Viele übersehen The Other Bennet Sister noch, dabei trifft es einen Nerv
Fünf Bennet-Schwestern, und Mary zählte jahrzehntelang nicht. The Other Bennet Sister dreht diesen Klassiker um: Ella Bruccoleri spielt die mittlere Schwester, die in London zwischen zwei Verehrern, Mr. Hayward und Mr. Ryder, erstmals als Hauptfigur existiert. Das Austen-Universum wird dadurch um eine Perspektive reicher, die längst überfällig war.
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Mary Bennet endlich im Rampenlicht
Wer Jane Austens Stolz und Vorurteil kennt, weiß: Mary Bennet war stets die Schwester, über die hinweggesehen wurde. Während Elizabeth charmierte und Jane bezauberte, blieb Mary die stille, etwas steife Mittlere, die niemand wirklich wahrnahm. The Other Bennet Sister ändert das grundlegend.
Die Serie nimmt sich genau jener Figur an, die im Original kaum Raum bekam, und fragt: Was wäre, wenn Mary die Chance erhielte, sich selbst neu zu entdecken? Das Ergebnis ist eine einfühlsame, humorvolle und romantische Geschichte, die den Geist Austens atmet, ohne ihn sklavisch zu kopieren.
Besonders stark ist dabei der Ansatz, Marys innere Blockaden ernst zu nehmen. Sie zweifelt nicht nur daran, ob andere sie mögen, sondern daran, ob an ihr überhaupt etwas Liebenswertes zu finden ist. Dieser emotionale Kern macht die Serie zu mehr als einer harmlosen Kostümromanze.
Ella Bruccoleri trägt die Serie
Die Wahl von Ella Bruccoleri für die Titelrolle erweist sich als glücklicher Griff. Die Schauspielerin verleiht Mary eine Mischung aus Verletzlichkeit und trockenem Witz, die die Figur sofort sympathisch macht, ohne sie zu glätten oder zu idealisieren.
Bruccoleri spielt Mary als jemanden, der gelernt hat, sich unsichtbar zu machen, weil Unsichtbarkeit sicherer war als Ablehnung. Wenn diese Schutzschicht im Laufe der Serie langsam bröckelt, ist das einer der berührendsten Aspekte der Handlung.
Dass Bruccoleri dabei nie in Klischees verfällt, liegt auch am sorgfältig geschriebenen Drehbuch, das Mary die Zeit lässt, die sie braucht, um sich zu entfalten, ohne das Tempo der Geschichte zu opfern.
London als Ort der Befreiung
Der entscheidende Wendepunkt in Marys Leben ist ihr Umzug nach London. Weg von der erdrückenden Mutter, weg vom Elternhaus, das sie klein gehalten hat. Bei ihrer liebevollen Tante und ihrem Onkel beginnt Mary zum ersten Mal, die Welt mit anderen Augen zu sehen.
London fungiert in der Serie als Gegenentwurf zur provinziellen Enge von Longbourn. Die Stadt bietet Mary Anonymität, aber auch die Möglichkeit, sich neu zu erfinden, ohne dass jeder bereits eine feste Meinung über sie hat.
Diese räumliche Verlagerung ist kein bloßes Kulissenwechsel, sondern erzählerisch klug eingesetzt: Erst in der Distanz zur Familie kann Mary erkennen, wer sie jenseits der Rolle der stillen Mittleren wirklich ist.
Zwei Männer, eine Entscheidung
Das romantische Herzstück der Serie bildet das Aufeinandertreffen von Mary mit zwei sehr unterschiedlichen Männern. Mr. Hayward, gespielt von Dónal Finn, bringt eine ernsthafte, tiefgründige Qualität mit, die gut zu Marys nachdenklicher Natur passt. Finn ist vielen Zuschauern bereits aus anderen Produktionen bekannt und überzeugt auch hier mit subtiler Intensität.
Auf der anderen Seite steht Mr. Ryder in der Verkörperung von Laurie Davidson: charmanter, vielleicht etwas leichtfüßiger, aber keineswegs oberflächlich. Die Dynamik zwischen den beiden Männern und Mary ist der Motor der romantischen Handlung und hält die Spannung über weite Strecken aufrecht.
Was die Serie dabei auszeichnet, ist, dass beide Kandidaten echte Substanz besitzen. Es geht nicht darum, zwischen Gut und Böse zu wählen, sondern darum, was Mary für sich selbst will. Das ist eine erfrischend moderne Lesart eines klassischen Liebesdreieck-Motivs.
Austens Erbe neu gedacht
The Other Bennet Sister bewegt sich in einem gut bestellten Feld: Jane-Austen-Adaptionen und Spin-offs gibt es viele, von Bridgerton bis zu diversen Neuverfilmungen von Stolz und Vorurteil. Was diese Serie unterscheidet, ist der Fokus auf eine Figur, die bislang konsequent übersehen wurde.
Damit stellt die Serie auch eine implizite Frage an Austens Original: Hatte Mary nicht immer schon mehr verdient? Die Antwort der Macherinnen und Macher lautet klar ja, und sie untermauern diese Haltung mit einer Geschichte, die sowohl Austen-Kennerinnen und -Kenner als auch Neulinge ansprechen dürfte.
Für deutschsprachige Zuschauerinnen und Zuschauer dürfte The Other Bennet Sister über einen der bekannten Streaming-Dienste verfügbar werden, traditionell landen BBC-Produktionen dieser Art in der DACH-Region bei Anbietern wie Sky oder Disney+. Ein konkretes Startdatum steht noch aus.
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Kritiker feiern The Other Bennet Sister: das hat konkrete Gründe
Ob eine träge Regency-Serie wirklich fesseln kann, ist die eigentliche Frage. The Other Bennet Sister hat ein Tempo-Problem, das Kritiker klar benennen, aber trotzdem empfehlen. Was die Serie trotzdem trägt, ist eine Hauptdarstellerin, die kaum Raum für Zweifel lässt.

Mary Bennet war immer da, doch The Other Bennet Sister erzählt ihre Geschichte erstmals
Ausgerechnet die meistbelächelte Bennet-Schwester trägt jetzt eine ganze Serie. Janice Hadlows Romanadaption gibt Mary, der brillentragenden Außenseiterin aus Pride and Prejudice, zehn Episoden auf BritBox ab Mai 2026. Dass eine Randfigur zum Hauptcharakter wird, passiert selten so konsequent wie hier.

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Ausgerechnet die steifste Bennet-Schwester reißt Rekorde. The Other Bennet Sister feierte den größten britischen Dramastart seit über einem Jahr auf BritBox. Dass eine Figur, die Austen selbst zur Zielscheibe machte, so ein Publikum anzieht, hat niemand erwartet.
Artikel geschrieben von:

Anna Schneider analysiert Serien von düsteren Mystery-Stoffen bis zu leichteren Komödien mit Fokus auf Erzählstruktur und Figurenentwicklung.
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