Euphoria Staffel 3 verabschiedet sich mit dem umstrittensten Finale der Serie

·01.06.2026, 21:00 Uhr·4 Min
Euphoria Staffel 3 verabschiedet sich mit dem umstrittensten Finale der Serie
Bild: HBO · TMDB

Euphoria endet nach Staffel 3 endgültig bei HBO. Das Serienfinale 'In God We Trust' zeigt Rue (Zendaya) als Drogenkurierin und Stripclub-Managerin unter zwei Kriminellen. Cassie (Sydney Sweeney) und Nate (Jacob Elordi) erhalten keinen echten Abschluss.

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Ein Finale, das spaltet

Die dritte Staffel von Euphoria fühlte sich bereits wie mehrere Serien gleichzeitig an, die unter einem gemeinsamen Titel liefen. Das Finale 'In God We Trust' setzt diesen Kurs fort und wählt dabei einen einzigen Erzählfaden als Schwerpunkt: Rue Bennetts (Zendaya) verlorenen Kampf gegen die Drogensucht. Alle anderen Figuren geraten dabei zur Randnotiz.

Schöpfer Sam Levinson hatte in den ersten beiden Staffeln ein klares Gespür dafür, jugendliche Gefühlsintensität in starke Bilder zu übersetzen. Ob die Kamera sich Inception-artig um eine high werdende Rue drehte oder Sydney Sweeney als Cassie (Sydney Sweeney) ihren Gefühlen mit tränenüberströmtem Gesicht freien Lauf ließ: Die Serie wusste, wie sie ihr Publikum packt. In Staffel 3 fehlt dieses Zentrum vollständig.

Ohne den simplen Rahmen des Schulalltags verlor die Serie ihren Gravitationspunkt. Die Figuren verteilten sich in so unterschiedliche Milieus, dass ein kohärentes Erzählen kaum noch möglich schien. Das Finale versucht, diese Fäden zusammenzuführen, und scheitert daran auf mehreren Ebenen.

Rue stirbt, Ali rächt sich

Etwa in der Mitte des überladengen Finales stirbt Rue an einer Fentanyl-Überdosis. Der Tod selbst ist bewusst nüchtern inszeniert: Sie stirbt still auf dem Sofa ihres Sponsors Ali (Colman Domingo), der sie mit stoischer Fassung findet. Zuvor hatte der Stripclub-Betreiber Alamo Brown (Adewale Akinnuoye-Agbaje) sie mit vergifteten Percocet-Tabletten in die Falle gelockt, als Vergeltung dafür, dass sie mit den Behörden kooperiert hatte.

Was folgt, ist ein harter tonaler Bruch. Ali lässt die zwölf Schritte hinter sich und stürmt Alamos Club mit einer Schrotflinte, um 'den Unterschied zwischen Richtig und Falsch durchzusetzen', wie es im Dialog heißt. Die blutige Schießerei, die daraus entsteht, hat durchaus Unterhaltungswert, wirkt aber neben der schlichten Tragik von Rues Tod wie aus einer anderen Serie.

Zendaya und Domingo leisten starke, empathische Arbeit. Doch selbst ihre Darstellungskunst kann nicht kaschieren, dass das Finale zwei unvereinbare Absichten verfolgt: eine ernsthafte Warnung vor der Opioid-Krise und einen operettenhaften Rache-Thriller. Die Rechnung geht nicht auf.

Cassie, Jules, Lexi: Abgehängt

Während Rue und Ali den Großteil des Finales füllen, enden die Geschichten der übrigen Figuren mit kaum mehr als einem Schulterzucken. Cassie (Sydney Sweeney) hatte sich in Staffel 3 auf OnlyFans versucht, teils zur eigenen Bestätigung, teils um ihren Mann Nate (Jacob Elordi) (Jacob Elordi) aus erdrückenden Schulden zu befreien. Ihr nächster Lebensabschnitt wird im Finale nur angedeutet, Nates Schulden einfach aus der Erzählung gestrichen.

Jules (Hunter Schafer) (Hunter Schafer) verbrachte die gesamte Staffel nahezu isoliert in einem Apartment, gehalten von einem Sugar Daddy, abgeschnitten vom Rest des Ensembles. Das Finale ändert daran nichts Wesentliches. Lexi (Maude Apatow) (Maude Apatow) schleppte sich als Assistentin an einer Seifenoper durch die Staffel, ihre Figur bleibt ohne echten Abschluss. Maddy (Alexa Demie) (Alexa Demie) und Nate bekommen Auflösungen, die sich entweder hinziehen oder halbherzig wirken.

Breakout-Stars wie Sweeney, Elordi und Schafer verdienen einen würdigeren Abgang von einer Serie, die ihre Karrieren mitgeprägt hat. Das Finale liefert ihn nicht.

Religion und Politik als Fremdkörper

Staffel 3 führte einen neuen thematischen Strang ein, der im Finale kulminiert: ernsthafte Religiosität. Rue monologisiert in einer Kirche, sieht eine Art brennenden Busch und sucht bei ihrem Sponsor Ali Antworten auf Fragen von Schuld und Erlösung. In einer Serie, die bislang vor allem ironische Distanz zu gesellschaftlichen Reizthemen pflegte, wirkt dieser Schwenk fremd.

Das Schlussbild zeigt Ali, der bei einer texanischen Farmerfamilie Tischgebet hält und Rue lächelnd am Kopfende des Tisches sieht, während eine amerikanische Flagge über dem Feld weht. Ob das als Ironie gemeint ist oder als aufrichtiger Abschluss, bleibt unklar. Eine frühere Folge trug den Titel 'America My Dream', und die Serie hatte Cassie zuvor mit rechten Podcaster-Parolen karikiert. Das macht das patriotische Schlussbild noch rätselhafter.

Einst ein klarer Ausdruck jugendlicher Wut und Verlorenheit, verabschiedet sich Euphoria als Gemisch aus zu vielen Ideen, die sich gegenseitig auflösen. Die Serie tat viel und sagte am Ende wenig.

Was bleibt von Euphoria?

Staffel 3 funktioniert weniger als Fortsetzung denn als Epilog zu einer Serie, die ihren Zenit bereits hinter sich hatte. Die erste und zweite Staffel etablierten Euphoria als stilprägendes Werk, das Teenagerleben mit einer Intensität zeigte, die im Fernsehen selten war. Levinsons Inszenierungstalent war nie in Frage gestellt, auch wenn seine Drehbücher zunehmend polarisierten.

Was Staffel 3 und das Finale hinterlassen, ist vor allem Ernüchterung über verpasste Chancen. Rue Bennetts Tod hätte ein würdiger, erschütternder Abschluss sein können. Stattdessen wird er von einem Rache-Spektakel überschattet, das den Ernst der Opioid-Krise untergräbt, die die Serie eigentlich beleuchten wollte.

Euphoria bleibt eine Serie, die in ihrer Hochphase wirklich etwas zu sagen hatte. Das Finale ist kein angemessener Abschluss für Rue, für Ali, für Cassie oder für das Publikum, das drei Staffeln lang mitgefiebert hat.

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Quelle: HBOZuletzt aktualisiert: 01.06.2026, 21:00 Uhr

Artikel geschrieben von:

Emma Mueller
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Emma Mueller
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Emma Mueller ist Serienredakteurin mit klarem Fokus auf spannungsgetriebene Formate wie Action, Drama und Mystery.

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