Ohne Andrew Guest wäre Wonder Man nach den WGA-Streiks 2023 eingestellt worden

·04.06.2026, 19:01 Uhr·4 Min
Ohne Andrew Guest wäre Wonder Man nach den WGA-Streiks 2023 eingestellt worden
Bild: Disney+ · TMDB

Marvel sollte so viel wie möglich produzieren, doch Wonder Man überlebte kaum. Die Serie war eines der letzten Projekte in Entwicklung, als Streiks und eine platzende Streaming-Blase die Produktion stoppten. Dass sie trotzdem erscheint, verdankt sie laut Regisseur Destin Daniel Cretton einzig Kevin Feiges Einsatz hinter den Kulissen.

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Ein Projekt am seidenen Faden

Wonder Man war von Beginn an ein gefährdetes Projekt. Showrunner Andrew Guest beschreibt die Entstehungsphase offen: 'Wonder Man war definitiv ein verwundbares Projekt. Wir waren eines der letzten Projekte, die hereinkamen, als Disney Marvel anwies, so viel wie möglich zu produzieren.' Die Streaming-Blase platzte mitten in der Entwicklung, dann stoppten die Streiks von WGA und SAG-AFTRA 2023 die Produktion, ohne Garantie auf Wiederaufnahme.

Regisseur Destin Daniel Cretton, der die ersten beiden Folgen inszenierte, lobt Marvel-Chef Kevin Feige für seinen Einsatz hinter den Kulissen: 'Diese Serie hat viele Leben. Es gab eine Menge Drama hinter den Kulissen. Bei einem anderen Studio wäre sie definitiv eingestellt worden.' Cretton arbeitet derzeit an der Postproduktion von Spider-Man: Brand New Day.

Was die Serie letztlich rettete, war auch ihr ungewöhnlicher Ansatz. Wonder Man erzählt keine klassische Superheldengeschichte. Es geht um einen kämpfenden Schauspieler, dessen geheime Kräfte sein Leben ruinieren, nicht retten. VFX-Supervisor John Haley schätzt, dass Wonder Man im Vergleich zu anderen MCU-Serien, an denen er mitgewirkt hat, nur etwa halb so viele Effektaufnahmen enthält.

Von Trevor Slattery zu Simon Williams

Der Ursprung von Wonder Man liegt auf dem Set von Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings. Cretton und Produzent Jonathan Schwartz entwickelten dort 2020 erste Ideen für eine Spin-off-Serie rund um Ben Kingsleys Figur Trevor Slattery, den gescheiterten Schauspieler, der weltweite Verurteilung auf sich zog, weil er die Rolle des Terroristen Mandarin gespielt hatte. Crettons Ausstattungsabteilung entwarf sogar ein Plakat mit dem Arbeitstitel 'Trevor Goes to Hollywood'.

Da Marvel bereits eine Hollywood-zentrierte Wonder-Man-Serie entwickelte, verschmolzen beide Konzepte. Andrew Guest lieferte schließlich den entscheidenden Pitch: inspiriert von Mitternachtscowboy, eine unwahrscheinliche Freundschaft zwischen zwei einsamen, narzisstischen Schauspielern, die beide auf eine Hauptrolle im fiktiven Wonder-Man-Film hoffen. Die Grundkonstellation, in der Trevor und Simon Williams gemeinsam um Rollen kämpfen, trägt die gesamte erste Staffel.

Mit Kingsley bereits an Bord setzte sich Cretton für Yahya Abdul-Mateen II als Simon ein. Ausschlaggebend war Abdul-Mateen II seine Bühnenarbeit: Seine vielseitige Darstellung in Topdog/Underdog am Broadway überzeugte Cretton vollständig. Dessen frühere Rolle als Aquaman-Bösewicht Black Manta im DC-Universum spielte bei der Entscheidung, ein Marvel-Angebot anzunehmen, keine Rolle.

Abdul-Mateen II fordert ein Gespräch mit Feige

Yahya Abdul-Mateen II vergleicht seinen Umgang mit dem MCU-Angebot damit, nur einen einzigen Dollar ausgeben zu dürfen und diesen klug einzusetzen. Der gebürtige New-Orleans-Bewohner wollte sichergehen, dass die Figur seinen Vorstellungen entspricht, und forderte deshalb ein direktes Gespräch mit Kevin Feige, obwohl seine Agenten ihn davor warnten, das könnte ihn schwierig wirken lassen. 'Ich hatte die Kühnheit zu sagen: Nein, ich muss mit dem Chef sprechen', erinnert er sich.

Das Gespräch verlief besser als erwartet. Abdul-Mateen II schildert es so: 'Kevin war vollkommen offen. Ich sagte ihm, ich wolle menschlich und komisch sein, und er antwortete, genau deshalb hätten sie mich gewollt.' Die Bedingungen stimmten, die Zusage folgte.

Die Zusammenarbeit mit Ben Kingsley begann ungewöhnlich. Kingsley lehnte Abdul-Mateen II seinen Vorschlag ab, sich vor dem Dreh persönlich kennenzulernen, und bereitete sich vollständig eigenständig vor. Wer Änderungen am Drehbuch wünschte, musste diese melden, bevor Kingsley seinen Text auswendig gelernt hatte. 'Dadurch, dass er so unabhängig in seiner Vorbereitung war, hat er mich angespornt', sagt Abdul-Mateen II, der zur ersten Leseprobe von Episode eins den gesamten Text auswendig konnte.

Los Angeles als unverzichtbare Kulisse

Wonder Man ist auch ein Liebesbrief an Los Angeles und an all jene, die mit großen Träumen in die Stadt kommen. Cretton und Guest drehten an Orten wie dem TCL Chinese Theatre und dem Hollywood Walk of Fame, legten aber besonderen Wert auf weniger fotografierte Stadtteile. Nach dem ersten gemeinsamen Vorsprechen gehen Simon und Trevor im Taix trinken, dem inzwischen geschlossenen 99 Jahre alten französischen Restaurant in Echo Park.

Cretton kehrte für die Serie in Viertel zurück, in denen er seine ersten beiden Independentfilme gedreht hatte. Simons bescheidene Wohnung erinnerte ihn bewusst an seine eigenen Anfänge: 'Ich konnte fast den Schimmel meiner ersten Wohnung in Echo Park riechen, als ich noch von 99-Cent-Burritos und Instant-Nudeln lebte', sagt er.

Gedreht wurde in Los Angeles, auch ohne Steuerförderung. Marvel und das Wonder-Man-Team setzten die Entscheidung für die Stadt durch, weil der Schauplatz untrennbar mit dem Kern der Geschichte verbunden ist.

Zweite Staffel bereits bestätigt

Die erste Staffel endet damit, dass Simon den Soundstage eines Wonder-Man-Films in die Luft jagt, nachdem Trevor ihm gesteht, als Informant für die Behörde zur Schadensbegrenzung tätig gewesen zu sein. VFX-Supervisor John Haley bezeichnet diese Sequenz als das handwerkliche Herzstück der Staffel, weil sie die Zusammenarbeit zahlreicher Abteilungen erforderte. Simon bricht Trevor am Ende aus dem Gefängnis frei.

Die Reaktionen auf Marvels unkonventionellste Serie fielen so positiv aus, dass Disney eine zweite Staffel in Auftrag gab, was für Marvel-Serien eher selten ist. Showrunner Guest verrät die Richtung: 'Simon schließt zum ersten Mal in seinem Leben eine echte Freundschaft. Das wird für ihn als Mensch wichtiger sein als jede Traumrolle.' Die rechtliche Situation beider Figuren soll dabei nicht ausgeklammert werden.

Josh Gad spielt in einer Folge eine überdrehte Version seiner selbst als Schauspieler, der nach einem missglückten Filmstunt im Körper des Superhelden Doorman, gespielt von Byron Bowers, gefangen ist. Auch Gad bat vor seiner Zusage um ein Gespräch mit Feige, scherzt aber, der habe ihm 'freundlich durch die Zähne gelogen' und versprochen, er werde noch eine richtige MCU-Figur spielen dürfen.

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Quelle: Disney+Zuletzt aktualisiert: 04.06.2026, 19:01 Uhr

Artikel geschrieben von:

Clara Hoffmann
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Clara Hoffmann
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Clara Hoffmann ist Serien-Redakteurin mit besonderem Fokus auf emotionale Drama-Serien und detailreiche Period Pieces.

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