CNN strich Tucci in Italy. Nat Geo holte alles raus, was drin war.

·02.06.2026, 00:30 Uhr·4 Min
CNN strich Tucci in Italy. Nat Geo holte alles raus, was drin war.
Bild: National Geographic · TMDB

Ein Mundkrebspatient, der kaum schlucken konnte, moderiert jetzt Italiens beste Küche. Tucci erhielt 2017 die Diagnose, verlor 14 Kilogramm und wurde monatelang über eine Magensonde ernährt. Dass er heute durch italienische Küchen führt, ist kein PR-Narrativ, sondern bitterer Ernst.

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Krebsdiagnose als Wendepunkt

2017 erhielt Stanley Tucci die Diagnose Mundkrebs, genauer gesagt einen Tumor an der Zungenbasis. Zwei Jahre lang war er falsch behandelt worden, bevor der Befund korrekt gestellt wurde. Glücklicherweise hatte der Tumor nicht gestreut.

Die Behandlung war brutal: Eine hochdosierte Strahlentherapie zwang ihn sechs Monate lang ans Bett. Er konnte kaum schlucken und musste über eine Magensonde ernährt werden. 'Es war eine wirklich beängstigende Zeit', sagt Tucci. 'Ich verlor 14 Kilogramm. Ich konnte kaum laufen. Man bekommt eine Weile lang Morphium, weil die Schmerzen im Mund so unerträglich sind. Es war furchtbar.'

Ausgerechnet in dieser Phase entwickelte Tucci eine Besessenheit für Kochsendungen. Der Anblick von Speisen, die er selbst nicht zu sich nehmen konnte, weckte eine Idee, die er nach eigenen Angaben schon fast zwanzig Jahre mit sich trug: jede Region Italiens durch ihre Küche zu porträtieren, weil das bis dahin niemand so gemacht hatte.

Von CNN zu Nat Geo: Der Bruch

Noch während der Genesung meldete sich CNN bei Tucci. Er präsentierte sein Konzept, der Sender sagte zu, und ab 2021 lief 'Stanley Tucci: Searching for Italy'. Das Format schlug ein. Drei Emmy-Auszeichnungen in Folge als bestes moderiertes Non-Fiction-Format folgten. Tucci etablierte sich als eine Art Julia Child trifft Anthony Bourdain für die 2020er Jahre.

Ende 2022 strich CNN die Sendung, während Chris Licht den Sender führte. Tucci beschreibt den Schritt als 'aus unbekanntem Grund'. Noch schwerer wog, was danach kam: Als ein anderes Unternehmen Interesse an einer Fortsetzung zeigte, verhinderte CNN sowohl die Nutzung des Seriennamens als auch den Zugriff auf das bisherige Archiv. 'CNN schmeißt uns raus, und wir dachten: Oh nein. Es gab eine Firma, zu der ich gerne gegangen wäre. Aber CNN ließ uns weder den Namen behalten noch die alten Folgen nutzen', so Tucci.

National Geographic machte schließlich den Weg frei. Unter dem neuen Titel 'Tucci in Italy' startete die erste Staffel 2025. Die zweite Staffel läuft derzeit und ist in Deutschland über Disney+ sowie MagentaTV+ abrufbar.

Neues Format, andere Philosophie

'Tucci in Italy' unterscheidet sich bewusst vom CNN-Vorgänger. Tucci legt den Fokus auf menschliche Begegnungen statt auf Speisen als Selbstzweck. 'Was ich sehen will, ist die Verbindung zwischen Menschen. Ich will sehen, wie Menschen gemeinsam essen. Das ist keine Lebensmittelpornografie, das ist etwas anderes. Es geht um Interaktion, und das Essen ist eine Figur, aber was das ganze Stück trägt, sind die drei oder vier Menschen am Tisch.'

Tucci bringt für dieses Konzept eine ungewöhnliche Biografie mit. Er wuchs mit der italienischen Küche seiner Eltern auf, beide Kinder von Einwanderern aus Italien. Mit zwölf Jahren lebte er ein Jahr lang in Florenz. Diese Verwurzelung unterscheidet ihn von Moderatoren, die ein fremdes Land nur touristisch bereisen.

Für die erste Staffel von 'Tucci in Italy' erhielt er erneut eine Emmy-Nominierung in der Kategorie bestes moderiertes Non-Fiction-Format. Für die laufende zweite Staffel wird eine weitere Nominierung erwartet.

Schauspieler, Autor, Phänomen

Tucci ist vor dem Fernsehpublikum vor allem als Charakterdarsteller bekannt. 1996 schrieb und inszenierte er gemeinsam mit anderen 'Big Night', ein Indie-Film über zwei italienische Einwandererbrüder, die in den 1950er Jahren ein Restaurant eröffnen. Tucci war damals nach eigenen Worten 'verzweifelt' und 'beleidigt', weil er immer wieder als italoamerikanischer Krimineller besetzt wurde.

Seitdem bewies er eine enorme Bandbreite: von der schwulen Moderedaktion in 'The Devil Wears Prada' (2006) und der Fortsetzung von 2026 bis zum Serienmörder in 'The Lovely Bones' (2009), für den er seine einzige Oscar-Nominierung erhielt. In 'Julie & Julia' spielte er den Ehemann von Julia Child an der Seite von Meryl Streep.

Abseits der Kamera wurde Tucci während der Pandemie zur viralen Erscheinung, als seine Frau Videos von ihm beim Cocktailmixen veröffentlichte. Sein Ernährungsmemoiren 'Taste: My Life Through Food' wurde ebenfalls gut aufgenommen.

Spinoff in anderen Ländern möglich?

Eine dritte Staffel von 'Tucci in Italy' ist noch nicht bestätigt, aber die Frage nach einem möglichen Ableger in anderen Ländern steht im Raum. Tucci schließt das nicht aus, knüpft es aber an eine Bedingung. 'Mein Interesse am Essen ist überall', betont er. 'Aber ich mache es nur, wenn ich mich mit dem Ort verbunden fühle. Sonst ist es nur irgendein Typ, der umherwandert, die Sprache nicht spricht und das Essen wirklich nicht kennt.'

Das bedeutet: Ein 'Tucci in Spanien' oder 'Tucci in Japan' wäre denkbar, aber nur dann, wenn Tucci eine echte persönliche Verbindung zu dem jeweiligen Land mitbringt. Eine konkrete Ankündigung gibt es bislang nicht.

Für das laufende Format spricht die Kontinuität: Trotz Senderwechsel, neuem Namen und fehlendem Archiv hat Tucci sein Publikum mitgenommen. Die zweite Staffel setzt dort an, wo die erste aufgehört hat, und vertieft das Konzept der Begegnung am Esstisch weiter.

Quelle: National GeographicZuletzt aktualisiert: 02.06.2026, 00:30 Uhr

Artikel geschrieben von:

Emma Mueller
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Emma Mueller
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Emma Mueller ist Serienredakteurin mit klarem Fokus auf spannungsgetriebene Formate wie Action, Drama und Mystery.

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