Warum Spider-Noir gerade so stark ankommt, hat mit Nicolas Cages Figur zu tun

Mehr Spinne als Mensch, und trotzdem lernt Ben Reilly sprechen wie Bogart. Cages Figur in Spider-Noir wechselt über acht Folgen hinweg ständig den Akzent, weil Ben sich Menschlichkeit aus alten Filmen abgeschaut hat. Das macht aus einem Superhelden-Konzept eine unerwartete Charakterstudie.
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Bogart, Cagney und Bugs Bunny
Nicolas Cage beschreibt seine Darstellung von Ben Reilly, bekannt als The Spider, selbst als Mischung aus '70 Prozent Humphrey Bogart und 30 Prozent Bugs Bunny'. Über alle acht Folgen hinweg wechselt sein Akzent, mal klingt er nach klassischem Noir-Kino, mal nach Gangsterfilm der 1930er-Jahre. Das gilt nicht für Szenen, in denen Ben undercover agiert.
Showrunner Oren Uziel erklärte gegenüber Slashfilm, dass diese Akzentverschiebungen direkt aus der Biografie der Figur entstehen: 'Es geht ganz um seinen Charakter. Er wird zu The Spider und wird mehr Spinne als Mensch, und muss lernen, wieder menschlich zu sein. Das ist seine Selbstbildung. Das ist sein Gang ins Fitnessstudio, gewissermaßen. Es war wirklich lustig, und es erklärt, warum er oft Bogart macht, oder Cagney, oder Peter Lorre.'
Im fünften Teil der Serie enthüllt Ben gegenüber Cat Hardy, gespielt von Li Jun Li, wie er Schauspieler in Filmen beobachtet und studiert hat, um nach seiner Verwandlung wieder menschliches Verhalten zu erlernen. Der Akzentwechsel ist also keine Marotte, sondern eine Art inneres Rehabilitationsprogramm.
Ursprung: Genexperimente im Ersten Weltkrieg
Bens Geschichte beginnt im Ersten Weltkrieg. Als er an der Befreiung eines Kriegsgefangenenlagers beteiligt ist, in dem deutsche Soldaten genetische Experimente an Gefangenen durchführen, verändert sich sein Leben dauerhaft. Ein Mitgefangener, der durch die Experimente vollständig verwildert ist, beißt ihn kurz vor dessen Tod.
Anders als seine Mitstreiter Flint Marko (Jack Huston), Lonnie Lincoln (Abraham Popoola) und Dirk Leyden (Andrew Lewis Caldwell) behält Ben nach der Verwandlung keine stabile menschliche Identität. Er wird mehr Spinne als Mensch und muss sich seine Menschlichkeit aktiv zurückerarbeiten. Die Hollywoodfilme der Stummfilm- und frühen Tonfilmära werden dabei zu seinem Lehrplan.
Dieses Konzept erlaubt Nicolas Cage schauspielerische Freiheiten, die er in dieser Form selten hatte. Die Figur bewegt sich zwischen Imitation und Identität, zwischen Bogart-Zitat und echtem Gefühl, was dem Noir-Setting eine zusätzliche psychologische Ebene gibt.
Ben Reilly: Eigenständige Figur, kein Klon
In den Comics ist Ben Reilly ein Klon von Peter Parker. Die Serie Spider-Noir trennt die Figur bewusst von dieser Herkunft und macht ihn zu einem eigenständigen Charakter ohne Verbindung zum klassischen Spider-Man. Das gibt den Machern um Uziel mehr Spielraum bei Hintergrund, Persönlichkeit und Handlungsverlauf.
Spider-Man Noir als Comicfigur wurde 2009 von David Hine, Fabrice Sapolsky, Carmine Di Giandomenico und Marko Djurdjevic erschaffen. Cage lieh der Figur bereits 2018 in Spider-Man: A New Universe seine Stimme, damals als Variante von Peter Parker. Diese Rolle kehrt er 2027 in Spider-Man: Beyond the Spider-Verse zurück.
Die Serienversion ist also eine eigenständige Neuinterpretation, die auf dem Comicmaterial aufbaut, aber eigene Wege geht.
Starkes Ensemble um Cage
Neben Nicolas Cage umfasst die Besetzung von Spider-Noir Lamorne Morris als Journalist Joe 'Robbie' Robertson, Brendan Gleeson als Finbar Byrne alias Silvermane sowie Karen Rodriguez als Janet Ruiz. Li Jun Li spielt Cat Hardy, die Bens engste Vertraute wird.
Als Antagonisten treten Jack Huston als Flint Marko/Sandman, Abraham Popoola als Lonnie Lincoln/Tombstone und Andrew Lewis Caldwell als Dirk Leyden/Megawatt auf. Alle drei teilen mit Ben die Herkunft aus dem Kriegsgefangenenlager, haben die Verwandlung aber anders verarbeitet.
Die Serie hat bei Kritikern Anklang gefunden. ScreenRant vergab sieben von zehn Punkten und bezeichnete Spider-Noir als 'eine überzeugende Geschichte für diese neue Realverfilmungsseite von Spider-Man'.
Zweite Staffel noch offen
Ob Spider-Noir eine zweite Staffel erhält, ist bislang nicht entschieden. Eine offizielle Ankündigung von Prime Video steht aus. Die erste Staffel umfasst acht Folgen und ist vollständig auf der Plattform abrufbar.
Angesichts der positiven Kritiken könnte eine Fortsetzung realistisch sein, doch konkrete Informationen zu Verlängerung oder Einstellung fehlen zum aktuellen Zeitpunkt. Fans müssen sich vorerst mit dem Abschluss der ersten Staffel begnügen.
Cage selbst hat mit Spider-Noir eine Figur gefunden, die seinen exzentrischen Darstellungsstil nicht nur zulässt, sondern dramaturgisch begründet. Selten war ein Akzentwechsel so gut erklärt.
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Artikel geschrieben von:

Mia Braun ist Redakteurin bei serien.de mit Fokus auf moderne Streaming-Serien und detaillierte Episodenanalysen.
Alle Artikel von MiaMia hat 2 weitere Artikel zur selben Serie verfasst.