Warum Man on Fire auf Netflix so bitter enttäuscht

Rücksichtsloser Söldner trifft auf Strand-Montagen: Das passt nicht zusammen. Creasy, einst von Washington und Glenn mit brutaler Härte gespielt, findet bei Netflix seinen Seelenfrieden unter Freunden. Diese Neuinterpretation liefert Rache und persönliche Erlösung, aber kaum Spannung.
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Creasy kehrt verändert zurück
John Creasy ist zurück, diesmal gespielt von Yahya Abdul-Mateen II. Die Figur des hochtrainierten und rücksichtslosen Söldners wurde in früheren Adaptionen von Scott Glenn und Denzel Washington verkörpert, zwei Schauspielern, die dem Charakter eine unverwechselbare Härte verliehen. Abdul-Mateen II bringt eine andere Energie mit, die nicht immer überzeugt.
Die Netflix-Serie basiert lose auf dem Roman von A.J. Quinnell und ist weder eine direkte Adaption noch ein Vor- oder Nachläufer der bekannten Filme. Showrunner Kyle Killen beschreibt das Projekt am besten als etwas mit ähnlichen Schwingungen wie die Vorlagen, ohne deren Substanz vollständig zu übernehmen.
Creasy findet in dieser Version einen unorthodoxen Weg zur persönlichen Erlösung: Er umgibt sich mit einer Gruppe von Verbündeten, teilt Kochmomente, Strandspaziergänge in Brasilien und sucht Heilung durch Vergeltung außerhalb des Gesetzes.
Sieben Folgen, zu viel und zu wenig
Ursprünglich als achtteilige Serie geplant, wurde Man on Fire auf sieben Folgen gekürzt. Das Ergebnis fühlt sich gleichzeitig überdehnt und gehetzt an, ein Balanceakt, den die Produktion nie vollständig meistert.
Die ersten beiden Folgen inszenierte Steve Caple Jr., bekannt als Regisseur von Creed II. Sein Stil gibt dem Auftakt eine gewisse kinetische Energie, die der Rest der Staffel nicht konsequent weiterführt. Gedreht wurde die Serie in Mexiko und Brasilien, was dem Thriller zumindest visuell einen authentischen Rahmen gibt.
Bobby Cannavale, Thomas Aquino und Billie Boullet gehören zum erweiterten Cast und bringen Momente, in denen die Serie ihr Potenzial andeutet. Doch diese Augenblicke bleiben zu selten, um das Gesamtbild zu retten.
Freundschaft als Rache-Fundament
Eine der eigenartigsten Entscheidungen der Serie ist ihr Ton. Man on Fire inszeniert Gruppenmomente und zwischenmenschliche Verbindungen mit einer Wärme, die seltsam neben den brutalen Racheakten wirkt. Creasy lernt hier, dass die wahre Rache die Freunde sind, die er unterwegs gefunden hat.
Diese Mischung aus Gewalt und Gemeinschaftsgefühl könnte als bewusste Subversion gelesen werden, wirkt aber in der Umsetzung eher unentschlossen. Kyle Killen scheint sich nicht sicher zu sein, ob er einen knallharten Thriller oder ein Charakterdrama erzählen will.
David Harbour und Jason Bateman sind im Zusammenhang mit dem Projekt genannt worden, was zeigt, welches Kaliber an Schauspielern das Projekt anzog. Ob ihre Rollen dem Versprechen gerecht werden, bleibt eine der zentralen Fragen beim Schauen der Staffel.
Zukunft der Serie offen
Man on Fire legt am Ende der ersten Staffel die Grundlage für weitere Handlungsstränge und signalisiert deutlich, dass die Macher auf Fortsetzungen setzen. Ob Netflix grünes Licht für eine zweite Staffel gibt, hängt von den Zuschauerzahlen der ersten ab.
Die Frage ist, ob das Publikum genug Interesse aufbringt, um eine Verlängerung zu rechtfertigen. Der uninspirierte Grundton der Serie macht es schwer, echte Begeisterung zu erzeugen, selbst wenn einzelne Szenen Spannung aufbauen.
Für Fans des Genres und der Vorlage lohnt sich ein Blick, allein um zu sehen, wie weit sich diese Version vom Quellmaterial entfernt. Wer Denzel Washingtons Version aus dem Jahr 2004 liebt, sollte jedoch keine ähnliche Intensität erwarten.
Fazit: Solide, aber ohne Feuer
Man on Fire auf Netflix ist eine Serie, die mehr verspricht als sie hält. Yahya Abdul-Mateen II gibt sein Bestes in einer Rolle, die ihn nie vollständig fordert. Die Produktion ist handwerklich solide, doch es fehlt der Funke, der aus einem ordentlichen Thriller etwas Unvergessliches macht.
Kyle Killen schafft eine Welt mit interessanten Ansätzen, verliert sich aber zwischen Actionsequenzen, emotionalen Momenten und dem Versuch, eine Franchise-Basis aufzubauen. Das Ergebnis ist eine Staffel, die weder als eigenständiges Werk noch als Neuinterpretation des bekannten Stoffs vollständig überzeugt.
Wer sieben Stunden Zeit hat und Rache-Thriller mag, findet hier kurzweilige Unterhaltung. Wer nach einem neuen Serienobsession sucht, sollte seine Erwartungen deutlich dämpfen.
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Artikel geschrieben von:

Julia Fischer analysiert Serien mit besonderem Fokus auf erzählerische Details, Charakterentwicklung und Genre-Mix.
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