The Other Bennet Sister startet mit der Figur, die alle vergessen haben
Wie weit trägt eine Figur, die niemand wirklich mochte? The Other Bennet Sister startet am 6. Mai auf BritBox mit wöchentlichem Episodenrollout und stellt Mary Bennet erstmals als Protagonistin in den Mittelpunkt. Ob Janice Hadlows Romanvorlage dafür genug Substanz liefert, zeigen die nächsten zehn Wochen.
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Warum Mary Bennet heute relevanter ist
Die Idee zur Serie entstand vor acht oder neun Jahren, als Autorin Janice Hadlow Produzentin Jane Tranter erstmals von ihrem Konzept erzählte. Tranter erkannte sofort das Potenzial: Eine Frau, die keine konventionelle Heldin ist, ins Zentrum einer Geschichte zu stellen, schien ihr ein dringendes Vorhaben.
Tranter ist überzeugt, dass Mary Bennet für die heutige Generation junger Frauen emotionaler nachvollziehbar ist als ihre berühmtere Schwester Elizabeth. Mary steht am Rand, wird unterschätzt und kämpft um Anerkennung, ein Gefühl, das viele Zuschauerinnen kennen.
Die zehnteilige Miniserie wird wöchentlich veröffentlicht und wurde von Sarah Quintrell gemeinsam mit Maddie Dai adaptiert. Ella Bruccoleri übernimmt die Hauptrolle der Mary Bennet.
Besetzung mit Augenzwinkern zur Geschichte
Eine besondere Hommage an die Seriengeschichte steckt in der Besetzung von Lucy Briers: Sie spielte Mary Bennet bereits in der legendären BBC-Verfilmung von 1995, in der Colin Firth als Mr. Darcy und Jennifer Ehle als Elizabeth Bennet zu sehen waren. In The Other Bennet Sister verkörpert Briers nun die Haushälterin Mrs. Hill.
Diese Entscheidung ist kein Zufall, sondern ein bewusstes Spiel mit dem kollektiven Gedächtnis des Publikums. Wer die Klassiker kennt, wird in Briers' Auftritt eine liebevolle Verbeugung vor der Seriengeschichte erkennen.
Die Produktion stammt von Bad Wolf, dem Studio hinter Serien wie Industry und der neuen Doctor-Who-Ära. Für die Hauptrolle wurde Ella Bruccoleri verpflichtet, die Mary mit frischer Energie in die Gegenwart trägt.
Zwei Verehrer und ein nasser Hemdärmel
Auch The Other Bennet Sister spart nicht an romantischen Momenten, die Austen-Fans lieben. Mary findet sich in der ungewöhnlichen Lage, gleich zwei Verehrer zu haben, und Tranter verrät mit einem Augenzwinkern, dass beide Herren den Weg in den See finden werden.
Die Anspielung auf die berühmte Szene aus der 1995er-Verfilmung, in der Colin Firth als triefend nasser Mr. Darcy aus dem Wasser stieg, ist eindeutig gewollt. Tranter beschreibt es so: Beide Verehrer müssen im See landen, und beide müssen im weißen Hemd wieder herauskommen.
Das verspricht Unterhaltung für Austen-Kenner und Neulinge gleichermaßen, während die Serie gleichzeitig ihren eigenen emotionalen Kern bewahrt.
Weitere Austen-Figuren im Blick
Tranter denkt bereits über Mary Bennet hinaus. Sie erklärt, dass Bad Wolf sich derzeit intensiv mit den Romanen von Jane Austen beschäftigt und gezielt nach weiteren Figuren sucht, denen Austen selbst einen kritischen Seitenblick zugeworfen hat.
Mary sei nicht die einzige Nebenfigur im Austen-Universum, die von der Autorin bewusst mit Distanz oder Ironie gezeichnet wurde. Genau diese Figuren interessieren Tranter als Ausgangspunkt für neue Adaptionen.
Welche Charaktere konkret in Frage kommen, ließ Tranter offen. Doch das Prinzip ist klar: Wer bei Austen bisher am Rand stand, könnte bald im Mittelpunkt stehen.
Industry Staffel 5 und Bad Wolfs Zukunft
Neben The Other Bennet Sister blickt Bad Wolf auch auf die Zukunft von Industry. Tranter beschreibt die Entwicklung der Serie als kontinuierlichen Qualitätssprung: Zwischen Staffel 1 und 2 gab es einen großen Schritt, zwischen 2 und 3 einen noch größeren, zwischen 3 und 4 einen massiven, und Staffel 5 werde diesen Trend fortsetzen.
Zum Abschluss der Serie verspricht Tranter ein durch und durch glückliches Ende, das zum Ton der bisherigen vier Staffeln passt. Fans der Serie dürfen sich also auf einen versöhnlichen Abschluss freuen.
Bad Wolf wurde zudem von der BBC und Disney+ gemeinsam mit BBC Studios als Produktionspartner für ein großes Auftragspaket von 26 Episoden verpflichtet, was die wachsende Bedeutung des Studios in der britischen Serienlandschaft unterstreicht.
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Viele übersehen The Other Bennet Sister noch, dabei trifft es einen Nerv
Fünf Bennet-Schwestern, und Mary zählte jahrzehntelang nicht. The Other Bennet Sister dreht diesen Klassiker um: Ella Bruccoleri spielt die mittlere Schwester, die in London zwischen zwei Verehrern, Mr. Hayward und Mr. Ryder, erstmals als Hauptfigur existiert. Das Austen-Universum wird dadurch um eine Perspektive reicher, die längst überfällig war.

Kritiker feiern The Other Bennet Sister: das hat konkrete Gründe
Ob eine träge Regency-Serie wirklich fesseln kann, ist die eigentliche Frage. The Other Bennet Sister hat ein Tempo-Problem, das Kritiker klar benennen, aber trotzdem empfehlen. Was die Serie trotzdem trägt, ist eine Hauptdarstellerin, die kaum Raum für Zweifel lässt.

Mary Bennet war immer da, doch The Other Bennet Sister erzählt ihre Geschichte erstmals
Ausgerechnet die meistbelächelte Bennet-Schwester trägt jetzt eine ganze Serie. Janice Hadlows Romanadaption gibt Mary, der brillentragenden Außenseiterin aus Pride and Prejudice, zehn Episoden auf BritBox ab Mai 2026. Dass eine Randfigur zum Hauptcharakter wird, passiert selten so konsequent wie hier.
Artikel geschrieben von:

Lea Zimmermann analysiert aktuelle Serien mit besonderem Blick für Atmosphäre, Figurenentwicklung und Erzählstruktur.
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