Warum Kimmel seinen Job bei Jimmy Kimmel Live! nicht verliert

·27.04.2026, 23:01 Uhr·4 Min
Bild: ABC · TMDB

Trotz Trump-Forderung und Entlassungspetition bleibt Kimmel im Amt. Der Moderator von Jimmy Kimmel Live! hatte beim Korrespondenten-Dinner 2025 ein Fake-Video mit Melania gezeigt und einen Witz über ihren Glanz als Witwe gemacht. Dass ABC dem massiven politischen Druck standhält, ist keine Selbstverständlichkeit.

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Der Witz, der alles auslöste

Beim Korrespondenten-Dinner in Washington zeigte Jimmy Kimmel ein gefälschtes Video, in dem Melania Trump und ihr Sohn Barron scheinbar im Studio saßen und seinem Monolog lauschten. Kimmel kommentierte die Szene mit den Worten: 'Unsere First Lady Melania ist hier. Schauen Sie sich Melania an, so schön. Mrs. Trump, Sie haben den Glanz einer erwartungsvollen Witwe.'

Donald Trump reagierte umgehend und bezeichnete den Auftritt als schockierend. Er warf Kimmel vor, ein gefälschtes Video der First Lady und seines Sohnes Barron gezeigt zu haben, um daraufhin einen Kommentar zu platzieren, den Trump als weit jenseits jeder Grenze einstufte.

Pressesprecherin Karoline Leavitt legte nach und nannte Kimmels Rhetorik hassvoll und gewaltverherrlichend. Sie forderte Disney und den Sender ABC auf, Kimmel sofort zu entlassen, und warf dem Moderator vor, das Land zu spalten und politische Vergiftung zu vertiefen.

Cole Allen und die Waffe: Zufall oder Beweis?

Einen Tag nach dem Dinner versuchte ein Mann namens Cole Allen, in den Ballsaal des Korrespondenten-Dinners einzudringen. Allen war mit einer Schrotflinte, einer Pistole und mehreren Messern bewaffnet. Er hatte ein Hotelzimmer im Washington Hilton gebucht und war nach Erkenntnissen der Ermittler mit dem Zug aus Torrance, Kalifornien, rund 4.300 Kilometer entfernt, über Chicago angereist.

Ermittler fanden zudem ein Manifest, in dem Allen erklärte, Mitglieder der Trump-Regierung ins Visier nehmen zu wollen. Seine eigene Familie hatte ihn daraufhin bei den Behörden gemeldet. Trumps Lager versuchte nun, einen direkten Zusammenhang zwischen Kimmels Witz und Allens Plänen herzustellen.

Diese Verbindung ist jedoch konstruiert. Allen hatte laut Manifest explizit Mitglieder der Trump-Regierung als Ziele benannt, also genau jene Seite, die Kimmel angeblich zur Gewalt angestiftet haben soll. Die Logik der Rauswurf-Forderung bricht an diesem Punkt in sich zusammen.

Kimmels eigene Antwort im Monolog

Kimmel ließ die Angriffe nicht unkommentiert. In seinem Monolog sprach er Trump direkt an: 'Ich freue mich, dass Sie geblieben sind, Herr Präsident. Und keine Sorge: Wenn wir Ihr Ego verletzen, lässt das Ihre Hände nur weniger abstoßend aussehen.'

Außerdem äußerte Kimmel sich zu Trumps Gesundheitszustand. Er wies darauf hin, dass Trump in etwa sechs Wochen 80 Jahre alt wird, und zitierte den Medizinprofessor Bruce Davidson von der Washington State University, der im Januar 2026 öffentlich erklärt hatte, er glaube, Trump habe 2025 einen Schlaganfall erlitten.

Kimmel schloss mit der Einschätzung, Trump zeige alle Anzeichen von Demenz. Solche Aussagen sind politisch brisant, bewegen sich aber im Rahmen dessen, was Late-Night-Satire seit Jahrzehnten leistet.

Die Doppelmoral der Empörung

Trumps Lager argumentiert, dass Vergleiche mit Hitler oder Aussagen, Trump sei eine existenzielle Bedrohung für die Demokratie, psychisch labile Menschen zu Taten verleiten könnten. Diese Kritik richtet sich gegen die gesamte Demokratische Partei und Kommentatoren wie Kimmel.

Was dabei übersehen wird: Der Attentäter Tyler Robinson, der Charlie Kirk erschoss, wurde von MAGA-Vertretern verzweifelt als alles andere als einer der ihren dargestellt. Kimmel thematisierte genau dieses Muster in seiner Show und nannte es einen neuen Tiefpunkt politischer Instrumentalisierung.

Oz Pearlman und Brendan Carr, die ebenfalls Teil der Debatte um Medienverantwortung wurden, stehen exemplarisch für ein breiteres Muster: Sobald Satire unbequem trifft, wird aus Kritik ein Entlassungsgrund konstruiert, während die eigene Rhetorik als harmlos gilt.

Warum der Rauswurf nicht kommt

Trump bezeichnete Kimmel als jemanden, der in keiner Weise lustig sei, was seine schlechten Einschaltquoten belegten. Tatsächlich gehört Jimmy Kimmel Live! seit Jahren zu den meistgesehenen Late-Night-Formaten in den USA, was Trumps Behauptung schlicht widerlegt.

Karoline Leavitt warf dem Sender ABC Feigheit vor und behauptete, Kimmel verstecke sich hinter dem Netzwerk. Doch Satire auf politische Figuren, einschließlich des Präsidenten und seiner Familie, ist in den USA durch den ersten Zusatzartikel zur Verfassung geschützt. Ein Entlassungsgrund ergibt sich daraus rechtlich nicht.

Solange Kimmel keine tatsächliche Gewalt aufruft, was der Witz über Melania eindeutig nicht tut, bleibt die Forderung nach seinem Rauswurf das, was sie ist: ein politisches Druckmittel ohne substanzielle Grundlage.

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Quelle: ABCZuletzt aktualisiert: 27.04.2026, 23:01 Uhr

Artikel geschrieben von:

Mia Braun
Autor
Mia Braun
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Mia Braun ist Redakteurin bei serien.de mit Fokus auf moderne Streaming-Serien und detaillierte Episodenanalysen.

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