Jazz Tangcay fragt nach: Was Stranger Things-Profis täglich unverzichtbar finden

Hinter Stranger Things steckt mehr Handwerk als Hightech. Make-up-Chefin Eryn Kruger Mekash und Musiksupervisorin Jen Malone verraten, welche schlichten Alltagsgegenstände ihren Job erst möglich machen. Für Fans zeigt das: Der Zauber der Serie beginnt mit Pinsel, Bleistift und Papier.
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Pinsel und Notizbuch als Grundausstattung
Eryn Kruger Mekash, Chefin des Make-up-Departments bei Stranger Things, bringt das Handwerk auf eine schlichte Formel: 'Ich könnte meinen Job nicht machen ohne einen einfachen Pinsel, egal ob Airbrush oder Handheld-Variante.' Für sie ist das Werkzeug nicht Luxus, sondern absolute Grundvoraussetzung.
Jen Malone, Ko-Musiksupervisorin bei Wednesday, denkt ähnlich pragmatisch, hat aber sehr genaue Vorstellungen. Ihr Notizbuch muss exakt fünf mal sieben Zoll messen, Hardcover sein, eine Spiralbindung haben und ausschließlich mit einem bestimmten Druckbleistift beschrieben werden. 'Nichts anderes', sagt sie knapp. Was sie hineinschreibt, bleibe 'streng geheim'.
Ihre Kollegin Nicole Weisberg, ebenfalls Ko-Musiksupervisorin der Serie, hat dagegen eine ganz andere Priorität: Sprudelwasser, und zwar stündlich. Die beiden arbeiten gemeinsam an dem Soundtrack, der Wednesday auf Netflix begleitet.
ScriptSync revolutioniert den Schnitt bei Beef
Die Editorinnen Laura Zempel und Lauren Connolly setzten beim Schnitt der zweiten Staffel von Beef auf eine Software namens ScriptSync. Zempel erklärt: 'Das Wichtigste, das wir diese Staffel beim Schneiden von Beef verwendet haben, war ScriptSync.' Das Programm erfasst alle gesprochenen Zeilen, erlaubt Anmerkungen zu bevorzugten Takes und hilft dabei, Improvisation nachzuverfolgen.
Connolly ergänzt, die Software schaffe eine Art visuelle Landkarte des gesamten Drehmaterials. Gerade beim Ton von Beef, der stark im Detail liege, ermögliche das schnelles und präzises Arbeiten zugleich. Wer die Serie auf Netflix gesehen hat, weiß: Jede Nuance zählt.
Zusätzlich nutzen die beiden Szenen-Karten, die sie für jede einzelne Szene erstellen und an die Wand hängen. Connolly beschreibt den Nutzen so: 'Man sieht alle verschiedenen Charakterbögen auf einen Blick. Selbst bei kleinen Umstrukturierungen hilft es enorm, alle Folgen gleichzeitig als Ganzes zu überblicken.'
Bücher als Anker für Produktionsdesigner
Matthew Flood Ferguson, Produktionsdesigner bei Monster: The Ed Gein Story, schwört auf eine persönliche Bibliothek aus Film-, Fotografie- und Architekturbüchern. Er nimmt sie auf jeden Auftrag mit, selbst wenn der Inhalt nicht direkt zum Projekt passt. 'Man weiß nie', sagt er.
Besonders ein Band über 50 Jahre Filmgeschichte dient ihm als emotionaler Anker in Momenten des Zweifels. 'Manchmal frage ich mich: Was mache ich hier eigentlich? Und dann blättere ich durch die Bilder, und es ist tröstlich. Es erinnert mich daran, wie das gemacht wird.' Das klingt nach Selbstvergewisserung, ist aber offenbar professionelle Methode.
Ferguson zeigt damit, dass kreative Sicherheit nicht immer aus Erfahrung allein kommt, sondern auch aus dem bewussten Rückgriff auf visuelle Referenzen, die einem vertraut sind.
Maßband am Schlüsselbund: Tinney erklärt warum
Kellie Jo Tinney, Set-Dekorateurin bei Beef, trägt ein Mini-Maßband überall mit sich, befestigt an ihren Autoschlüsseln. 'Ich benutze es immer. Ich spiele gern mit Proportionen, und man weiß nie, wann man eine Lampe, die Tiefe eines Tisches oder die Höhe eines Regals messen muss. Das ist das eine Werkzeug, ohne das ich nicht arbeiten kann.'
Ob sie ihre Schlüssel je verloren hat? Noch nicht, sagt sie lachend, und fügt hinzu: 'Ich könnte nicht arbeiten, wenn ich meine Schlüssel verlöre.' Das kleine Maßband ist damit nicht nur Werkzeug, sondern auch Sicherheitsnetz.
Tinneys Ansatz illustriert, wie sehr Set-Dekoration auf spontanen Entscheidungen vor Ort basiert. Wer Skalen im Kopf hat, aber kein Maßband in der Hand, verliert Zeit auf dem Set.
Das Team als wichtigstes Werkzeug überhaupt
Barrie Gower, Leiter der Make-up-Effekte bei Stranger Things, nennt kein Gerät und keine Software als sein unverzichtbares Werkzeug. Stattdessen sagt er klar: 'Ich kann meinen Job nicht machen ohne eine enorme Menge an talentierten Menschen um mich herum. Ich bin jeden einzelnen Tag dankbar für ihre Hilfe.'
Tom Turnbull, Visual-Effects-Supervisor bei Wednesday, antwortet auf die Frage zunächst mit einem Scherz: 'Eine gute Nacht Schlaf.' Dann wird er ernst: 'Es ist wirklich meine Crew. Ohne sie hätte ich keinen Tag, an dem ich überhaupt anfangen könnte.' Beide Aussagen kommen von Männern, die technisch aufwendige Welten erschaffen, und beide verweisen auf dasselbe Fundament.
Jazz Tangcay, die das Gespräch für das Format 'For the Love of the Craft' von Variety in Zusammenarbeit mit Netflix führte, sammelte damit ein bemerkenswertes Bild: Hinter Blockbuster-Serien stehen Profis, deren Werkzeuge manchmal ein Pinsel sind, manchmal ein Notizbuch, und manchmal schlicht die Menschen neben ihnen.
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Artikel geschrieben von:

Lena Bergmann ist Serienredakteurin mit Schwerpunkt auf Sci-Fi- und Fantasy-Formate wie The Witcher und Wednesday.
Alle Artikel von LenaLena hat 3 weitere Artikel zur selben Serie verfasst.