Eine vergessene Figur kehrt zurück: The Other Bennet Sister dreht die Vorlage um
Ausgerechnet die steifste Bennet-Schwester reißt Rekorde. The Other Bennet Sister feierte den größten britischen Dramastart seit über einem Jahr auf BritBox. Dass eine Figur, die Austen selbst zur Zielscheibe machte, so ein Publikum anzieht, hat niemand erwartet.
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Mary Bennet neu erzählt
The Other Bennet Sister nimmt eine der am häufigsten übersehenen Figuren aus Jane Austens Klassiker und rückt sie ins Zentrum. Wo Mary in Stolz und Vorurteil meist als steife, selbstgerechte Randfigur behandelt wurde, entfaltet die Serie eine komplexe junge Frau auf der Suche nach ihrem Platz in der Welt.
Die Adaption basiert auf dem gleichnamigen Roman von Janice Hadlow und wurde von Sarah Quintrell für den Bildschirm bearbeitet. Das Ergebnis ist eine Produktion, die den Geist der Regency-Ära einfängt, ohne dabei in nostalgische Schwere zu verfallen.
Ella Bruccoleri trägt die Serie mit einer Leistung, die Mary sowohl verletzlich als auch eigensinnig zeigt. Ihr Spiel verleiht der Figur eine emotionale Tiefe, die im Original stets fehlte.
Handlung nimmt unerwartete Wendung
Die ersten beiden Folgen bewegen sich noch im vertrauten Terrain von Stolz und Vorurteil: Familienalltag, gesellschaftliche Erwartungen, die Schwestern Bennet. Doch am Ende der zweiten Episode bricht die Serie radikal mit diesem Rahmen.
Ein Schicksalsschlag schickt Mary zu ihrer Tante und ihrem Onkel nach London. Ab diesem Moment betritt die Serie vollständig unbekanntes Territorium, das Janice Hadlows Roman erst erschaffen hat. Die verbleibenden acht halbstündigen Folgen erzählen eine Geschichte, die Austen so nie geschrieben hat.
Genau diese Freiheit macht The Other Bennet Sister zu mehr als einer weiteren Austen-Adaption. Die Serie nutzt den Sprung nach London, um Mary mit einer Welt zu konfrontieren, in der ihre Qualitäten auf unerwartete Weise leuchten.
Ensemble überzeugt auf ganzer Linie
Neben Ella Bruccoleri glänzt das Ensemble mit bekannten Gesichtern: Ruth Jones und Richard E. Grant übernehmen tragende Rollen und verleihen der Serie zusätzliches Gewicht. Ihre Präsenz signalisiert, dass The Other Bennet Sister mit vollem Einsatz produziert wurde.
Poppy Gilbert, Victor Pilard, Ryan Sampson, Molly Wright und Grace Hogg-Robinson vervollständigen ein Ensemble, das die Londoner Gesellschaft des frühen 19. Jahrhunderts lebendig werden lässt. Jede Figur bringt eigene Konflikte und Widersprüche mit, die Marys Entwicklung spiegeln oder herausfordern.
Ein zentrales Zitat der Serie fasst Marys Reise prägnant zusammen: 'Du besitzt keine Verstellung. Deine Qualitäten strahlen heraus. Sie sind nicht verdorben durch den falschen Glanz der Welt.' Dieser Satz beschreibt nicht nur Mary, sondern auch den Ton der gesamten Produktion.
Rekordstart für britisches Drama
The Other Bennet Sister wurde zum größten britischen Dramastart seit einem Jahr. Die Zahlen belegen, dass das Publikum nach frischen Blickwinkeln auf bekannte Stoffe hungert, besonders wenn sie so konsequent und liebevoll umgesetzt werden wie hier.
BritBox hat mit dieser Produktion bewiesen, dass Austen-Adaptionen nicht zwingend ehrfürchtig oder verstaubt sein müssen. Die Serie bricht mit Erwartungen, ohne den Respekt vor der Vorlage zu verlieren.
Für die zweite Staffel, die bereits bestätigt wurde, darf man gespannt sein, wohin Marys Weg noch führt. Die erste Staffel hat das Fundament für eine Figur gelegt, die das Potenzial hat, zur neuen Ikone des britischen Kostümdramas zu werden.
Selbstfindung als Herzstück der Serie
Was The Other Bennet Sister von anderen Regency-Dramen unterscheidet, ist der konsequente Fokus auf innere Entwicklung statt äußere Romanze. Mary sucht keine Ehe als Ziel, sondern ein Leben, das ihren eigenen Wünschen und Fähigkeiten entspricht.
Autorin Sarah Quintrell hat Janice Hadlows Roman in eine Serienstruktur übertragen, die diesen Kern bewahrt und gleichzeitig für das Fernsehformat schärft. Die halbstündigen Folgen halten das Tempo hoch und vermeiden die Längen, die Kostümdramen manchmal lähmen.
The Other Bennet Sister ist letztlich eine Geschichte über das Recht, man selbst zu sein, verpackt in Korsetts und Kutschenfahrten. Und genau darin liegt ihre universelle Stärke, die weit über das Genre hinausreicht.
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Artikel geschrieben von:

Julia Fischer analysiert Serien mit besonderem Fokus auf erzählerische Details, Charakterentwicklung und Genre-Mix.
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