Warum die Abgänge bei The Pitt mehr als nur eine Casting-Frage sind

Zwei Abgänge, und plötzlich steht eine ganze Branche unter Verdacht. Tracy Ifeachor und Supriya Ganesh verließen die HBO-Serie The Pitt, was Fans von Frauen of Color in der Show aufschreckte. Schauspielerin Moafi macht klar: Das Problem sitzt tiefer als eine einzelne Produktion.
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Abgänge bei The Pitt: Was steckt dahinter?
Die Abgänge von Tracy Ifeachor und Supriya Ganesh aus der HBO-Produktion The Pitt haben unter Fans, die die Darstellung von Frauen of Color in der Serie schätzen, Unbehagen ausgelöst. Die Frage stand im Raum, ob ein Muster hinter diesen Personalwechseln steckt. Moafi nimmt dazu klar Stellung.
Für die iranisch-amerikanische Schauspielerin liegt die Antwort nicht in den spezifischen Umständen dieser Serie, sondern in der Branche als Ganzes. 'Das ist nicht das Problem dieser Serie. Es ist ein kulturelles Problem. Es ist ein System, in dem Misogynie und Patriarchat so tief eingebettet sind', sagt Moafi. Damit rückt sie die Diskussion von einer Einzelproduktion auf eine strukturelle Ebene.
Gleichzeitig stellt sie klar, dass The Pitt ohne Noah Wyle und seine Figur Dr. Robby (Noah Wyle) in dieser Form nie entstanden wäre. Dr. Robby fungiert seit der ersten Staffel als Anker der Serie, die Welt der Handlung entfaltet sich um seine Perspektive. Das sei, so Moafi, kein Zufall, sondern Ausdruck langjähriger Fernsehkonventionen.
Cate Blanchett und das Zahlenproblem
Moafi beruft sich auf eine Aussage von Cate Blanchett, die das Ungleichgewicht auf Filmsets mit konkreten Zahlen beschrieben hatte: Zehn Frauen stünden dort 70 Männern gegenüber. Dieses Verhältnis, sagt Moafi, sei bezeichnend für eine Industrie, in der Fortschritt oft mehr Fassade als Realität ist.
Ihre Schlussfolgerung ist kämpferisch. Wer dieselbe Frustration teile, müsse selbst zur Lösung werden. Als Vorbilder nennt sie Issa Rae, Michaela Coel und Phoebe Waller-Bridge, Frauen, die ihre eigenen Stoffe entwickelt und damit Machtverhältnisse verschoben haben. 'Wir müssen uns mit unseren Stiften und Computern hinsetzen und die Lösung werden', sagt Moafi, 'weil bestimmte Vorstellungen über Frauen und ihren Platz unterbewusst wirken, besonders für Frauen of Color.'
Diese Haltung ist bei Moafi kein bloßes Statement. Die Schauspielerin hat über Jahre aktiv daran gearbeitet, Besetzungsentscheidungen zu beeinflussen und Figuren inhaltlich mitzugestalten, anstatt fertige Rollen passiv anzunehmen.
Wie Moafi Dr. Al-Hashimi selbst formte
Dr. Baran Al-Hashimi war ursprünglich als rein iranischstämmige Figur geschrieben, trug aber einen irakischen oder arabischen Namen. Moafi intervenierte und bat darum, die Figur als halb-iranisch, halb-irakisch zu konzipieren. Der Grund: Sie kennt Menschen mit genau diesem Hintergrund, die die kulturelle Ähnlichkeit beider Länder ebenso kennen wie ihre historische Feindschaft, geprägt durch Krieg, US-Bombardierungen und kollektives Trauma.
Zusätzlich brachte Moafi ihre eigene Biografie in die Rolle ein. Als Botschafterin des International Rescue Committee und als Kind von Geflüchteten verlieh sie der Figur eine Tiefe, die über das Drehbuch hinausging. Auch die Darstellung einer Ärztin mit Temporallappenepilepsie entwickelte sie gemeinsam mit den Autoren, um die Nuancen einer multikulturellen Figur mit einer chronischen Erkrankung authentisch zu erfassen.
Moafi erklärt, wie sie persönliche Erfahrungen von Ausgrenzung und Scham nutzt, auch wenn sie bestimmte Lebensrealitäten nicht direkt geteilt hat. 'Ich habe nicht im Krieg gelebt, aber meine Eltern schon. Sie haben Revolution und politische Verfolgung erlebt. Das steckt in meiner DNA', sagt sie. Dieses Erbe fließt direkt in ihre Darstellung ein.
Theater als Fundament einer TV-Karriere
Bevor Moafi zur festen Größe in Serienproduktionen wurde, formte sie das Theater. Ihr Studium mit Abschluss an der University of California in Irvine sowie ihre Bühnenarbeit, zuletzt in der Off-Broadway-Produktion 'New Born' im Audible-Theater Minetta Lane, haben ihr ein körperliches Verständnis von Ausdruck mitgegeben. 'Wer im Theater und in der Oper ausgebildet wird, lernt, auf eine viel athletischere, muskulösere Art zu erkunden und auszudrücken', sagt sie. Im Fernsehen werde das auf das Maß der Kamera destilliert.
Erste Fernsehrollen folgten kurz nach dem Studium, zunächst Gastauftritte in Procedurals, dann größere Teile in Streamingproduktionen wie 'Black Bird', 'The L Word: Generation Q' und 'Class of 09'. Den entscheidenden Schub gab ihr die HBO-Produktion 'The Deuce', entwickelt von David Simon und George Pelecanos, wo sie erstmals das Gefühl echter Sichtbarkeit am Set erlebte.
Über 'The Deuce' sagt Moafi, alle hätten dieselbe Absicht geteilt: das bestmögliche Werk zu schaffen, als Team. 'Ich arbeite gut in solchen Umgebungen, wenn die Menschen ihr Ego an der Tür lassen', erklärt sie. Diese Erfahrung prägte ihren Anspruch an jede weitere Produktion.
Sichtbarkeit als politischer Akt
Moafi beschreibt, wie sie als iranische Schauspielerin immer wieder das Bild von Besetzungsverantwortlichen und Produzenten über eine Figur verändert hat, über Hautfarbe, Körper, Herkunft. Jedes Mal, wenn ihr das gelungen sei, habe sie Stolz empfunden. Repräsentation ist für sie kein Selbstzweck, sondern ein Mittel, um das kollektive Bewusstsein zu erweitern.
Ihre Figuren, sagt sie, sollen das Spezifische so weit treiben, dass es zum Allgemeinen wird. Scham, das Gefühl des Nicht-Dazugehörens, Diskriminierung: Das sind Erfahrungen, die über Kulturgrenzen hinweg resonieren, wenn sie konkret und ehrlich dargestellt werden. Genau das versucht Moafi mit jeder Rolle.
The Pitt ist bei HBO Max in Deutschland abrufbar. Ob und wann eine weitere Staffel produziert wird, ist derzeit noch nicht offiziell bestätigt.
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Artikel geschrieben von:

Sarah Becker analysiert Streaming-Highlights aus den Bereichen Krimi, Drama und Mystery mit geschultem Blick für Erzählstrukturen.
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