Agnes weiß, wer ihre Mutter ist: The Testaments lässt das Netz nicht kalt

Agnes kennt jetzt die Wahrheit, und das verändert alles. Im Finale 'Secateurs' erfährt Chase Infiniti als Agnes, dass June ihre leibliche Mutter ist. Showrunner Bruce Miller plant drei bis vier Staffeln, um die Reunion beider Figuren zu vollenden.
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Das Versprechen: Reunion kommt bestimmt
Bruce Miller macht keinen Hehl daraus, wohin die Reise führt. 'Ich plane, June und Hannah/Agnes (Chase Infiniti) bis zum Ende zusammenzubringen', erklärt er. Dieses Versprechen ist mehr als ein kreativer Wunsch: Es ist der strukturelle Kompass, an dem Miller die kommenden Staffeln ausrichtet. Drei bis vier Staffeln schwebt ihm dabei vor, wobei er betont, dass er den Zeitpunkt der Reunion auch vorziehen könnte, sollte die Geschichte es verlangen.
Im Finale 'Secateurs', das Miller gemeinsam mit einem Co-Autor schrieb, erfährt Agnes, gespielt von Chase Infiniti, dass June ihre leibliche Mutter ist. Für Agnes ist das ein Schock mit widersprüchlichen Vorzeichen: In Gilead gilt June als Terroristin, als Feindin des Staates. Die Heldin, die Zuschauer seit sechs Staffeln 'The Handmaid's Tale' begleiten, ist aus Agnes' Perspektive zunächst das Gegenteil davon.
Miller beschreibt die emotionale Komplexität des Moments so: Agnes lernt ihre Mutter zunächst aus einer Akte kennen, sieht zum ersten Mal ein Foto von ihr. Der Prozess des Kennenlernens soll dabei bewusst Zeit brauchen, damit die Reunion, wenn sie kommt, mit vollem emotionalen Gewicht ankommt.
June als 'Oberherrin des Universums'
Elisabeth Moss bleibt zentraler Bestandteil der Serie, auch wenn ihre Bildschirmzeit von Staffel zu Staffel neu verhandelt wird. Miller formuliert es treffend: 'Sie ist fast die Oberherrin des gesamten Universums.' June operiert von außen, zieht im Hintergrund die Fäden und beeinflusst Agnes' Leben, ohne physisch präsent zu sein.
Wie viel Moss in Staffel zwei zu sehen sein wird, hängt laut Miller auch von ihrem vollen Terminkalender ab. Inhaltlich ist ihre Rolle jedoch klar definiert: June ist die treibende Kraft hinter der Widerstandsbewegung, die Daisy (Lucy Halliday), gespielt von Lucy Halliday, zu den Plums geschleust hat. Dass June dabei nicht wusste, dass Daisy direkt neben Agnes landen würde, war kein Versehen, sondern entspricht der Logik echter Untergrundnetzwerke.
In einer kleinen, aber bedeutsamen Szene im Finale gibt es einen Hinweis auf Junes Leben außerhalb Gileads: Vor ihrer Tür stehen ein Paar kleine Stiefel, die Nichole gehören, ihrer zweiten Tochter. Miller setzt solche Details bewusst ein, um zu zeigen, dass June und frühere Charaktere wie Rita, gespielt von Amanda Brugel, langsam ein neues Leben aufbauen.
Was nach der Reunion noch wartet
Miller denkt weit über den Moment der Umarmung hinaus. Die Reunion von June und Agnes ist kein Serienende, sondern ein Neuanfang. Neben June und Agnes wären da noch Junes Ehemann Luke, gespielt von O-T Fagbenle, sowie Nichole, die ihre Halbschwester Agnes noch nie getroffen hat. Moira, gespielt von Samira Wiley, hat Hannah aufwachsen sehen und gehört ebenfalls zur Familie.
Miller vergleicht 'The Testaments' mit einer Flüchtlingsserie: Die Figuren sind entweder Vorflüchtlinge oder bereits Geflohene. Agnes und ihre Freundinnen stehen am Beginn dieses Weges. Was nach Gilead kommt, das Wiederaufbauen eines Lebens, das Integrieren in eine unbekannte Welt, bietet nach Millers Einschätzung genug Stoff für viele weitere Geschichten.
Die Schriftstellerin Margaret Atwood hat mit ihrer Romanvorlage 'The Testaments' bereits einen Teil dieser Welt skizziert. Miller nutzt diese Grundlage, um das Universum weiter auszubauen und Figuren aus 'The Handmaid's Tale' zurückzubringen. Amanda Brugels Auftritt als Rita in Staffel eins war dabei erst der Anfang.
Agnes, Becca und der Kuss im Finale
Eine der stärksten Szenen des Finales gehört Agnes und ihrer besten Freundin Becca, gespielt von Mattea Conforti: ein Kuss, der von Regisseur Mike Barker zwar gefilmt wurde, den die beiden Schauspielerinnen aber selbst erarbeitet haben. Miller will die Szene nicht auf eine einzige Interpretation reduzieren. 'Ich denke, es war Agnes, die ihrer traurigen Freundin Becca gegenüber freundlich war', sagt er, betont aber die Vielschichtigkeit: Wer sich hineinlehnt, wer den Kuss hält, wer danach lächelt.
Beccas Weg führt in Staffel zwei in die Welt der Gilead-Ehefrauen, nachdem sie ihren Vater getötet hat und ihre Mutter die Schuld auf sich genommen hat. Miller sieht darin eine Chance, das Leben von Frauen zu zeigen, die nicht wie Serena Joy aus freiem Willen Ehefrauen wurden, sondern in diese Rolle gedrängt wurden. Becca ist queer in einer Gesellschaft, die für sie keinen Platz hat, und das dürfte sie laut Miller schließlich zur Verbündeten der Widerstandsbewegung machen.
Agnes, Daisy und Shu, gespielt von Rowan Blanchard, bilden am Ende des Finales ein Trio, das mit einem Lächeln durch den Korridor geht und dabei unweigerlich an June erinnert. Chase Infiniti und Lucy Halliday haben in Interviews gesagt: 'Ich wusste am Anfang nicht, worum es in der Serie geht, aber jetzt geht es um Schwesternschaft.' Dieses Bild trägt Miller als Kern in die zweite Staffel.
Staffel zwei: Schreibraum arbeitet bereits
Die Vorbereitungen für Staffel zwei laufen. Millers Autorenteam arbeitet bereits seit einiger Zeit an den neuen Folgen. Ein konkretes Startdatum steht noch aus, doch Miller betont, dass er den Produktionsrhythmus bewusst straffen will. Der Grund ist pragmatisch: Chase Infiniti, Mattea Conforti, Lucy Halliday und Rowan Blanchard sind jung, und das soll auf dem Bildschirm auch so bleiben.
Zeitsprünge, die Miller bei 'The Handmaid's Tale' nie konsequent umsetzen konnte, plant er auch für 'The Testaments'. 'Ich habe immer Pläne, weit voraus zu springen, und dann tue ich es nie', gibt er zu. Die Geschichte saugt ihn in jeden einzelnen Moment, sodass aus geplanten 30 Jahren Zeitsprung am Ende 30 Sekunden werden.
Inhaltlich soll Staffel zwei das Erwachen von Agnes und ihren Freundinnen zeigen, die zunehmend bereit sind, Junes Erbe anzutreten und aktiv gegen Gilead zu kämpfen. Agnes weiß nun, wer ihre Mutter ist. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie sie mit diesem Wissen umgeht, und welche Allianz sich dabei zwischen ihr und Aunt (Ann Dowd)-vidala-the-testaments) (Mabel Li) Lydia, gespielt von Ann Dowd, weiter festigt.
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Artikel geschrieben von:

Emma Mueller ist Serienredakteurin mit klarem Fokus auf spannungsgetriebene Formate wie Action, Drama und Mystery.
Alle Artikel von EmmaEmma hat 2 weitere Artikel zur selben Serie verfasst.