Warum Euphoria den OnlyFans-Trend unbequemer zeigt als jede andere Serie

Eine Serie über Teenager kritisiert OnlyFans schärfer als jeder Dokumentarfilm. Sam Levinson verglich das Geschäftsmodell direkt mit 'leichter Zuhälterei' und erklärte, die Show zeige bewusst keinen Emanzipations-Bogen. Überraschend: Genau dieser kritische Blick brachte Euphoria heftige Kritik ein.
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Levinson erklärt seinen kritischen Blick
In einem Gespräch mit Talkmaster Bill Maher verteidigte Euphoria-Schöpfer Sam Levinson die Entscheidung, OnlyFans nicht als Erfolgsmodell zu feiern. Seine Aussage war direkt: 'Wir werfen einen ziemlich kritischen Blick darauf. Es höhlt den Menschen aus. Man ist ständig abhängig von Likes und externer Bestätigung.' Levinson sieht darin kein Empowerment-Narrativ, sondern eine Warnung.
Der Showrunner stellte dabei auch eine wirtschaftliche Einordnung vor: OnlyFans erwirtschafte mittlerweile ähnlich viel wie die gesamte Filmindustrie in Hollywood. Für Jugendliche, die auf Instagram aufgewachsen sind und sich selbst als Marke begreifen, sei der Schritt zur bezahlten Selbstvermarktung deshalb naheliegend. Die Frage nach den langfristigen Folgen dieser Entwicklung sei für ihn der eigentliche Kern der Geschichte.
Levinson räumte ein, dass er sich manchmal frage, ob die Kritik an der Serie anders ausgefallen wäre, hätte Euphoria den OnlyFans-Lebensstil als befreiend dargestellt. Stattdessen entschied er sich bewusst für einen unbequemen Blickwinkel.
Cassies Storyline und der Auslöser
In der dritten und letzten Staffel von Euphoria meldet sich Cassie (Sydney Sweeney), gespielt von Sydney Sweeney, bei OnlyFans an, um ihre rund 46.000 Euro teure Hochzeit mit Nate (Jacob Elordi) (Jacob Elordi) zu finanzieren. Ihre Managerin wird dabei Maddy (Alexa Demie) (Alexa Demie), die Levinson gegenüber Bill Maher als 'moralisches Zentrum' der Staffel bezeichnete.
Levinson beschrieb Maddys Rolle mit einem provokanten Vergleich: 'Sie managte die Mädchen, was eine völlig neue Branche ist. Es ist so etwas wie leichtes Zuhältertum.' Diese Formulierung dürfte kaum weniger Diskussionen auslösen als die eigentlichen Szenen der Serie.
Eine besonders kontroverse Sequenz zeigt Cassie in einem Windel-Outfit mit Schnuller im Mund. Zahlreiche OnlyFans-Schöpferinnen wiesen darauf hin, dass sogenanntes Age-Play auf der Plattform ausdrücklich verboten ist. Die Szene wurde als sachlich falsch und schädlich für das Bild der Branche kritisiert.
Chloe Cherry über Realität und Fiktion
Chloe Cherry, die vor ihrer Schauspielkarriere selbst als Erwachsenenfilmdarstellerin und OnlyFans-Schöpferin tätig war, äußerte sich ebenfalls zu Cassies Handlungsbogen. Sie spielte in Staffel 2 von Euphoria die Figur Faye Valentine und kennt beide Seiten des Themas aus eigener Erfahrung.
Cherry zeigte sich gespalten: 'Es ist wirklich schwer zu sagen, ob es ihr Macht geben würde. Offensichtlich ist Cassie extrem attraktiv, also würde sie damit wahrscheinlich viel Geld verdienen.' Gleichzeitig nannte sie die Wendung 'absolut verrückt', angesichts des privilegierten Lebens, das Cassie führt.
Ihre gesellschaftliche Einschätzung war scharf: OnlyFans sei ein 'seltsames Phänomen der 2020er Jahre', auf das man später mit großer Verwirrung zurückblicken werde. Die Akzeptanz von Sexarbeit im Mainstream habe nichts mit Ermächtigung zu tun, sondern sei eine direkte Folge des Kapitalismus und einer sich verschlechternden Wirtschaftslage.
Reaktionen der OnlyFans-Community
Viele echte OnlyFans-Schöpferinnen reagierten mit Unmut auf die Darstellung in Euphoria. Sie kritisierten, die Serie bediene schädliche Klischees und vermittle ein verzerrtes Bild ihrer Arbeit. Besonders die Windel-Szene mit Sydney Sweeney wurde als Beispiel für eine Darstellung angeführt, die mit der Realität der Plattform nichts zu tun hat.
Der Vorwurf lautet: Levinson nutze extreme und verbotene Inhalte als visuellen Shortcut, um Verfall und Erniedrigung zu symbolisieren, ohne die tatsächlichen Arbeitsbedingungen auf der Plattform zu verstehen oder zu recherchieren. Ob diese Kritik berechtigt ist oder ob sie genau das bestätigt, was Levinson thematisieren wollte, bleibt offen.
Levinson selbst sieht in der Kritik einen indirekten Beweis für seinen Ansatz: Wer eine Geschichte ohne Beschönigung erzählt, bekommt Gegenwind. Wer Selbstvermarktung als Befreiung feiert, bleibt unangefochten.
Euphoria Staffel 3 bei WOW
Die dritte und abschließende Staffel von Euphoria ist in Deutschland bei WOW abrufbar. Die Serie produziert von HBO begleitet eine Gruppe Jugendlicher durch Sucht, Trauma und gesellschaftlichen Druck. Mit der OnlyFans-Storyline erweitert Levinson den Blick auf neue Formen der Selbstausbeutung im digitalen Zeitalter.
Der Abschluss der Serie war von Anfang an als ehrliches Ende geplant. Levinson und sein Cast sprachen davon, die Geschichte ohne Beschönigung zu Ende zu erzählen. Dass dieses Versprechen eingehalten wurde, zeigen die Debatten, die Staffel 3 ausgelöst hat.
Ob Euphoria mit seinem gesellschaftskritischen Anspruch letztlich überzeugt oder überfordert, entscheidet jede Zuschauerin und jeder Zuschauer selbst. Die Diskussion darüber ist jedenfalls genau das, was Levinson offenbar angestrebt hat.
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Artikel geschrieben von:

Marie Weber berichtet über Action-, Drama- und Mystery-Serien mit besonderem Fokus auf Spannungsdramaturgie und Figurenzeichnung.
Alle Artikel von MarieMarie hat 3 weitere Artikel zur selben Serie verfasst.