Warum Man on Fire tiefer geht als beide Kinofilme
Wie weit kann Man on Fire noch gehen? Die Netflix-Serie kombiniert erstmals beide Quinnell-Romane, mit Yahya Abdul-Mateen II als Creasy und Rio de Janeiro als brutalem Schauplatz. Ob dieser Ansatz die Figur wirklich neu definiert oder nur mehr Stoff bedeutet, wird die Serie selbst beantworten müssen.
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Zwei Romane, eine neue Geschichte
Man on Fire ist bereits die dritte große Adaption von A.J. Quinnells Roman aus dem Jahr 1980. Was die Netflix-Serie jedoch von beiden Vorgängerfilmen fundamental unterscheidet, ist ihr literarischer Ausgangspunkt: Showrunner Kyle Killen und Regisseur Steven Caple Jr. greifen nicht nur auf den Originalroman zurück, sondern ziehen auch Elemente aus Quinnells 1992 erschienenem Nachfolger 'The Perfect Kill' heran.
Caple Jr. erläuterte, dass das Produktionsteam das Gefühl hatte, am Ende der zweiten Vorlage angelangt zu sein, was die inhaltliche Ausrichtung von Man on Fire betrifft. Diese Entscheidung eröffnet der Serie eine Tiefe, die keiner der beiden Kinofilme erreichen konnte, da ein Spielfilm schlicht nicht den nötigen Raum bietet, um zwei vollständige Romane angemessen zu verarbeiten.
Kyle Killen, bekannt durch seine Arbeit an der Halo-Serie, war der erste, der diesen Adaptionsansatz entwickelte. Caple Jr. betonte, dass man für die genaue Entstehung dieses Konzepts eigentlich Killen selbst befragen müsste, da die Grundidee von ihm stammt.
Was sich gegenüber den Filmen ändert
Scott Glenns Verfilmung von 1987 spielte noch wie der Roman in Italien und legte großen Wert darauf, die Bindung zwischen Creasy und dem Mädchen vor der Entführung aufzubauen. Denzel Washingtons Version aus dem Jahr 2004 verlagerte die Handlung nach Mexiko und konzentrierte sich stärker auf Creasys gnadenlose Jagd nach den Entführern, um Dakota Fannings Figur Pita zu retten.
Die Netflix-Serie mit Yahya Abdul-Mateen II spielt hingegen in Rio de Janeiro. Creasy soll dort eine Teenagerin schützen, deren Eltern bei einem verheerenden Terroranschlag getötet wurden. Die veränderte Ausgangssituation schafft laut Caple Jr. eine andere emotionale Triebkraft für die Figur: Creasy fühlt sich verlassen und fragt sich, wem er noch vertrauen kann.
Darüber hinaus haben sich die Beziehungen zwischen den Figuren gegenüber beiden Filmen verändert. Charaktere wie Billie Boullet und Billy Blanco Jr. spielen in diesem neuen Gefüge eine Rolle, und nicht alle, die in der ersten Staffel präsent sind, werden in der zweiten noch dabei sein.
Creasys neuer emotionaler Kern
Yahya Abdul-Mateen II verkörpert einen John Creasy, der seit Jahren mit einer posttraumatischen Belastungsstörung kämpft und keinen rechten Sinn in seinem Leben findet. Diese psychologische Dimension war zwar in den Filmen angedeutet, wird in der Serie aber deutlich stärker in den Vordergrund gerückt.
Das Gefühl des Verlassenseins, das Caple Jr. beschreibt, verleiht Creasys Vigilantentum eine neue Qualität. Er handelt nicht aus reiner Rache oder blindem Pflichtgefühl, sondern aus einer tiefen inneren Zerrissenheit heraus. Die Frage, wem man vertrauen kann, wenn alle Strukturen wegbrechen, zieht sich als roter Faden durch die Handlung.
Genau diese Verletzlichkeit macht die Figur in der Serienform interessanter als in einem zweistündigen Film. Die Macher haben bewusst darauf gesetzt, Creasys innere Welt über mehrere Staffeln hinweg zu entfalten.
Eine Welt für mehrere Staffeln
Caple Jr. betonte, dass das Team eine Welt und ein Beziehungsgeflecht aufgebaut hat, das sich über verschiedene Staffeln hinweg verzweigen kann. Creasy soll sich darin auf eine Art und Weise bewegen, die einerseits regelwidrig ist, andererseits von dem Wunsch getrieben wird, das Richtige zu tun.
Diese langfristige Planung unterscheidet die Serie grundlegend von beiden Kinoversionen, die jeweils in sich abgeschlossene Erzählungen boten. Durch die Einbeziehung von 'The Perfect Kill' steht dem Autorenteam um Kyle Killen deutlich mehr Quellmaterial zur Verfügung, um die Geschichte organisch weiterzuentwickeln.
Ob und wann eine zweite Staffel offiziell bestätigt wird, hängt vom Erfolg der ersten ab. Ein konkretes Startdatum für die Serie steht derzeit noch aus.
Yahya Abdul-Mateen II als neuer Creasy
Mit Yahya Abdul-Mateen II, bekannt aus 'Wonder Man', übernimmt ein Darsteller die Rolle, der bereits bewiesen hat, dass er komplexe, innerlich zerrissene Charaktere glaubwürdig verkörpern kann. Seine Interpretation von Creasy dürfte sich sowohl von Denzel Washingtons Furor als auch von Scott Glenns kühler Zurückhaltung abheben.
Die Besetzung unterstreicht den Anspruch der Produktion, eine eigenständige Version der Geschichte zu erzählen, die sich nicht an den Vorgängerfilmen orientiert, sondern direkt aus dem literarischen Quellmaterial schöpft. Abdul-Mateen II bringt eine Generation jüngerer Zuschauer mit, für die Man on Fire kein nostalgischer Klassiker, sondern eine neue Entdeckung ist.
Regisseur Steven Caple Jr., der zuletzt mit 'Creed III' Erfahrung mit intensiven, charaktergetriebenen Actiongeschichten gesammelt hat, scheint der ideale Kandidat zu sein, um diesen Balanceakt zwischen Actionspektakel und emotionaler Tiefe zu meistern.
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Artikel geschrieben von:

Emma Mueller ist Serienredakteurin mit klarem Fokus auf spannungsgetriebene Formate wie Action, Drama und Mystery.
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