Darum gilt Euphoria als Beweis für die Kraft globaler Produktionen

Euphoria war keine amerikanische Idee, sondern eine israelische. Ron Leshem schrieb die Vorlage, die Sam Levinson zur zweiterfolgreichsten HBO-Serie aller Zeiten machte. Dass er jetzt nach Brasilien zieht, zeigt: Die nächste Euphoria kommt vielleicht wieder von woanders.
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Goldenes Zeitalter des globalen Dramas
Ron Leshem ist überzeugt: Die Welt befindet sich mitten im goldenen Zeitalter des globalen Seriendramas. Beim Canneseries-Festival legte er dar, warum internationale Produktionen nicht länger als billiges Füllmaterial oder exotische Nische abgetan werden dürfen, sondern als kreative Kraft, die das Fernsehen neu definiert.
Globales Drama werde häufig auf drei Rollen reduziert, so Leshem: günstige Budgetalternative, exotische Randerscheinung oder Ideenlieferant für Hollywood. Dabei verkennt diese Sichtweise das enorme Potenzial, das in internationalen Produktionen steckt. In manchen Ländern lassen sich sechs Staffeln hochwertiges Drama für den Preis einer einzigen amerikanischen Episode produzieren.
Für Leshem ist genau das kein Nachteil, sondern eine Chance. Unabhängige internationale Produktionen könnten das Fernsehen retten, so wie das unabhängige Kino den Film mehrfach gerettet hat. Die kreative Freiheit außerhalb des Hollywood-Systems sei heute größer denn je.
Euphoria: Von Israel in die Welt
Euphoria begann als israelische Serie, die Leshem gemeinsam mit Daniel Amsel und Daphna Levin schrieb. Als das Original 2012 beim israelischen Sender HOT startete, fühlten sich die Macher zunächst missverstanden. Die Serie, die sich vom britischen Format Skins inspirieren ließ, war ein Porträt der neuen israelischen Jugend.
Dass Sam Levinson das Konzept für HBO adaptieren würde und Euphoria zur zweitmeistgesehenen Serie in der Geschichte des Senders aufsteigen würde, war damals nicht abzusehen. Hadas Lichenstein und das HBO-Team um Casey Bloys und Francesca Orsi spielten dabei eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der amerikanischen Version.
Leshem hatte zuvor bereits mit Prisoners of War bewiesen, dass israelische Serien internationales Potenzial besitzen. Diese Serie wurde in den USA als Homeland adaptiert und feierte dort weltweiten Erfolg. Sein Weg vom Journalisten, der 2001 stellvertretender Chefredakteur und Leiter der Nachrichtenredaktion beim Maariv war, bis zum international gefragten Serienschöpfer ist bemerkenswert.
Paranoia: Leshems neues Herzensprojekt
Seit der ersten Staffel von Euphoria und der Oscar-Nominierung für Beaufort hat Ron Leshem nach eigener Aussage kein Projekt mehr so sehr begeistert wie Paranoia. Die Serie befindet sich derzeit in der Produktionsvorbereitung und entsteht in Brasilien, in Zusammenarbeit mit dem Streamingdienst Globoplay und den Janeiro Studios.
Die Zusammenarbeit mit dem Dramateam von Globoplay beschreibt Leshem als die inspirierendsten, klügsten und aufrichtig bewegendsten kreativen Gespräche seines Lebens. Als er zum ersten Mal die Studios in Rio de Janeiro betrat, fand er dort Einrichtungen vor, die ihn mehr beeindruckten als alles, was er aus Hollywood kannte, und das nicht nur technologisch, sondern auch in Bezug auf die Arbeitskultur und die menschliche Atmosphäre.
Amit Cohen, mit dem Leshem bereits früher zusammengearbeitet hat, gilt als enger kreativer Vertrauter in diesem Umfeld. Paranoia soll zeigen, dass Brasilien längst mehr ist als ein aufstrebender Markt, sondern ein vollwertiger kreativer Partner auf Augenhöhe mit den großen Produktionszentren der Welt.
Was eine Serie heute durchbrechen lässt
Leshem hat eine klare Theorie dazu, warum manche Serien zu Ereignissen werden und andere nicht. Jede Serie müsse heute elektrisch wirken. Das Publikum spüre sofort, ob eine Geschichte wirklich etwas Neues wagt oder nur bekannte Muster reproduziert.
Konkret nennt Leshem vier Elemente, von denen mindestens zwei wirklich neu sein müssen: eine Welt, die im Fernsehen noch nicht gezeigt wurde, eine Hauptfigur mit einer Stimme oder Reise, die es so noch nicht gab, eine Genrekombination, die in Serienform noch nicht existiert, oder eine filmische Sprache, die etwas erfindet.
Diese Formel klingt einfach, ist in der Praxis aber selten konsequent umgesetzt. Leshem sieht darin den entscheidenden Unterschied zwischen Serien, die im kollektiven Gedächtnis bleiben, und solchen, die nach einer Staffel vergessen sind. Frannie, eine Figur aus einem seiner aktuellen Entwicklungsprojekte, soll genau diesen Anspruch verkörpern.
Leshems Weg: Journalist zum Serienschöpfer
Ron Leshems Karriere begann im Journalismus. Er arbeitete sich bis zum stellvertretenden Chefredakteur und Leiter der Nachrichtenredaktion der israelischen Zeitung Maariv auf, bevor er 2005 in die Fernsehbranche wechselte. Bei Keshet Broadcasting übernahm er die Inhaltsentwicklung und stieg schließlich zum Programm- und Inhaltschef des Senders auf.
Dieser Hintergrund prägt bis heute seinen Blick auf Geschichten: nah an der Realität, mit einem Gespür für gesellschaftliche Stimmungen und einem Instinkt dafür, was Menschen wirklich beschäftigt. Beaufort, der israelische Kriegsfilm, der für den Oscar nominiert wurde, und die Serienerfolge Prisoners of War und Euphoria entstanden aus diesem Fundament.
Mit Paranoia und dem Engagement in Brasilien schlägt Leshem nun ein neues Kapitel auf, eines, das zeigt, wie weit die Reichweite eines israelischen Autors in der globalisierten Serienlandschaft reichen kann. Ein Startdatum für Paranoia steht noch aus.
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Artikel geschrieben von:

Emma Mueller ist Serienredakteurin mit klarem Fokus auf spannungsgetriebene Formate wie Action, Drama und Mystery.
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