Jimmy Kimmel Live! überlebt, was andere Shows zerstört hätte

·27.04.2026, 23:17 Uhr·4 Min
Bild: ABC · TMDB

Das Weiße Haus fordert die Entlassung eines Late-Night-Hosts. Donald und Melania Trump verlangen öffentlich von ABC, Jimmy Kimmel zu feuern, nachdem er Melania als 'erwartungsvolle Witwe' bezeichnet hatte. Für die seit 2003 laufende Show bedeutet das den bislang gefährlichsten Angriff von außen.

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Melania-Witz bringt Trump auf die Palme

Der bislang brisanteste Konflikt zwischen Jimmy Kimmel und dem Weißen Haus eskalierte rund um das White House Correspondents' Dinner. Kimmel veranstaltete eine eigene Gegenprogrammierung und warf dabei einen Blick auf Melania Trump, die er als 'erwartungsvolle Witwe' bezeichnete. Der Kommentar schlug wie eine Bombe ein.

Sowohl Donald Trump als auch Melania Trump reagierten öffentlich und forderten den Sender auf, Kimmel zu feuern. Auch Medienwächter Brendan Carr mischte sich in die Debatte ein. Die Forderungen sorgten für intensive Diskussionen darüber, wo die Grenze zwischen politischer Satire und persönlichem Angriff verläuft.

Für Kimmel ist es nicht das erste Mal, dass er wegen eines Witzes über das Präsidentenpaar unter Beschuss gerät. Doch die direkte und öffentliche Forderung eines amtierenden Präsidenten nach seiner Entlassung markiert eine neue Eskalationsstufe in der Geschichte der Sendung.

Charlie Kirk und die Suspendierung 2025

Im September 2025 erlebte Jimmy Kimmel Live! eine existenzielle Krise. Nach der Ermordung des konservativen Aktivisten Charlie Kirk meldete sich Kimmel mit einem Kommentar zu Wort, der ihm eine Suspendierung einbrachte. Er sagte, die MAGA-Bewegung versuche verzweifelt, den jungen Täter als jemanden darzustellen, der nicht zu ihnen gehöre, und nutze den Mord für politische Zwecke.

Der Satz 'Wir haben übers Wochenende einige neue Tiefpunkte erreicht' reichte aus, um einen Sturm der Entrüstung auszulösen. Kritiker wie James Hibberd kommentierten die Reaktionen ausführlich in der Branchenpresse. Der Sender zog die Reißleine und setzte Kimmel vorübergehend außer Dienst.

Die Suspendierung war ein deutliches Signal, dass auch eine etablierte Late-Night-Institution nicht unantastbar ist. Die Frage, ob Kimmel nach diesem Vorfall langfristig auf seinem Posten bleiben würde, beschäftigte die Branche wochenlang.

NBA-Eklat und der Detroit-Fauxpas

Bereits im Juni 2004 sorgte Kimmel für einen handfesten Skandal. Während er seine Sendung bei den NBA-Finals bewarb, sagte er über die Fans der Detroit Pistons, sie würden 'die Stadt Detroit niederbrennen, wenn die Pistons gewinnen, und das sei es nicht wert.' Der Sender nahm die Sendung daraufhin für eine Nacht aus dem Programm.

Kimmel entschuldigte sich anschließend in ungewohnt persönlichen Worten. Er räumte ein, dass es schwer sei, den Schmerz zu verstehen, den Menschen für ihre Heimatstadt empfinden, wenn man 3.000 Kilometer entfernt lebt und dort nie gelebt hat. Es sei nie seine Absicht gewesen, jemandem wehzutun.

Der Vorfall zeigte früh, wie schnell ein unbedachter Satz über eine Stadt und ihre Bewohner zu einer handfesten Krise werden kann. Für Kimmel war es eine der ersten Lektionen darüber, dass Late-Night-Humor klare Grenzen hat.

Proteste wegen China-Sketch 2013

Im Oktober 2013 gingen mehr als 100 Menschen in San Francisco auf die Straße, um Kimmels Entlassung zu fordern. Auslöser war ein Sketch, in dem Kimmel einen sogenannten 'Kids Table' moderierte, bei dem Kinder über die Schulden der USA gegenüber China diskutierten. Als ein Kind vorschlug, alle Chinesen zu töten, lachte Kimmel und nannte das 'eine interessante Idee'.

Der Aufschrei war enorm. Der Congressional Asian Pacific American Caucus schickte einen Brief an den Sender und bezeichnete den Sketch als 'rassistisch unsensibel'. Kimmel und sein Team entschuldigten sich und betonten, man würde niemals absichtlich Inhalte senden, die die chinesische oder asiatische Gemeinschaft verletzen.

Trotz der Entschuldigung blieb der Vorfall ein dunkler Fleck in der Geschichte der Sendung. Er verdeutlichte, wie riskant es ist, Kinderkommentare ungefiltert als Pointe zu verwenden, ohne die gesellschaftliche Wirkung zu bedenken.

Halloween-Challenge und Impf-Debatte

Zwei weitere Kontroversen zeigen, wie breit das Spektrum von Kimmels Fehltritten ist. Seine jährliche Halloween-Challenge, bei der Eltern ihren Kindern erzählen, sie hätten alle Süßigkeiten aufgegessen, und die weinenden Reaktionen ins Fernsehen bringen, wurde von Kinderpsychologin Kathleen Berchelmann scharf kritisiert. Sie warnte, Kimmel ermutige Eltern, Verhalten vorzuleben, das Kindern schade. Auch Pädagogin Meg van Achterberg äußerte sich kritisch: Die Kinder reagierten nicht nur auf den Verlust der Süßigkeiten, sondern auf ein tiefes Gefühl des Verrats.

Ebenso polarisierend war Kimmels Aussage zur Impfdebatte, in der er ungeimpfte Patienten mit den Worten abkanzelte: 'Ruhe in Frieden, Keuchhusten.' Senator Ted Cruz reagierte empört und warf Kimmel vor, denjenigen den Tod zu wünschen, die andere Entscheidungen träfen. Cruz betonte, er selbst sei geimpft, lehne aber solche Aussagen ab.

Schauspieler Thomas Jane, der in der Vergangenheit in Kimmel-Segmenten auftrat, kommentierte die Debatte intern. Die Impf-Kontroverse zeigte, wie sehr Late-Night-Kommentare in einem polarisierten politischen Klima als Waffe eingesetzt werden können, auch von Politikern, die selbst keine Einschränkungen wollen.

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Quelle: ABCZuletzt aktualisiert: 27.04.2026, 23:17 Uhr

Artikel geschrieben von:

Clara Hoffmann
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Clara Hoffmann
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Clara Hoffmann ist Serien-Redakteurin mit besonderem Fokus auf emotionale Drama-Serien und detailreiche Period Pieces.

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