitpunkt im Fernsehbereich wenig aktiv und entschied sich letztlich gegen das Projekt, obwohl er in der engeren Auswahl war. Auch Josh Brolin war offenbar im Gespräch, bevor die Suche in eine andere Richtung ging.
David Harbour überzeugte die Duffer Brothers schließlich mit einem einzigen Selbstaufnahme-Casting. In der Szene, in der Joyce (Winona Ryder) das Verschwinden ihres Sohnes Will meldet, weigerte sich Harbour, seinen Hut abzunehmen, und verließ den Raum sofort nach seinem Auftritt. Genau dieser eigenwillige Moment zeigte Matt und Ross Duffer, dass sie ihren Hopper gefunden hatten.
Dieses Casting-Erlebnis verdeutlicht, wie sehr Stranger Things von glücklichen Zufällen geprägt ist. Ohne Crудups Absage und Harbours unkonventionellen Auftritt sähe die Serie heute vermutlich völlig anders aus.
Kali-Folge war nie ein Spin-off-Pilot
Folge 207, die sogenannte Kali-Episode, gilt bis heute als eine der umstrittensten der gesamten Serie. Im Internet hält sich hartnäckig das Gerücht, die Folge sei als heimlicher Backdoor-Pilot für ein Spin-off konzipiert worden. Matt Duffer widersprach dieser Behauptung entschieden: 'Lasst mich einfach ein paar Lügen im Internet aus dem Weg räumen. Das war niemals als Spin-off geplant. Das ist Unsinn. Das stimmt nicht. Das ist widerlich. Wir würden so etwas nicht tun.'
Die Brüder räumten jedoch ein, dass das Pacing der Episode ein Fehler war, für den sie selbst die Verantwortung tragen. Zum damaligen Zeitpunkt waren sie zu sehr mit dem Schreiben und der Regie der beiden Staffelfinale-Folgen beschäftigt, um der Episode die nötige Aufmerksamkeit zu widmen.
Interessanterweise spornte die negative Reaktion des Publikums die Duffer Brothers an, in Staffel 3 noch größere kreative Risiken einzugehen, anstatt auf Nummer sicher zu gehen. Die Kritik wurde also zum Antrieb für mehr Mut.
Steves Beinahe-Tod erzwang Reshoots
Die Duffer Brothers sind bekannt dafür, ihre Drehs bis ins kleinste Detail zu planen. In der gesamten Geschichte von Stranger Things hatte es bis zur letzten Staffel keinen einzigen Reshoot gegeben. Das änderte sich mit einer Szene, in der Steve Harrington, gespielt von Joe Keery, beinahe von einem Turm stürzt.
Für den Reshoot baute das Produktionsteam ein winziges, knapp einen Meter hohes Miniatur-Modell des Turms nach. Joe Keery kehrte für einen halben Drehtag zurück, um seinen Sturz in Zeitlupe auf diesem improvisierten Set aufzunehmen.
Die Duffer Brothers gaben zu, dass sie die Szene bewusst als Täuschungsmanöver für das Publikum eingebaut hatten, nachdem sich im Internet eine Hysterie um Steves vermeintlichen Tod entwickelt hatte. 'Das war definitiv ein bisschen davon, das Publikum zu verarschen', sagten sie. Normalerweise tun sie das nicht, aber die Gelegenheit war zu verlockend.
David Harbour hasste den Serientitel
Stranger Things hieß über ein Jahr lang während der frühen Entwicklungsphase 'Montauk', nach dem ursprünglichen Schauplatz auf Long Island. Der Titelwechsel verlief nicht ohne Widerstand: David Harbour schickte den Duffer Brothers eine ausführliche E-Mail, in der er seinen Unmut über den neuen Namen deutlich machte.
Harbour ließ die Macher wissen, dass er den Titel Stranger Things für weniger passend hielt als Montauk. Die Duffer Brothers hielten dennoch an ihrer Entscheidung fest und behielten den Namen bei, der heute weltweit bekannt ist.
Die Anekdote zeigt, wie eng die Zusammenarbeit zwischen den Machern und dem Cast bei Stranger Things war und ist. Harbour engagierte sich offensichtlich weit über seine Schauspielerrolle hinaus für das Projekt.
Mutige Entscheidungen prägten die Serie
Die Enthüllungen aus dem Happy Sad Confused Podcast zeichnen das Bild einer Serie, die von Anfang an bereit war, ungewöhnliche Wege zu gehen. Ob das eigenwillige Casting von David Harbour, die polarisierende Kali-Episode oder der einmalige Reshoot für Joe Keery: Hinter jeder Entscheidung steckt eine Geschichte.
Für Fans, die Sadie Sink, Caleb McLaughlin und Gaten Matarazzo beim Aufwachsen auf dem Bildschirm begleitet haben, sind diese Hintergrundinformationen ein faszinierender Blick hinter die Kulissen. Sie verdeutlichen, wie viel Arbeit und wie viele Zufälle in jede Staffel geflossen sind.
Stranger Things ist bei Netflix sowie Netflix Standard mit Werbung verfügbar. Wann genau das Finale der letzten Staffel erscheint, bleibt mit Spannung erwartet.
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Artikel geschrieben von:

Marie Weber berichtet über Action-, Drama- und Mystery-Serien mit besonderem Fokus auf Spannungsdramaturgie und Figurenzeichnung.
Alle Artikel von MarieMarie hat 2 weitere Artikel zur selben Serie verfasst.