Warum Half Man gerade so viele Zuschauer in den Bann zieht

·06.05.2026, 02:45 Uhr·4 Min
Bild: BBC One · TMDB

Warum zieht ausgerechnet ein stiller Sechsteiler gerade so viele Zuschauer an? Half Man, die BBC-HBO-Koproduktion mit Richard Gadd, läuft donnerstags auf HBO und klettert ohne Hype auf Platz vier der globalen Charts. Was die Serie so anders macht, zeigt sich erst in der ungewöhnlichen Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren.

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Half Man: Gadd kehrt stark zurück

Nach dem weltweiten Durchbruch mit Baby Reindeer hat Richard Gadd seinen nächsten Stoff nicht bei Netflix, sondern gemeinsam mit BBC und HBO entwickelt. Das Ergebnis ist Half Man, ein sechsteiliger Thriller, der die komplexe Beziehung zweier Brüder im Mittelpunkt hat und im späten 20. Jahrhundert angesiedelt ist.

Gadd übernimmt selbst die Rolle des Ruben, während Jamie Bell seinen Bruder Niall verkörpert. Die Jugendversionen der Figuren werden von Mitchell Robertson als junger Niall und Stuart Campbell als junger Ruben gespielt. Die Serie ist bei HBO Max abrufbar und hat sich dort bereits unter die meistgestreamten Inhalte vorgearbeitet.

Auf der Streaming-Tracking-Plattform FlixPatrol belegt Half Man derzeit den vierten Platz, was angesichts der starken Konkurrenz durch die Rückkehr von Euphoria mit Zendaya in der Hauptrolle bemerkenswert ist. Euphoria gilt aktuell als meistgesehene Serie auf der Plattform.

Themen, die unter die Haut gehen

Half Man verhandelt schwere Stoffe: Missbrauch, Männlichkeit, Sexualität und Identität ziehen sich wie ein roter Faden durch die sechs Folgen. Die Serie ist im späten 20. Jahrhundert verortet und nutzt diesen historischen Rahmen, um gesellschaftliche Strukturen zu hinterfragen, die bis heute nachwirken.

Besonders die Dynamik zwischen den Brüdern Ruben und Niall bildet das emotionale Zentrum der Handlung. Zeitsprünge zwischen Kindheit und Erwachsenenalter ermöglichen es, die Wurzeln von Trauma und Gewalt schrittweise freizulegen. In der aktuellen Folge zeigt ein weiterer Zeitsprung die Nachwirkungen von Rubens brutalem Angriff auf Alby, gespielt von Bilal Hasna.

Gadd beweist mit dieser Erzählstruktur, dass er komplexe emotionale Landschaften ebenso souverän gestalten kann wie bei Baby Reindeer. Die Serie verzichtet auf einfache Antworten und hält die Zuschauer in einem Zustand anhaltender Anspannung.

Kritiker: Lob und Widerspruch

Die Kritiken zu Half Man fallen gemischt aus. Auf dem Bewertungsportal Rotten Tomatoes kommt die Serie auf 76 Prozent, was auf ein gespaltenes Kritikerfeld hindeutet. Therese Lacson vom Filmmagazin Collider zählt zu den überzeugten Stimmen und lobte die Serie als 'meisterhaft angespannt'.

Aramide Tinubu vom Branchenblatt Variety bezeichnete Half Man als 'erschütternd brutal anzusehen', was sowohl als Warnung als auch als Anerkennung der emotionalen Wucht gelesen werden kann. Die Serie polarisiert, weil sie ihre Themen mit unnachgiebiger Konsequenz verfolgt.

James Walton vom Spectator zeigte sich weniger begeistert. Er kritisierte, dass Gadds Überzeugung, etwas Bedeutsames zu sagen, zu offensichtlich spürbar sei. Diese Einschätzung steht stellvertretend für jene Stimmen, die der Serie eine gewisse Selbstgefälligkeit vorwerfen.

Kein zweites Baby Reindeer, aber nah dran

Half Man erreicht nicht die überwältigende Begeisterung, die Baby Reindeer bei seiner Veröffentlichung auslöste. Jenes Netflix-Drama wurde zum kulturellen Gesprächsthema und machte Gadd über Nacht zu einem der gefragtesten Serienmacher Großbritanniens.

Dennoch zeigt die Platzierung auf den Streaming-Charts, dass Half Man ein treues und wachsendes Publikum gefunden hat. Die Serie beweist, dass Gadd kein Eintagsfliegen-Talent ist, sondern ein Autor mit einer klar erkennbaren Handschrift: nah an der Figur, unbequem in der Betrachtung, präzise in der Sprache.

Für Fans von Baby Reindeer ist Half Man ein logischer nächster Schritt: dunkler vielleicht, komplexer in der Figurenkonstellation, aber ebenso entschlossen darin, Dinge auszusprechen, die andere Serien lieber verschweigen.

Neue Folgen: Was kommt als nächstes?

Neue Folgen von Half Man erscheinen wöchentlich und sind bei HBO Max verfügbar. Die aktuelle Episode dreht sich um die Folgen von Rubens Angriff auf Alby, gespielt von Bilal Hasna, und setzt die Chronologie mit einem weiteren Zeitsprung fort.

Die sechsteilige Struktur gibt der Serie einen klaren Rahmen: Gadd erzählt keine offene Geschichte, die auf weitere Staffeln ausgelegt ist, sondern ein in sich geschlossenes Werk. Das verleiht Half Man eine Dringlichkeit, die viele mehrstaffelige Serien vermissen lassen.

Wer die Serie noch nicht begonnen hat, findet bei HBO Max alle bisher veröffentlichten Folgen auf Abruf. Angesichts des wachsenden Interesses lohnt sich ein früher Einstieg, bevor die Diskussion um das Finale beginnt.

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Quelle: BBC OneZuletzt aktualisiert: 06.05.2026, 02:45 Uhr

Artikel geschrieben von:

Anna Schneider
Autor
Anna Schneider
Science FictionFantasy-SerienMystery

Anna Schneider analysiert Serien von düsteren Mystery-Stoffen bis zu leichteren Komödien mit Fokus auf Erzählstruktur und Figurenentwicklung.

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