Widow's Bay läuft seit Wochen stark, doch viele haben sie noch nicht gesehen

Weltweit auf Platz 3, und trotzdem kennen viele die Serie nicht. Widow's Bay läuft seit Wochen stark auf Apple TV+, hält 97 Prozent bei Rotten Tomatoes und ein 92-prozentiges Publikumsscore. Das zeigt: Streaming-Erfolg und öffentliche Wahrnehmung klaffen weiter auseinander als je zuvor.
Artikel-Inhalt
Del Toros Lob in eigenen Worten
Auf X bezeichnete Guillermo del Toro Widow's Bay als womöglich 'die beste Streaming-Serie seit Langem' und als 'einen der fesselndsten Akte narrativer Zauberei im Horror-Genre'. Das Urteil des Regisseurs, der mit Pans Labyrinth und Shape of Water Maßstäbe im phantastischen Kino gesetzt hat, trägt Gewicht. Del Toro kennt das Genre von innen, als Filmemacher wie als TV-Produzent mit Serien wie Cabinet of Curiosities und The Strain.
Der Begriff 'narrative Zauberei', den del Toro verwendet, zielt auf eine besondere Qualität der Serie: Widow's Bay wechselt nahtlos zwischen beunruhigenden Momenten und nüchterner Alltagsrealität, sodass selbst die Figuren im Unklaren bleiben, ob das Übernatürliche wirklich geschieht oder nur eingebildet ist. Genau diese Ambivalenz macht den Reiz der Serie aus.
97 Prozent bei Rotten Tomatoes
Widow's Bay hält auf Rotten Tomatoes ein 'Certified Fresh'-Siegel mit 97 Prozent aus 74 Kritikerstimmen sowie einem Publikumswert von 92 Prozent. Das sind Zahlen, die selbst für gelobte Prestige-Produktionen ungewöhnlich hoch sind.
Angel Shaw vergab in ihrer Kritik neun von zehn Punkten und beschrieb die Serie als eine Produktion, 'die das sensible Verhältnis zwischen Spannung und Komödie versteht'. Der Vergleich mit Severance, der von Kritikern ebenfalls gezogen wird, deutet auf eine ähnliche Fähigkeit hin, Genregrenzen produktiv zu unterlaufen.
Auf den Apple-TV-Streamingcharts belegt Widow's Bay nach sieben veröffentlichten Episoden den zweiten Platz in den USA und den dritten Platz weltweit. Nur Your Friends and Neighbors liegt auf beiden Charts noch davor.
Bürgermeister gegen Geisterinsel
Matthew Rhys spielt Bürgermeister Tom Loftis, der die fiktive neuenglische Küstenstadt Widow's Bay zum Touristenziel umbauen will, während die Einwohner fest daran glauben, dass die Insel verflucht ist. Als übernatürliche Vorfälle sich häufen, beginnt Tom selbst an seiner Skepsis zu zweifeln.
An seiner Seite stehen seine Assistentin Patricia, gespielt von Kate O'Flynn, und der ortskundige ältere Bewohner Wyck, verkörpert von Stephen Root. Weitere Figuren sind Toms Sohn Evan (Kingston Rumi Southwick), Sheriff Bechir Clemmons (Kevin Carroll), Reverend Bryce (Toby Huss) und die klatschsüchtige Rathaus-Angestellte Rosemary (Dale Hickey).
Dippold und Murai hinter der Kamera
Entwickelt wurde Widow's Bay von Katie Dippold, die zuvor als Autorin an Parks and Recreation mitgewirkt hat. Der Wechsel vom warmherzigen Bürohumor zur Horror-Komödie zeigt, wie wandlungsfähig Dippolds Stimme als Autorin ist.
Mehrere Episoden führte Hiro Murai Regie, der auch als ausführender Produzent fungiert. Murai hat sich mit Arbeiten an Atlanta, Barry, Station Eleven, The Bear und Mr. and Mrs. Smith als einer der vielseitigsten Regisseure im amerikanischen Serienfernsehen etabliert. Seine Fähigkeit, Ton und Atmosphäre präzise zu steuern, dürfte entscheidend für die Balance sein, die Kritiker an Widow's Bay loben.
Wo und wie schauen
Widow's Bay ist vollständig auf Apple TV+ abrufbar, in Deutschland über Apple TV+ direkt oder den Apple TV Amazon Channel. Staffel 1 umfasst zehn Episoden, von denen zum aktuellen Zeitpunkt sieben veröffentlicht wurden.
Für Fans des Genres, das Horror und Komödie so verknüpft, dass keines das andere verdrängt, bietet die Serie eine seltene Kombination. Dass del Toro, Rotten-Tomatoes-Kritiker und das Publikum zu nahezu identischen Schlüssen kommen, passiert nicht oft.
Mehr zu „Widow's Bay"

Warum Kritiker und Publikum bei Widow's Bay ausnahmsweise einig sind
Ein rationaler Bürgermeister gegen eine Stadt voller Aberglauben: Das endet selten gut. In Widow's Bay bei Apple TV+ treibt Matthew Rhys seinen Revitalisierungsplan durch, bis sich die Schauermärchen als real erweisen. Genau dieser Widerspruch zwischen Vernunft und Übernatürlichem macht die Serie für Kritiker und Zuschauer gleichermaßen zwingend.

Trotz fehlendem Grünes Licht: Widow's Bay zieht Publikum und Kritiker gleichermaßen
Fans von Widow's Bay warten weiter auf grünes Licht für Staffel 2. Apple TV+ hat die Serie trotz 97 Prozent bei Rotten Tomatoes noch nicht verlängert. Das Finale am 17. Juni könnte die entscheidende Weiche stellen.

Wegen Betty Gilpin bekommt Widow's Bay eine Folge, die fast nie gedreht worden wäre
Eine Folge, die fast nicht existiert hätte, verändert Widow's Bay grundlegend. Betty Gilpin kam erst ans Set, als die gesamte erste Staffel bereits abgedreht war. Für Zuschauer bedeutet das: Episode sechs ist kein Rückblick, sondern ein separater Horrorfilm im Horrorfilm.
Artikel geschrieben von:

Clara Hoffmann ist Serien-Redakteurin mit besonderem Fokus auf emotionale Drama-Serien und detailreiche Period Pieces.
Alle Artikel von ClaraClara hat einen weiteren Artikel zur selben Serie verfasst.