Wegen Jeff Hiller reden jetzt wieder alle über Somebody Somewhere

Ein Emmy verändert alles: Jeff Hiller bringt Somebody Somewhere zurück ins Gespräch. Der Schauspieler gewann die Auszeichnung für seine Rolle in der HBO-Serie und schildert nun seinen langen Weg dahin. Wer die Serie noch nicht kennt, hat jetzt jeden Grund, das nachzuholen.
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Vom Niemand zum Emmy-Gewinner
Jeff Hiller hat drei Jahrzehnte gebraucht, um in Hollywood Fuß zu fassen. Vor etwa zwanzig Jahren bewarb er sich um die Rolle des Kenneth Parcell in 30 Rock, jenen sonnig-dämonischen NBC-Pagen, den letztlich Jack McBrayer verkörperte. Er bekam die Rolle nicht. Was er stattdessen erhielt, war ein Satz von Tina Fey, der ihn laut eigener Aussage über Jahre trug: 'Du hast wirklich gutes Timing.'
Fey engagierte ihn später als Hotelrezeptionist in der dritten Staffel von 30 Rock und rief ihn Jahre später erneut zurück, diesmal als Flugbegleiter. Für Hiller war dieses zweite Angebot eine Seltenheit: 'Das war in meiner gesamten Karriere noch nie passiert und ist seitdem nur zwei oder drei Mal vorgekommen.' Es war ein kleiner, aber bedeutsamer Schritt in einer Branche, die ihm lange wenig gab.
Den eigentlichen Wendepunkt markierte die HBO-Comedyserie Somebody Somewhere, in der Hiller über drei Staffeln eine nuancierte, bewegende Hauptrolle spielte. Die Auszeichnung mit dem Emmy als bester Nebendarsteller im vergangenen Jahr war, wie er selbst sagt, 'der Traum von Anfang an'. In Deutschland ist die Serie über WOW abrufbar.
Mit dem Curling-Eisen zum Mörder
Nach dem Emmy-Gewinn veränderte sich zumindest die Art der Rollen, die Hiller angeboten wurden. Bei der Krimiserie Elsbeth war er zunächst für die Rolle des 'Nicht-Mörders' vorgesehen. Als er den Emmy gewann, rückte er auf: 'Ich hatte die Rolle des Nicht-Mörders angeboten bekommen, und dann, als ich den Emmy gewann, bekam ich die Mörder-Rolle.' Er befindet sich damit in prominenter Gesellschaft, denn Elsbeth versammelte in seiner dritten Staffel Gaststars wie Dianne Wiest, Patti LuPone, J. Smith-Cameron und Steve Buscemi als Täter.
Hiller schildert seinen Auftritt mit sichtbarer Freude: 'Ich habe jemanden mit einem Lockenstab umgebracht.' Es ist ein Satz, der die absurde Logik von Hollywoods Casting-Hierarchien auf den Punkt bringt: Wer keinen Emmy hat, spielt den Verdächtigen. Wer einen hat, darf töten.
Neben Elsbeth war Hiller in dieser Saison auch in Pluribus, Stumble, Ghosts und Widow's Bay zu sehen. Bei Letzterer spielt er einen Mitarbeiter im Büro des Bürgermeisters, gespielt von Matthew Rhys. Diesen Auftritt verdankt er seiner Freundin und Schöpferin der Serie, Katie Dippold, und dem gemeinsamen Hintergrund beim Improvisationstheater Upright Citizens Brigade.
Larry der Biker bei Pluribus
Den vielleicht stärksten Eindruck hinterließ Hiller in dieser Saison in Vince Gilligans Mysteryserie Pluribus, wo er Larry spielt, einen freundlichen Biker mit auffälliger Radlerhose. Sein Charakter gehört zum sogenannten Hive Mind, einem Kollektivbewusstsein, das von der Protagonistin Carol, gespielt von Rhea Seehorn, befragt wird. Die Szene dreht sich um ihre verstorbene Frau und die Frage, ob ihre Bücher Menschen berührt haben.
Hiller erfuhr beim Casting kaum etwas über die Mythologie der Serie. Die einzige Regieanweisung lautete sinngemäß: 'Du bist ihr Vater und sprichst mit ihr über ihre tote Mutter.' Dass die Figuren in der Serie Knochen essen, wusste er zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Rhea Seehorn, die in nahezu jeder Szene der Serie präsent ist, nahm sich dennoch Zeit für gemeinsame Proben: 'Sie hat mich zu sich eingeladen, obwohl ihre freien Tage kostbar sind.'
Den Auftritt verdankt Hiller einem Mitarbeiter aus Gilligans Produktionsteam, der Somebody Somewhere kannte und ihn beim Casting ins Spiel brachte. Als die Serie anlief und sein Auftritt ausgestrahlt wurde, erlebte Hiller ein ungewöhnliches Gefühl: 'Ich vergaß immer wieder, dass ich dabei war. Dann dachte ich: Moment, ich bin in Folge vier. Ich kann es kaum glauben, Teil eines Zeitgeist-Moments zu sein.'
Emmy ohne Jobangebote: Hollywoods Krise
Trotz all dieser Auftritte ist 2026 für Hiller ein erschreckend ruhiges Jahr. 'Ich habe 2026 überhaupt nicht gearbeitet, und das ist beängstigend. Ich habe einen Emmy, und ich darf jetzt nicht arbeiten?' sagt er mit einem wissenden Lachen. Einzelne Sprechrollen seien immerhin noch möglich gewesen, doch von einem neuen regulären Serienengagement ist er weit entfernt.
Nach dem Emmy-Gewinn hatte Hiller erwartet, unmittelbar eine neue Hauptrolle in einer Serie zu erhalten. Diese Erwartung blieb unerfüllt. Hollywood befindet sich in einer Phase von Fusionen und Konsolidierungen, in der selbst ausgezeichnete Schauspieler auf Wartelisten landen. 'Es ist eine harte Zeit. Das Geschäft boomt nicht. Das ist entmutigend', sagt er.
Hiller ist sich bewusst, dass er für solche Durststrecken besser gerüstet ist als viele andere. 'Ich bin dafür einzigartig qualifiziert, weil ich 30 Jahre mit dem Auf und Ab einer Karriere verbracht habe.' Das klingt nach Resignation, ist aber auch eine Art Stärke: Wer dreißig Jahre lang als Gastdarsteller überlebt hat, weiß, wie man wartet.
Der perfekte Gastdarsteller bleibt hungrig
Hiller beschreibt seine Qualitäten als Gastdarsteller mit entwaffnender Selbstironie: 'Ich bin ein wirklich guter Gaststar. Ich trage, was ihr wollt, ich sitze, wo ihr wollt, ich stelle keine Fragen, ich kann Anmerkungen sehr gut umsetzen.' Es ist eine Bescheidenheit, die aus Erfahrung gewachsen ist, nicht aus Unsicherheit.
Den Grundstein legte das Improvisationstheater Upright Citizens Brigade in New York. 'Ich weiß nicht, was aus mir geworden wäre, wenn ich nicht dort angefangen hätte. Ich wäre wohl einfach arbeitslos', sagt Hiller. Das Netzwerk aus dieser Zeit brachte ihm Rollen in Broad City, Ugly Betty, Crazy Ex-Girlfriend und American Horror Story, bevor Somebody Somewhere alles veränderte.
Was sich seit dem Emmy verändert hat, ist zumindest die Qualität der Rollen. Aus dem Hotelrezeptionisten von einst ist der Mörder mit dem Lockenstab geworden. Für einen Schauspieler, der drei Jahrzehnte auf diesen Moment hingearbeitet hat, ist das kein kleiner Fortschritt, auch wenn Hollywood ihn gerade warten lässt.
Artikel geschrieben von:

Anna Schneider analysiert Serien von düsteren Mystery-Stoffen bis zu leichteren Komödien mit Fokus auf Erzählstruktur und Figurenentwicklung.
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