Wegen dieser Szene reden gerade wieder viele über Euphoria

Harley sollte ursprünglich gar nicht existieren. Hébert hatte für die Rolle Wayne vorgesprochen, doch Levinson erfand stattdessen eine komplett neue Figur für ihn. Dass eine Nebenrolle das Finale so dominiert, hat viele Zuschauer kalt erwischt.
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Die Idee hinter dem nackten Ritt
James Landry Hébert lebt so nah am Drehort von Euphoria, dass er gelegentlich mit seinem Pferd Moose zur Arbeit ritt und das Tier einfach auf dem Cast-Parkplatz anband. Als Showrunner Sam Levinson merkte, dass sein Darsteller nicht nur reiten, sondern auch lassowerfen kann, schrieb er diese Fähigkeit direkt in die Figur Harley ein.
Die Grundidee zur Verfolgungsszene entstand aus einem spontanen Gespräch: Levinson fragte Hébert, ob er Zendaya zu Pferd einholen könnte, wenn ihre Figur Rue zu fliehen versucht. Hébert antwortete, er könne sie sogar mit dem Lasso einfangen. Einen Monat später stand die gesamte Sequenz im Drehbuch.
Für den Charakter Harley, der mitten in der Nacht aufgeschreckt wird, überlegte Hébert dann konsequent weiter: 'Wie krank wäre das, wenn ich splitternackt auf dem Pferd sitze und sie jage? Das wäre das Ikonischste überhaupt', erklärte er gegenüber TVLine. Kostümabteilung und Levinson fanden die Idee zunächst großartig.
Warum das Stunt-Team Nein sagte
Das Veto kam von der Stunt- und Wrangler-Abteilung, und zwar mit einer sehr konkreten Begründung. Beim Lassowurf muss der Reiter das Seil um den Sattelknauf wickeln, um das eingefangene Ziel zu sichern. Das Risiko dabei ohne Schutzkleidung war den Verantwortlichen schlicht zu groß.
Hébert zitiert die Warnung des Stunt-Teams so: 'Wenn du dir dabei etwas einklemmst, fällt der gesamte Dreh aus.' Der Schauspieler fügte trocken hinzu: 'OK, na gut.' Statt des Nackt-Ritts entschied man sich für einen sogenannten Union Suit, einen einteiligen Thermoanzug, der zumindest optisch noch an einen schlaftrunkenen Mann erinnert.
Hébert bedauerte die Entscheidung durchaus: 'Wenn es eine Serie gibt, in der man nackt auftreten kann, dann Euphoria. Das wäre so gut fürs Geschäft gewesen.' Den Großteil der Reiter-Stunts führte er dennoch selbst durch, inklusive der Szenen auf dem Kamerawagen, bei denen er das Lasso schwang. Nur das tatsächliche Einfangen von Zendayas Stunt-Double übernahm ein ausgebildeter Stuntman.
Harley entstand eigens für Hébert
Ursprünglich hatte Hébert für die Rolle des Wayne vorgesprochen, die schließlich Toby Wallace übernahm. Sam Levinson gefiel das Zusammenspiel beider Schauspieler so gut, dass er die Figur Harley speziell für Hébert entwickelte. Für den Darsteller war das eine besondere Auszeichnung: Wenn Levinson explizit für einen schreibt, übertrifft das jede Rolle, die ursprünglich für jemand anderen gedacht war.
Hébert beschreibt die Arbeit mit Levinson als ähnlich locker und kreativ wie einst die Zusammenarbeit mit Quentin Tarantino, mit dem er für 'Inglourious Basterds' vor der Kamera stand. 'Ich sagte früher immer, mehr Spaß als mit Tarantino kann man nicht haben. Inzwischen sage ich: bis man mit Sam Levinson gearbeitet hat.'
Improvisation spielte dabei eine zentrale Rolle. Die bekannte Szene, in der Sydney Sweeney weinend auf dem Boden sitzt und 'Es ist meine Hochzeit!' ruft, entstand laut Hébert spontan am Drehtag. Ursprünglich war eine Kampfchoreografie geplant; Levinson entschied sich kurzfristig für die emotionalere Variante.
Harleys Tod wurde nie gedreht
In einer früheren Version des Finales sollte Harley in einem dramatischen Showdown sterben: Die Drogenfahndung DEA hätte ihn auf dem Sofa erschossen, während er ein altes Rebellionslied sang. Hébert übte den Song intensiv, seine Pferde kannten die Melodie nach eigener Aussage auswendig.
Gedreht wurde diese Version nie. Stattdessen endet Harley mit einer stillen Verhaftung, die dem Charakter nach Héberts Einschätzung mehr abverlangt als ein heroischer Tod. Asante Blackk, der in der Serie einen von Alamos Männern spielt, verglich Harleys Abgang mit dem Ende aus 'American History X', was Hébert als großes Kompliment empfand.
Hébert erklärt die Wendung so: Ein Mann wie Harley, der sein Leben lang Berühmtheit und Angst als höchste Güter jagte, stirbt leichter laut als leise. Mit den Konsequenzen zu leben ist die härtere Strafe. Indem Harley die Verhaftung hinauszögert, kauft er seiner Crew Zeit zur Flucht, schützt seine Familie also durch Kapitulation statt durch Gewalt.
Angus Cloud und das emotionale Finale
Hébert zeigte sich nach der Ausstrahlung des Finales sichtlich bewegt von der Art, wie Levinson den verstorbenen Angus Cloud und dessen Figur Fezco in der letzten Episode würdigte. Die Nachricht, dass Fez aus dem Gefängnis ausgebrochen und verschwunden ist, empfand er als Hommage, die ohne Schwere auskommt.
Besonders hervorgehoben hat Hébert auch die Konfrontation zwischen Colman Domingo und der Figur Alamo, die er als eine der eindrucksvollsten Szenen bezeichnet, die er je im Fernsehen gesehen hat. Das Finale zeige exemplarisch, was Euphoria als Serie ausmacht: die Schönheit, die Hoffnung, den Schaden und die Möglichkeit des Scheiterns auch dann, wenn alle es besser wollen.
Harleys Weg endet mit Konsequenz statt Glorie, ohne sauberen Abgang. Ob der Charakter in San Quentin nach neuer Berühmtheit greifen würde, lässt Hébert offen, aber er schließt es nicht aus.
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Artikel geschrieben von:

Marie Weber berichtet über Action-, Drama- und Mystery-Serien mit besonderem Fokus auf Spannungsdramaturgie und Figurenzeichnung.
Alle Artikel von MarieMarie hat 3 weitere Artikel zur selben Serie verfasst.